Turbulenzen an der Wall Street: Dow-Jones-Kurse fahren Achterbahn

Es war in Punkten gemessen der stärkste Kurssturz in der Geschichte der Wall Street: Der Dow-Jones-Index ist zeitweise um knapp tausend Zähler eingebrochen. Händler erklärten den Absturz mit der Griechen-Krise - verantwortlich könnte aber auch ein Tippfehler bei einer Transaktion sein.

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New Yorker Börse: Hektische Händler, nervöse Aktienkurse

New York - Kurzzeitig herrschte Panik an der New Yorker Börse: Binnen Minuten stürzte der Dow-Jones-Index um fast tausend Punkte ab und somit zwischenzeitlich unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten. Fast ebenso schnell erholte sich der Index allerdings auch wieder. Er schloss bei rund 10.520 Zählern - immer noch ein Minus von mehr als 350 Punkten, rund 3,2 Prozent. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 3,24 Prozent auf 1128 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 3,44 Prozent auf 2319 Punkte.

Investoren hatten sich den Tag über enttäuscht gezeigt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) keine zusätzlichen Maßnahmen ergriff, um ein Ausweiten der Schuldenkrise Griechenlands auf andere Länder zu vermeiden. Von Computerprogrammen gesteuerte Verkäufe und enttäuschende Einzelhandelszahlen verstärkten den Abwärtstrend.

Möglicherweise war die Griechenlandkrise aber auch gar nicht oder nur teilweise für den Absturz verantwortlich: Wie der US-Fernsehsender CNBC berichtete, könnte auch menschliches Versagen mitgespielt haben. Es habe eine fehlerhafte Transaktion bei einem bedeutenden Marktteilnehmer gegeben, hieß es.

Was genau passierte, war zunächst noch unklar. Eine Möglichkeit, die untersucht wurde, war, dass ein Händler Aktien im Wert von 16 Milliarden Dollar statt 16 Millionen Dollar verkaufte. Im Englischen macht nur ein Buchstabe den Unterschied: Billion (Milliarden) statt Million (Millionen). Das löste dann die automatischen Verkäufe aus, die zum Kurssturz führten. Die US-Börsenaufsicht untersuchte den Fall. Die Technologiebörse Nasdaq teilte zwei Stunden nach Handelsschluss mit, dass alle offensichtlich irrtümlichen Handelsaktionen zwischen 14.40 Uhr und 15.00 Uhr rückgängig gemacht würden. Ein Grund wurde nicht genannt.

Den größten Ausschlag nach unten gab in dem Moment, als Händler Bilder von neuen Zusammenstößen in Athen sahen, wo das Parlament zuvor das einschneidende Sparprogramm gebilligt hatte. Innerhalb von Minuten halbierte sich der Verlust anschließend von 998,50 Punkten auf 470.

"Der Markt erkennt nun, dass Griechenland in den nächsten paar Jahren eine Depression durchmachen wird", sagte Analyst Peter Boockvar von Miller Tabak. "Europa ist ein wichtiger Handelspartner von uns, und das bedroht die gesamte globale Wachstumsstory."

Auch der Euro litt unter der Entwicklung: Er sank in New York erstmals seit März 2009 auf einen Wert von unter 1,26 Dollar.

Eindringlich hatte der griechische Regierungschef Georgios Papandreou um die Zustimmung der Parlamentarier in Athen geworben: "Die Zukunft Griechenlands steht auf dem Spiel." Die meisten Abgeordneten seiner Fraktion folgten dem Appell: 172 Abgeordnete stimmten für das drastische Sparprogramm, 121 votierten dagegen, drei enthielten sich.

Die Abstimmung war überschattet von dem tödlichen Brandanschlag vom Mittwoch. Vor der Bank, in der drei Menschen starben, legten am Tag danach Passanten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Rund 30.000 Menschen demonstrierten vor dem Parlament zunächst friedlich gegen die nun beschlossenen massiven Kürzungen von Löhnen und Gehältern im öffentlichen Dienst, der Renten und der Anhebung von Verbrauchssteuern. Am Abend gab es dann aber Zusammenstöße mit der Polizei. Rund 5.000 Demonstranten verharrten zunächst vor dem Parlament. Später gingen Bereitschaftspolizisten mit Tränengas gegen steinewerfende Jugendliche vor.

wit/apn/Reuters/AFP/dpa/apn

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Das griechische Sparprogramm
Wie viel Griechenland sparen möchte
AP
Bis 2013 möchte die Regierung in Athen insgesamt 30 Milliarden Euro einsparen. Alleine in diesem und im kommenden Jahr will das Land insgesamt 7,6 Milliarden Euro weniger ausgeben. Das Sparpaket ist Bedingung für die Bereitstellung der Hilfskredite der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro.

Das Haushaltsdefizit soll schrittweise von derzeit rund 15,4 Prozent auf 2,6 Prozent des BIP im Jahr 2014 gedrosselt werden - und damit unter die EU-Schuldengrenze. Wegen der erforderlichen Neuaufnahme von Krediten wird der griechische Schuldenberg aber voraussichtlich bis zunächst 2013 auf rund 190 Prozent des BIP ansteigen.

Folgen für den Staat und seine Bediensteten
Die öffentlichen Investitionen werden um 1,5 Milliarden Euro zurückgefahren. Die Verkleinerung des Staatsapparats soll eine weitere Milliarde Euro einsparen. Das 13. und 14. Monatsgehalt für Staatsbedienstete ist gestrichen worden, wobei niedrige Gehaltsgruppen einen Ausgleich in Höhe von jährlich 1000 Euro erhalten.

Zudem soll im öffentlichen Dienst nur jede fünfte Stelle, die frei wird, neu besetzt werden. Spätestens im Herbst 2011 sind darüber hinaus weitere Stellenstreichungen geplant.

Folgen für Rentner
AFP
Die höchsten Pensionen sind gekürzt worden, zudem erhalten Pensionäre weniger Urlaubs-, Weihnachts- und Ostergeld. Das Renteneintrittsalter ist erhöht worden: 40 Jahre lang müssen Arbeitnehmer künftig Beiträge einzahlen, um die volle Rente zu erhalten.
Steuererhöhungen
Griechenland hat die Mehrwertsteuer von 19 auf 23 Prozent erhöht. Auch die Steuern auf Alkohol, Tabak und Benzin sind gestiegen. Die Regierung erhebt zudem eine Ökosteuer, auch Glücksspiele und Unternehmensgewinne werden besteuert. Für illegale Bauvorhaben ist eine Strafsteuer fällig. Insgesamt sollen die Erhöhungen in den kommenden zwei Jahren 7,8 Milliarden Euro in die Kassen spülen.
Folgen für die griechische Wirtschaft
REUTERS
Durch die radikalen Einsparungen rechnet das griechische Finanzministerium zunächst mit einem Verlust der Kaufkraft und damit mit einem Rückschlag für die Wirtschaft. Prognosen sagen in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um vier Prozent voraus, 2011 soll das BIP demnach um weitere 3,0 Prozent schrumpfen. Erst für 2012 rechnen die Experten wieder mit einem leichten Wachstum.