TUI-Leihmaschine Im Ferienjet nach Guantanamo

Der Reiseveranstalter TUI hat ein Flugzeug an eine amerikanische Chartergesellschaft verliehen - und die fliegt damit nach SPIEGEL-Informationen auch zum Gefangenenlager Guantanamo.

Boeing 737 der TUI (Archiv)
DPA

Boeing 737 der TUI (Archiv)


Charterfluggesellschaften machen ihren Hauptumsatz und -gewinn meist im Sommer, zur Haupturlaubszeit. Im Winter sind die Maschinen schlecht ausgelastet, manche Firmen legen die Jets sogar still oder vermieten sie an Betreiber in sonnigeren und wärmeren Gefilden - wie die TUI.

Die hat mit einer solchen Ausleihaktion neuerdings allerdings ein Problem. Sie hat eine Maschine vom Typ Boeing 737 an die US-VIP-Charter Fluggesellschaft Miami Air International verleast, ohne das dazugehörige Personal. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die befördert mit dem Flieger allerdings nicht nur Fußballer oder Firmenkunden, sondern auch Regierungsbeamte und hochrangige Angehörige des US-Militärs. Nach SPIEGEL-Informationen gehen die Flüge unter anderem zur Guantanamo Bay auf Kuba, wo auch das gleichnamige berüchtigte Gefangenenlager liegt.

Das Flugzeug mit dem deutschen Registrierungszeichen D-ATUK ist nun unter der amerikanischen Nummer N748 MA unterwegs, der alte Schriftzug wurde mit "miami air" überklebt, aber auf der Heckflosse prangt noch der TUI-Smiley.

Erst am 2. Februar landete die TUI-Maschine erneut in Guantanamo. Der Vertrag, den der Konzern mit Miami Air geschlossen hat, lässt das offenbar zu. Für Truppen- oder Gefangenentransporte dürfe der Flieger laut Vertrag allerdings nicht eingesetzt werden versichert ein TUI-Sprecher. Das sei im Vertrag detailliert geregelt.

"Zeit für neue Ziele", so hieß vor einigen Jahren mal ein Werbespruch des deutschen Reiseveranstalters. Der amerikanische Leasingpartner setzt ihn jetzt um, allerdings anders als einst beabsichtigt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
BiggusDickus 09.02.2018
1. Wo ist der Nachrichtenwert?
Und nun? Da verleast die TUIfly (nicht TUI), wie seit etlichen Jahren schon, Flugzeuge während der Saure-Gurken-Zeit an ausländische Airlines, sichert damit ganz beiläufig deutsche Arbeitsplätze und ist dann dafür verantwortlich, wohin die Leasingnehmer die Flugzeuge einsetzen? Also bitte! Das soll jetzt empören, oder wie? Kann den Nachrichtenwert nicht erkennen.
Titanus 09.02.2018
2. Skandal?
Es werden ja nicht einmal Gefangene transportiert, sondern nur Militärs und Regierungsbeamte. Wo genau liegt jetzt der Skandal? Selbst wenn Gefangene transportiert würden, wäre das doch okay. So kämen diese Menschen wenigstens mal in den Genuss eines relativ luxuriösen Transportes...
Circular 10.02.2018
3. Wie werden da deutsche Arbeitsplätze gesichert
Zitat von BiggusDickusUnd nun? Da verleast die TUIfly (nicht TUI), wie seit etlichen Jahren schon, Flugzeuge während der Saure-Gurken-Zeit an ausländische Airlines, sichert damit ganz beiläufig deutsche Arbeitsplätze und ist dann dafür verantwortlich, wohin die Leasingnehmer die Flugzeuge einsetzen? Also bitte! Das soll jetzt empören, oder wie? Kann den Nachrichtenwert nicht erkennen.
wenn der Leasingnehmer mit eigenem Personal fliegt, wie es im Beitrag steht.
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