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Milliardenübernahme von Twitch: Amazon greift Googles Werbe-Imperium an

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Amazon-Chef Bezos: Neue Attacke gegen Google

Eine Milliarde Dollar für eine Plattform, auf der junge Leute zuschauen, wie andere zocken: Amazons Kauf der Firma Twitch ist nur die neueste Attacke auf das Werbe-Imperium von Google.

Hamburg - Twitch? Wenn Sie älter als 25 sind, haben Sie von dieser Firma womöglich noch nie gehört. Und Sie können wahrscheinlich wenig mit dem Service anfangen, den das Unternehmen seinen Kunden bietet. Trotzdem ist es Amazon knapp eine Milliarde Dollar wert. So viel will der Internetriese für Twitch hinblättern.

Twitch ist eine Video-Website, auf der (meist junge) Leute stundenlang zuschauen, wie andere (ebenfalls meist junge) Leute Computerspiele spielen. Die Plattform überträgt die Daddelei live, teils schauen Tausende Fans gleichzeitig zu, meist kommentieren sie die Erfolge und Misserfolge der Spielenden in Echtzeit.

Für Eltern mag das wie ein Albtraum klingen, für Analysten ist es ein lukratives Geschäftsmodell. Sie deuten Amazons Milliardenkauf als Baustein einer langfristigen Strategie. Der einstige Bücherhändler ist in den vergangenen Jahren in immer neue Geschäftsbereiche vorgestoßen, nun drängt er verstärkt in einen der größten und bedeutsamsten Internetmärkte: die Online-Werbung. Amazon will seine Umsätze in diesem Sektor massiv steigern - und fordert Marktführer Google heraus.

Noch ist die Distanz zwischen den beiden Firmen gewaltig. Der Branchendienst eMarketer schätzt Googles Anteil am globalen, 140 Milliarden Dollar schweren Werbemarkt auf gut 31,5 Prozent. Amazons Anteil taxiert der Dienst auf nicht einmal ein Prozent. Doch der IT-Riese um Jeff Bezos will seine Performance rasch steigern. Twitch ist dafür ein wichtiger Schritt.

Das nächste YouTube?

Erst 2011 wurde das Portal gegründet, im Juli hatte es rund 55 Millionen Nutzer, von denen rund eine Million selbst auf Sendung gingen. Das IT-Blog "Quartz" handelt Twitch angesichts dieses steilen Wachstums bereits als das nächste YouTube.

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Populärer Videodienst: Was das Besondere an Twitch ist
Laut eMarketer werden sich die Ausgaben für Online-Videowerbung in den kommenden vier Jahren verdreifachen - von derzeit vier auf dann zwölf Milliarden Dollar. Twitch ist eine attraktive Plattform in diesem wachsenden Werbesegment: Sie wächst schnell, spricht eine sehr junge Zielgruppe an - und ist obendrein ein ideales Werbeumfeld für die Computerspieleindustrie, deren Produkte allein 75 Prozent aller App-Verkäufe für Smartphones und Tablets ausmachen.

Das mögliche Werbemodell von Amazon liegt auf der Hand: Die Firma könnte unter jedes - oder gar: in jedem - Twitch-Video einen Link zum betreffenden Spiel im eigenen Online-Shop setzen. Sie dürfte versuchen, Millionen junger Internetnutzer zu bewegen, sich einen Amazon-Account einzurichten. Und Amazon kann mithilfe der Twitch-Daten das Surf- und Konsumverhalten der jungen Kundschaft näher erforschen - einer Zielgruppe, um die auch Google buhlt.

Frontalangriff auf Google

Neben dem Kauf von Twitch plant Amazon offenbar noch weitere Vorstöße in den Online-Werbemarkt. Laut "Wall Street Journal" arbeitet Bezos' Firma an einer eigenen Software, mit der sich Online-Anzeigen auf fremden Websites einbetten lassen. "Amazon Sponsored Links" soll das neue Werbeformat heißen. Es käme einem Frontalangriff auf Google gleich.

Denn während Google seinen Werbekunden vor allem die passenden Anzeigenplätze für Suchbegriffe und Websites vermittelt, kann Amazon auch "Daten über das Konsumverhalten seiner Kunden nutzen, um Anzeigen noch zielgenauer zu machen", sagte Karsten Weide, Analyst bei dem Marktforschungsunternehmen IDC, dem "Wall Street Journal".

"Amazon verfolgt Google jetzt aggressiv in seinem Kerngeschäft", resümiert der Branchendienst "Quartz". Der Kampf um den Online-Werbemarkt dürfte bald deutlich schärfer werden.

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1. ich verstehe
berney 26.08.2014
diese neue Art von Geschäften nicht. Amazon macht seit Bestehen miese und kauft milliardenschwer ein. nur auf dem Papier existiert der theoretische Gegenwert, der dies rechtfertigt. Wo ist die Absicherung?
2. ist doch egal,
Veterano48 26.08.2014
ob Amazon, Google oder andere Milliardenkonzerne. Sie haben alle eins gemeinsam: sie zahlen alle (fast) keine Steuern. Für mich ist Amazon "gestorben" und beim googeln zahle ich nichts.
3. Naja, das kann schon Sinn machen
helgman 26.08.2014
Nehmen wir angesichts des Kaufpreises mal getrost an, Amazon meint es wirklich ernst, in den digitalen Werbemarkt einzutreten, dann sind funktionierende Bewegtbildportale schon eine sichere Bank. M.K.n. machte YouTube für Google in 2013 um die 5,5 Mrd. US$ Umsatz bei gut 30% Rendite. Klar, da mag Twitch noch Entwicklungspotential haben, aber der Schritt ist schon logisch. "Kunden die XYZ online spielten, kauften auch Shades of Grey"... sowas in der Art ;)
4. Warum nur junge Leute
johnbatz 26.08.2014
Ich bin 50, ich kenne Twitch von Anfang an, ich spiele Starcraft und sehe mir auf Twitch auch Spiele an und bin in einem Ü30 Clan. Endspiele schauen wir zusammen und das ist interessanter als Fußball. So und nu? Muss ich mich schlecht fühlen? Was im Artikel nicht erwähnt wurde, aber doch recht interessant ist: die Treiber von Nvidia, (Grafikkarten, welche den größten Marktanteil haben) unterstützen direkt das Streamen auf Twitch, man muss nur noch die Accountdaten angeben.
5. @Veterano48
dacr 26.08.2014
Wenn du denkst, dass du bei Google nicht zahlst täuschst du dich! Sobald du über Google irgendetwas findest hat das Unternehmen dafür auf welche Art und Weise auch immer gezahlt und entsprechend in der Preiskalkulation deines Einkaufs berücksichtigt.. Geld welches Google auf die ein oder andere Weise zufließt. VG
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