Uber reagiert auf Skandalserie Uberfällig

Sexismus, Diskriminierung, Mobbing: Nach einem verheerenden Bericht über das interne Arbeitsklima will sich Uber reformieren. Chef Kalanick nimmt eine "Auszeit" - doch die "Bad Boy"-Kultur sitzt tief.

Uber-Chef Travis Kalanick
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Uber-Chef Travis Kalanick

Von , New York


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Arianna Huffington trat auf die Bühne. Sie war nicht als Publizistin da, ihr üblicher Titel, sondern als Aufsichtsrat. Flankiert von mehreren Vorstandskollegen sprach sie zuerst offen aus, worüber alle im Saal tuschelten: "Wo ist Travis?"

Travis Kalanick, der Gründungschef des skandalträchtigen US-Fahrdienstvermittlers Uber, hatte sich nur Minuten vor der Belegschaftsversammlung abgemeldet - per E-Mail. Er müsse mal "eine Weile freinehmen", schrieb er an die rund 12.000 Uber-Mitarbeiter, "um nachzudenken, an mir selbst zu arbeiten" und der Boss zu werden, "den diese Firma verdient". Wie lange das dauern soll, verriet er nicht, verabschiedete sich aber mit den Worten: "Bis bald, Travis."

So bald dürfte das aber nicht sein. Kalanicks Auszeit war natürlich keineswegs freiwillig, und nicht nur bei Uber versteht sie jeder als Abschied auf Raten. Denn auch in der coolen Tech-Branche gilt: Der Fisch stinkt vom Kopf.

"Uber ist sein Leben", sagte Huffington über Kalanick, bevor sie die Angestellten in der Firmenzentrale in San Francisco über die weiteren, nicht minder dramatischen Entwicklungen informierte. "Er hat die volle Verantwortung übernommen." Trotzdem bleibt erst mal offen, ob der einstweilige Abschied des Wunderkinds tatsächlich der Höhepunkt - und Wendepunkt - der schwersten Krise seit Gründung des Unternehmens 2009 darstellt.

Struktur und Managementstil sollen komplett umgekrempelt werden

Seit Monaten überschlagen sich die Skandale. Sexismus, Diskriminierung, Mobbing, Pöbeleien, Suff, Managementversagen, mutmaßliche Firmenspionage - schlimme Schlagzeilen für einen Konzern, der das Leben verbessern will.

Am Wochenende kam der Siedepunkt: Der Uber-Vorstand sichtete die Ergebnisse einer unabhängigen Untersuchung, verfasst von Ex-Justizminister Eric Holder, über die Vorwürfe und das generelle Arbeitsklima. Der 13-seitige Bericht ist eine Anklage Kalanicks und seines "Bad Boy"-Charmes. Sein Abzug war nur konsequent.

Insgesamt 215 Beschwerden kamen im Lauf der Ermittlungen ans Licht. 20 Mitarbeiter wurden bisher entlassen, das gesamte "A-Team" um Kalanick ist verwaist. Zuletzt ging am Montag Top-Manager Emil Michael, Kalanicks rechte Hand.

Uber und Kalanick, der den Konzern zu einem Marktwert von fast 70 Milliarden Dollar steuerte, sind eng miteinander verflochten. Sie teilen, wie sie hier gerne sagen, eine DNA - was gleichzeitig auch der Kern des Skandals ist. Zugleich symbolisiert er ein ungelöstes Problem im gesamten Silicon Valley, dessen Start-up-Kult bis heute hässlicher, oft frauenfeindlicher Verhaltensmuster huldigt.

Diese Verhaltensmuster erwähnt der Holder-Bericht zwar konkret nicht. Doch seine 47 Empfehlungen, die Ubers Struktur und Managementstil komplett umkrempeln sollen, sprechen Bände. Der Aufsichtsrat segnete sie geschlossen ab.

Darunter: ein unabhängiger Chairman, Diversitätsmaßnahmen, Sensibilitätstraining - und kein Sex zwischen Chefs und Untergebenen. Empfehlung Nummer eins: "Überprüfung und Umschichtung der Verantwortlichkeiten von Travis Kalanick." Ein noch zu findender Chief Operating Officer soll viele seiner Hauptaufgaben sowie alle Fragen der internen Kultur übernehmen.

Chauvinistischer Kalauer bei Belegschaftsversammlung

Diese interne Kultur war im Februar vollends zutage getreten. Susan Fowler, eine ehemalige Uber-Ingenieurin, beklagte sich in einem Blogeintrag, ihr Teamchef habe sie sexuell angemacht. Obwohl andere Frauen Ähnliches berichtet hätten, sei ihr danach sogar die Beförderung verweigert worden.

Fowlers Bericht, der die Holder-Kommission auslöste, war kaum der erste - oder letzte - Skandal. Hinzu kamen zahlreiche andere Affären. Google-Schwester Waymo, die an selbst fahrenden Autos bastelte, verklagte Uber wegen Ideenklaus. In drei US-Staaten ist Uber verboten oder verdrängt, weil es die Taxibranche killt oder Kunden abzockt. Eine interne Technologie, die Fahrern half, dort die Polizei zu vermeiden, musste Uber abschaffen, als die "New York Times" sie enthüllte. Der Hashtag #deleteUber machte die Runde.

Im Mittelpunkt stand stets Kalanick. Jetzt kam sein aggressiver Aufstieg ins Stocken. Dahinter steckt überdies eine private Tragödie. Kalanicks Mutter kam im Mai bei einem Bootsunfall ums Leben, am Freitag wurde sie beerdigt. Er brauche auch deshalb Zeit, schrieb Kalanick am Dienstag, "um zu trauern".

Wie weit Uber noch von einer neuen Ära entfernt ist, zeigte sich selbst bei der Belegschaftsversammlung am Dienstag. Als Huffington, die die Reformen mit forciert hat, eine stärkere Rolle von Frauen propagierte, unterbrach sie Vorstandskollege David Bonderman: Mehr Frauen, kalauerte er, führe nur zu "mehr Gerede". Wenig später nannte Bonderman seine Aussage "unangemessen", inzwischen trat er aus dem Verwaltungsrat zurück.

Zusammengefasst: Nach etlichen Skandalen hat Uber-Chef Travis Kalanick eine Auszeit verkündet - natürlich ist diese keineswegs freiwillig. Eine unabhängige Untersuchung lieferte einen Bericht, der wie eine Anklage für Kalanick und dessen Führungsstil war. Die Liste der Verfehlungen ist immens. Das Unternehmen soll nun eine neue Struktur und einen anderen Managementstil bekommen, doch dieser Prozess dürfte lange dauern.

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napoleonwilson 14.06.2017
1. Uber..
Uber ist uberflüssig. Ein Startup dessen Grundlage Ausbeutung, Förderung der Steuehinterziehung ect ist, hat auf dieser Welt nichts verloren. Ohne Uber geht es besser. Welches Superhirn hat den Uber mit 70MRD. Taxiert ? Weder Umsatz noch Ertrag würden das rechtfertigen.
Schnulli 14.06.2017
2. Uber kommt von Euter
Hartnäckig hält sich ja das Vorurteil, der Durchschnittsamerikaner sei ein ungebildeter Trottel, der sich ohne Krankenversicherung, dafür mit entsicherter Waffe in zwei Jobs durchs Leben maloche. Doch auch in den Staaten kann man sich eine klassisch gute Ausbildung angedeihen lassen, mit hervorragenden Lateinkenntnissen. Und wenn man die hat, dann weiß man, daß "uber, eris nt" für das Euter, die Zitze steht. Und das passt auch gut, denn was tut die Firma anderes, als dumme Kühe zu melken.
Poco Loco 14.06.2017
3. Sklaventum 2.0
Diese ganze verlogene Branche, die angeblich und scheinheilig die neue Kultur des Teilens propagiert, beruht doch nur auf der Ausbeutung ihrer "freien" Mitarbeiter und Plattformteilnehmern. Genauso wie die Essenlieferanten in ihren lächerlichen und bonbonfarbenen Strampelanzügen. Das ist genau der Job den ich am allerwenigsten machen wollte. Diese Plattformbetreiber saugen die Lieferanten und die Fahrer aus, die eigentlich die Hauptarbeit machen und die Kosten dafür tragen, u. das funktioniert nur wg. der Bequemlichkeit der Kunden und der Leidensfähigkeit der Fahrer und Restaurants die sich auf diese Ausbeutung einlassen, warum auch immer.
zeichenkette 14.06.2017
4. Das ist ähnlich wie Facebook
Eine eigentlich gute und nützliche Idee, die aber durch gnadenlose Abzocke und Scheffeln von Milliarden zur völligen Verarschung wird. Wobei natürlich genau das rücksichtslose Leute anzieht, die sich in ihrer Macht und ihrem Reichtum suhlen wollen. Davon abgesehen stimmt es natürlich, dass es Unsinn ist, wenn die meisten Autobesitzer fast immer allein durch die Gegend fahren bzw. die Autos eh 23 Stunden täglich irgendwo rumstehen. Sharing oder in Zukunft auch selbstfahrende Mietwagen sind da nur vernünftig und wenn der Besitzer mit seinem Auto bzw. seinen Fahrten noch Geld verdienen kann, warum nicht? Bloss dass da ein Laden wie Uber Milliarden einsackt, während die Fahrer für einen Appel und ein Ei fahren und ihre Autos verschleißen, das ist das eigentlich Problem. Wenn es Uber jetzt erwischt, dann ist das nur gerecht und lehrreich für andere.
mazzmazz 16.06.2017
5. Freiwillig!
In Deutschland wird ja der Amtsschimmel gepflegt und die wirklich richtig unverschämt abzockende Taxibranche protegiert, während in den USA Uber ein völlig gängiges Verkehrsmittel ist. Günstiger als Taxis, gepflegtere Fahrzeuge und durch Fixpreise für das zuvor gemeldete Ziel keine Abzocke durch kreative Routen wie bei Taxis weltweit durchaus üblich. In den USA müssen sich Uber-Fahrer auch registrieren und eine bessere Versicherung für ihre Autos abschließen. Dass aber auch nur ein einziger Uber-Fahrer zu irgendetwas gezwungen oder über seine Verdienstmöglichkeiten im Unklaren gelassen worden wäre, ist mir nicht bekannt. Dass Uber selbst dabei richtig gut verdient und eben kein gemeinnütziger Verein nach deutschem Kaninchenzüchtervereinsgesetz ist, stört mich dabei nicht. Mich interessiert, dass ich im Schnitt binnen 7 Minuten zu jeder Tages- und Nachtzeit zu einem vernünftigen Preis gefahren werden kann. Dieses deutsche Gejaule bzgl. Abzocke der amren Fahrer ist in meinen Augen völliger Käse. Jeder speist gerne seine illegal beschäftigte Putzfrau mit 10 Eur ab. Wenn aber ein Unternehmen, möglichst noch aus den USA, mit einer guten Idee um die Ecke kommt, die offenbar in kürzester Zeit weltweit voll eingeschlagen hat, muss das dem Michel natürlich suspekt vorkommen. Ich für meinen Teil nutze privat sowie geschäftlich Uber sehr gerne. In verschiedenen Ländern. In D geht das ja auch. Oft genug übrigens mit recht neuen, blitzsauberen Mercedes mit Wasser und Müsliriegeln gratis an Bord. So arm und abgezockt scheinen mir die Fahrer nicht zu sein...
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