Trump-Boom Twitter überrascht mit Nutzerzuwachs

Kommt der Trump-Boom mit Verspätung doch noch bei Twitter an? Der Kurznachrichtendienst hat zuletzt mehr neue Nutzer gewonnen als erwartet. Finanziell sieht es allerdings weiterhin mau aus.

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Twitter hat zu Jahresbeginn deutlich mehr Nutzer hinzugewonnen als erwartet. Im vergangenen Quartal kamen neun Millionen monatlich aktive Nutzer hinzu, teilte der Kurznachrichtendienst mit. Im frühen Handel sprang die Twitter-Aktie zeitweise mehr als zehn Prozent in die Höhe.

Im Vierteljahr davor konnte Twitter nur zwei Millionen neue Nutzer gewinnen, obwohl die Wahlkampf-Tweets von US-Präsident Donald Trump für große Aufmerksamkeit sorgten. Twitter kommt damit auf 328 Millionen monatlich aktive Nutzer. Analysten hatten lediglich mit durchschnittlich rund 321 Millionen kalkuliert.

Nun habe die politische Aktivität doch eine Rolle gespielt, sagte Finanzchef Anthony Noto. Ein Beleg dafür seien unter anderem die drei Millionen neuen Nutzer in den USA nach einer Stagnation im Quartal davor.

Werbeeinnahmen rückläufig

Bei den Finanzen sieht es für den Dienst allerdings nach wie vor mau aus. Der Umsatz sank erstmals seit dem Börsengang. Er gab im ersten Quartal im Jahresvergleich um acht Prozent auf 548 Millionen Dollar nach. Den Ausschlag dafür gab der Rückgang der Werbeerlöse um elf Prozent auf 474 Millionen Dollar. Der Nettoverlust verringerte sich um rund ein Viertel auf 61,6 Millionen Dollar.

Die Firmenspitze um Mitgründer und Chef Jack Dorsey erklärt den Rückgang der Werbeerlöse unter anderem damit, dass Twitter mehrere wenig rentable Anzeigenprodukte eingestellt habe, um sich auf die lukrativen Geschäfte zu konzentrieren. Dieser Effekt werde die Umsatzentwicklung auch in den kommenden Quartalen bremsen.

Wie die meisten anderen sozialen Netzwerke hat sich Twitter darauf konzentriert, eine hohe Zahl von Nutzern mit kostenlosen Diensten anzulocken. Werbeeinnahmen wie von Firmen bezahlte Twitter-Nachrichten in der Timeline der Nutzer sollen den Dienst finanzieren. Das gelingt dem vor elf Jahren gegründeten Unternehmen aber nicht so gut wie einigen seiner Rivalen wie Facebook und Snapchat.

Fokus auf Aktualität

Dorsey verordnete Twitter einen engen Fokus auf aktuelle News. Twitter solle der Ort sein, an dem man zuerst von etwas erfahre - "wir zeigen, was auf der Welt passiert und was die Menschen darüber sagen". Mit dieser Vision werde mit der Zeit auch das Geschäft wachsen, zeigte er sich in einer Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen überzeugt. Dorsey setzt dabei - ähnlich wie zum Beispiel auch Facebook - unter anderem auf Livevideo-Übertragungen.

Erfolge habe Twitter mit dem härteren Vorgehen gegen Hassrede, Mobbing und Belästigungen verzeichnet, sagte Dorsey. Die Zahl der Beschwerden sei zurückgegangen. Das Problem aggressiver Tweets wird häufig auch als Hindernis für eine stärkere Aktivität von Werbekunden gesehen.

Um das Unternehmen rankten sich zuletzt immer wieder Übernahmespekulationen. Als Interessenten wurden etwa der SAP-Konkurrent Salesforce.com oder der Medienkonzern Walt Disney genannt.

brt/Reuters/dpa

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