Wegen Massenentlassung Angestellte kapern Twitter-Account von HMV

Wenn Konzern-PR nach hinten losgeht: Wütende Angestellte der insolventen britischen Handelskette HMV haben für einige Minuten den offiziellen Twitter-Account ihres Arbeitgebers übernommen - und ätzende Kommentare gegen die Entlassungswelle im Unternehmen in die Welt geschickt. 

Screenshot des Twitter-Kanals von HMV: "Massenhinrichtung von loyalen Angestellten"

Screenshot des Twitter-Kanals von HMV: "Massenhinrichtung von loyalen Angestellten"


London - Ein aufmerksamer Leser konnte sich denken, dass da etwas nicht stimmte: "Wir twittern live von der Beschäftigtenversammlung, auf der wir alle entlassen werden. Aufregend!" hieß es plötzlich auf dem offiziellen Twitter-Account der britischen Handelskette HMV. Zwei Minuten später: "Eine Massenhinrichtung von loyalen Angestellten, die die Marke lieben." Und schließlich: "Ich habe gerade unseren Marketing-Direktor (der übrigens seinen Job behält) sagen hören: Wie schalte ich Twitter ab?"

Wie die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, ließen die Angestellten des insolventen Entertainment-Einzelhändlers HMV ihrem Ärger für einige Minuten freien Lauf, dann wurde der Kanal abgeschaltet und die Tweets unter dem Hashtag #hmvXFactorFiring gelöscht. Wie die Angestellten an die Zugangsdaten des Accounts kamen, ist unklar. Das Konto soll vor zwei Jahren von einem unbezahlten Praktikanten eingerichtet worden sein.

Die Insolvenzverwalter, die bei HMV vor zwei Wochen die Geschäfte übernommen haben, wollten den Vorfall nicht kommentieren. Sie bestätigten aber Pläne, 190 Angestellte zu entlassen. Insgesamt sind in dem fast hundert Jahre alten Traditionsunternehmen 4500 Arbeitsplätze gefährdet. HMV, das vor allem CDs, Unterhaltungselektronik und Bücher anbietet, leidet unter der Konkurrenz des Internethandels.

ade



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insgesamt 2 Beiträge
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Tony Parker 31.01.2013
1.
HMV leidet unter dem Internerhandel? Dafür haben Ketten wie HMV all die kleinen Plattenläden weltweit auf dem Gewissen. Mit dem Aussterben der kleinen, aber oftmals weitaus mehr als feinen, kleinen läden ist immerhin ein wichtiges Stück Musikkultur ausgestorben. Hir geht eine seelenlose Kette den Bach runter. HMV bekommt einfach den Lauf der Geschichte zu spüren, so wie die Kleinen vor ein paar Jahren. Survival of the fittest fällt mir dazu ein. Selbstverständlich tun mir die Mitarbeiter deren Jobs gefährdet sind immens leid. Ich weiss wovon ich spreche, da ich vor einigen Jahren selber dazu gezwungen war meinen Plattenladen zu schließen. Nicht nur große Ketten waren der Grund. Das Internet war 2005 schon ein mächtiger Konkurent. Jetzt trifft es halt die, deren Budget und Größe das Unvermeidliche nur herausgezögert haben. Aber anstatt das Internet zu nutzen und Kunden mal ausgefallene und seltene, regulär nicht erhältliche Mediaträger zu besorgen (nur ein kleines Beispiel), wird einem der immer gleiche Schrott angeboten. Selbst Schuld.
mk84 01.02.2013
2. Sehr schön...
interessant ist doch die Tatsache, dass der gut bezahlte Marketingleiter (der in dieser Position nicht einmal mit Twitter umgehen kann) offenbar seinen Job behält - und unbezahlte Praktikanten das Ganze eingerichtet haben. Immer das gleiche Spiel. Und wetten, dass die oberen Entscheider dieser Kette trotz des absehbaren Niederganges des Geschäftsmodells und dutzender Fehlentscheidungen garantiert nicht einfach so entlassen werden?
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