Streit um Roboterautos Uber darf Google-Gründer Page befragen

Der Roboterwagen-Streit zwischen Uber und Googles Schwesterfirma Waymo wird noch spannender: Ein Richter hat angeordnet, dass Google-Mitgründer Larry Page aussagen muss.

Google Mitgründer Larry Page
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Google Mitgründer Larry Page


Google-Mitgründer Larry Page wird sich im Streit um das Roboterwagen-Programm von Uber Fragen von Anwälten des Fahrdienstvermittlers stellen müssen. Page verfüge über wichtige Informationen aus erster Hand zu dem Sachverhalt, erklärte ein Richter am Freitag. Die Google-Schwesterfirma Waymo wirft Uber vor, von ihr gestohlene Roboterwagen-Technologie einzusetzen.

Uber will Page, der inzwischen Chef des Google-Mutterkonzerns Alphabet ist, unter anderem zu dessen Gesprächen mit dem Entwickler Anthony Levandowski befragen, der im Mittelpunkt der Klage steht. Er war einer der wichtigsten Experten für selbstfahrende Autos bei Google und wurde später zum Chef von Ubers eigenem Roboterwagen-Projekt.

Waymo erklärt in der Klage, Levandowski habe vor seinem Abgang bei dem Internetkonzern 14.000 Dateien heruntergeladen - den kompletten Inhalt eines Servers mit technischen Unterlagen. Uber bestreitet, dass etwas davon im Roboterwagen-Programm des Fahrdienstvermittlers verwendet oder überhaupt auch nur bei der Firma angekommen sei. Levandowski selbst machte von seinem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch, um sich nicht selbst zu belasten - und wurde deshalb von Uber entlassen.

Die Uber-Anwälte wollen Page nun unter anderem dazu befragen, seit wann Google und die Firma Waymo, bei der die Entwicklung selbstfahrender Autos im vergangenen Jahr gebündelt wurde, von Levandowskis Downloads wussten. Die Befragung wurde vom Gericht für eine Dauer von vier Stunden angesetzt.

Waymo hatte sich gegen die Befragung von Page ausgesprochen. Den zweiten Google-Gründer, Sergey Brin, der von Anfang an stark in das Roboterwagen-Programm involviert war, will Uber derzeit nicht befragen.

Waymo engte unterdessen die Klage gegen Uber etwas ein. Von ursprünglich vier Vorwürfen der Patentverletzung blieb nur einer übrig. In dem Fall liegt der Schwerpunkt aber ohnehin auf dem Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen.

Geheimdokumente als Druckmittel?

Levandowski ist ein Vorreiter bei der Entwicklung von Laser-Radaren (Lidar), mit denen selbstfahrende Autos ihre Umgebung erfassen. Er gründete nach dem Ausstieg bei Google Anfang 2016 die auf selbstfahrende Lastwagen spezialisierte Firma Otto. Sie wurde wenige Monate später für 680 Millionen Dollar von Uber gekauft.

Waymo will laut der ursprünglichen Klage unter anderem beweisen, dass es dabei von Anfang an darum gegangen sei, Uber mit Lidar-Technologie zu versorgen. Der Fahrdienstvermittler bestreitet dies vehement und wirft Waymo vor, mit der Klage einen Konkurrenten bremsen zu wollen.

Uber-CEO Travis Kalanick (l.) und Anthony Levandowski 2016
AP

Uber-CEO Travis Kalanick (l.) und Anthony Levandowski 2016

Eine Theorie der Uber-Anwälte ist auch, dass Levandowski die Dokumente heruntergeladen habe, um ein Druckmittel gegen seinen langjährigen Arbeitgeber in der Hand zu haben - für den Fall, dass Google die Schlussrate von 50 Millionen Dollar aus einer insgesamt 120 Millionen Dollar schweren Bonus-Zahlung hätte zurückhalten wollen.

Waymo legte dem Gericht unterdessen eine Liste von zunächst 461 Fragen an Levandowski vor. Die Google-Schwesterfirma will von ihm unter anderem eine Bestätigung dafür, dass er erste Gespräche mit Uber bereits acht Monate vor seinem Rückzug bei dem Internetkonzern geführt habe.

Streit unter Ex-Partnern

Für Uber ist das Verfahren eine massive Belastung. Zum einen betrachtet der Fahrdienstvermittler Roboterwagen als eine Schlüsseltechnologie, um seine Zukunft zu sichern. Die Klage hielt das Programm auf. Die Kontroverse um Levandowski schwächte zudem die Position des Uber-Mitgründers und langjährigen Chefs Travis Kalanick, der vor Kurzem zurücktrat. Die entscheidende Rolle spielten dabei allerdings Vorwürfe einer Unternehmenskultur voller Sexismus und Diskriminierung.

Google war ein früher Uber-Investor und die beiden Unternehmen wurden von Branchenbeobachtern schon als mögliche Partner beim Umkrempeln der Transportbranche durch selbstfahrende Fahrzeuge und die Vermittlung von Fahrdiensten gesehen. Doch von Uber veröffentlichte E-Mails aus dem Jahr 2015 machen deutlich, dass Kalanick über Berichte besorgt war, wonach Google über eigene Vermittlungsplattformen für Fahrdienste nachdenke. Später sagte er, Uber sei nur in die Entwicklung eigener Roboterwagen-Technologie eingestiegen, um das Verkehrsgeschäft der Zukunft nicht komplett Google zu überlassen.

mak/dpa



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