Mögliche Auszeit für Kalanick Wer den Chaos-Laden Uber steuern könnte

Im Uber-Verwaltungsrat wird offenbar über eine Auszeit für Unternehmensgründer Travis Kalanick diskutiert. Doch wer könnte ihn ersetzen? Hier sind einige Namen.

Uber: Die Suche nach einem Nachfolger für Travis Kalanick gestaltet sich schwer
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Uber: Die Suche nach einem Nachfolger für Travis Kalanick gestaltet sich schwer

Von manager-magazin.de-Mitarbeiter


Der Fahrdienstleister Uber kommt nicht aus den Negativschlagzeilen. Offenbar diskutierte der Verwaltungsrat am Wochenende über eine mehrmonatige Beurlaubung von Unternehmensgründer und -Chef Travis Kalanick. Das schreiben mehrere Medien, unter anderem das "Wall Street Journal" ("WSJ"). Der Verwaltungsrat habe die Entscheidung Kalanick selbst überlassen, berichtete das Blatt unter Berufung auf informierte Personen. Uber äußerte sich nicht zu den Berichten.

Es sei allerdings unklar, ob es dazu kommen werde, heißt es im "WSJ" weiter. Ein mehrmonatiger Urlaub für Kalanick könnte außerhalb des Unternehmens auch als Bestrafung aufgefasst werden. Zudem wäre unklar, wie in dieser Zeit die Führung bei Uber geregelt werden solle.

Kalanick steht wegen seines Führungsstils in der Kritik. Mitglieder des Verwaltungsrats wollen die Firma in ruhigeres Fahrwasser bringen und fürchten, dass sich das Image des Firmengründers zunehmend negativ auf das Unternehmen auswirkt. In den vergangenen Monaten wurde bereits nach einer starken Nummer zwei für ihn gesucht, bisher offenbar ohne Erfolg.

Persönliche Tragödie - Kalanicks Mutter stirbt bei Unfall

Kalanick durchlebt zudem gerade eine persönliche Tragödie: Seine Mutter starb vor wenigen Wochen bei einem Bootsunfall, sein Vater wurde dabei schwer verletzt. Vor diesem Hintergrund könnte sich der Verwaltungsrat nach einer Alternative für Kalanick umsehen, wenn dieser das Unternehmen vorübergehend verlässt.

Allerdings ist die Auswahl der Kandidaten begrenzt. Management-Posten sind nicht besetzt, die Suche nach externen Kandidaten verläuft offenbar schleppend. Hinzu kommt, dass weitere Abgänge befürchtet werden.

So soll der Kalanick-Vertraute und kaufmännische Geschäftsführer Emil Michael laut "WSJ" wackeln. Michael stand bereits in der Kritik, seit er 2014 in einem vermeintlich vertraulichen Gespräch darüber fantasiert hatte, wie man das Privatleben einer kritischen Journalistin ausforschen könnte.

Lesen Sie auch: Sexismus-Vorwürfe - Uber-Aufseher greifen endlich durchAls eine Kandidatin, die Kalanick für eine Übergangszeit ersetzen könnte, wird laut dem Branchenmagazin "Recode" Rachel Holt gehandelt. Sie ist bei Uber zuständig für das Geschäft im Heimatmarkt USA und Kanada. Holt gilt als enge Vertraute Kalanicks. Sie ist bereits seit 2011 bei Uber beschäftigt. Zunächst baute sie das Geschäft in der Hauptstadt Washington D.C. auf, vergangenes Jahr wurde sie Chefin des Nordamerikageschäfts. Trotz ihres Aufstiegs in der Firma fehlten ihr für den Chefposten allerdings wichtige Erfahrungen, berichtet "Recode" weiter.

Der Verwaltungsrat könnte sich auch für ein mehrere Mitglieder starkes Komitee statt einer einzelnen Führungsperson entscheiden, schreibt "Recode" unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle. Diesem könnten die Kalanick-Vertrauten Andrew Macdonald und Daniel Graf angehören. Auch Pierre-Dimitri Gore-Coty und Liane Hornsey werden für das Gremium gehandelt.

Macdonald ist für die Region Asien-Pazifik und Lateinamerika zuständig. Der Kanadier arbeitete zuvor unter anderem bei der Beratungsfirma Bain & Co und ist seit 2012 bei Uber. Der Schweizer Graf ist als Head of Product für das Kernstück von Uber zuständig, der Software Marketplace Dynamics, mit der die Routen organisiert werden. Er arbeitet seit 2015 bei Uber.

Gore-Coty verantwortet das Europa-, Nahost- und Afrika-Geschäft des Unternehmens. Der gebürtige Pariser ist seit 2012 bei Uber. Seine Karriere hatte er bei Goldman Sachs in London begonnen, 2010 gründete er einen eigenen Hedgefonds.

Hornsey ist die Personalchefin des Fahrdienstleisters. Sie hat bei Google fast zehn Jahre lang Management-Erfahrung im Personalwesen gesammelt. 2015 wechselte sie zu Softbank, wo sie unter anderem Start-ups in Personalfragen beriet. Im Januar 2017 ging sie als Personalchefin zu Uber. Sie sollte nach den Vorwürfen wegen sexueller Belästigung bei dem Unternehmen die Personalführung neu ordnen.

Möglich ist laut "Recode" auch, dass ein Mitglied des Verwaltungsrats zwischenzeitlich die Führungsaufgabe übernimmt. Gehandelt wird dabei unter anderem Bill Gurley. Der General Manager der Beteiligungsgesellschaft Benchmark gilt als einer der einflussreichsten Risikokapitalgeber im Silicon Valley. Benchmark war 2011 federführend bei der ersten Investmentrunde für Uber.

Arianna Huffington wäre die zweite mögliche Kandidatin aus dem Verwaltungsrat. Die Medienunternehmerin sitzt dort seit 2016. Sie leitete gemeinsam mit dem ehemaligen US-Justizminister Holden die Untersuchung zu den Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung bei Uber. Es sei allerdings unklar, ob Gurley und Huffington über die nötige Erfahrung verfügen, um ein Unternehmen wie Uber zu leiten, schreibt "Recode".

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Auch Uber-Mitgründer Garrett Camp wird als möglicher Interimschef ins Gespräch gebracht. Der Kanadier sei allerdings nicht sehr stark in das Tagesgeschäft eingebunden, heißt es bei "Recode" weiter.

Das gleiche gilt für Ryan Graves, der 2010 schon einmal Uber-Chef war - als erster Angestellter der Firma. Im Dezember desselben Jahres wurde er von Kalanick wieder abgelöst. Insider warfen ihm mangelnde Erfahrung vor. Dies dürfte auch jetzt noch zutreffen. Graves glänze häufig durch Abwesenheit, heißt es.

So zeigt sich das Dilemma bei der Suche nach einem Ersatz für Kalanick. Das Unternehmen musste in den vergangenen Monaten mehrere hochkarätige Abgänge verkraften. Auch die Suche nach einem externen Kandidaten läuft bisher offenbar ohne Erfolg. So wie es aussieht, kommt Uber zumindest vorerst nicht an Kalanick vorbei, so umstritten sein Führungsstil und seine Methoden sein mögen.

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