Crash von Uber-Fahrzeug Überlasst den Robotern das Autofahren

Jeder Crash eines Roboterautos nährt die Angst vor dem automatisierten Fahren. Doch der jüngste Unfall eines Uber-Fahrzeugs zeigt gerade, dass wir noch viel stärker auf solche Technik setzen müssen.

Kaputter Uber
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Kaputter Uber

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Vergangenen Freitag sind ein Roboterauto von Uber und ein von einem Menschen gelenkter Pkw im US-Bundesstaat Arizona mit hoher Geschwindigkeit zusammengeknallt. Das selbstfahrende Auto überschlug sich und beschädigte dabei offenbar zwei weitere Fahrzeuge.

Schwer verletzt wurde zum Glück niemand. Dennoch stimulieren die Bilder von der Unfallstelle eine Angst, die wohl fast jeder schon einmal hatte: Was passiert, wenn der Mensch mehr und mehr die Kontrolle über das Fahren abgibt? Führt das nicht in die Katastrophe?

Es ist nachvollziehbar, dass uns die Vorstellung gruselt, das Steuer loszulassen. Einem Computer zu überlassen, wo und wie wir mit 150 Kilometern pro Stunde durch die Gegend rasen. Neue Technik ist oft fehleranfällig. Die ersten kommerziellen PCs in den Neunzigern pflegten regelmäßig abzustürzen, oft aus unerfindlichen Gründen. Was, wenn das bei den ersten kommerziellen Roboterautos nicht anders ist?

Tatsächlich ist es genau umgekehrt. Tatsächlich könnte es wohl heute schon wesentlich weniger Verkehrsunfälle geben, wenn der Mensch einen Teil der Kontrolle über sein Fahrzeug abgeben würde.

Wir Menschen reden uns ein, wir seien die besseren Autofahrer. Tatsächlich fahren viele von uns auch gut - solange wir nicht betrunken, unausgeschlafen, nervös oder aggressiv sind. Solange wir nicht vom Navi, Handy oder Radio, von der Landschaft, hübschen Menschen, einem heruntergefallenen Gegenstand, einem Kind auf dem Rücksitz, vom Essen, Trinken oder Rauchen abgelenkt sind. Und solange wir nicht gerade mit Körperpflege beschäftigt sind. (Kein Scherz: In einer Umfrage des Kfz-Versicherers DA Direkt gaben 23 Prozent der Befragten an, das regelmäßig zu tun.)

Sie, liebe Leser, mögen das jetzt als Kränkung empfinden, aber Ihr rasch ermüdender, rasch ablenkbarer Geist und Ihre Undiszipliniertheit - letztlich alles, was Sie menschlich und sympathisch macht - ist fürs Autofahren wahrscheinlich auch nicht besser geeignet, als ein virenverseuchter Windows-PC von 1995.

Jahr für Jahr sterben weltweit mehr als eine Million Autofahrer. Rund neunzig Prozent der Unfälle werden durch menschliches Versagen verursacht. Laut einer Studie des Automobilzulieferers Delphi müsste der Mensch noch nicht einmal komplett die Kontrolle über das Lenkrad abgeben, damit die Zahl der tödlichen Unfälle um bis zu 80 Prozent sinkt. Es würde demnach genügen, Automatismen einzubauen, die das Fahrzeug in der Spur halten - und in einem angemessenen Sicherheitsabstand zum Wagen vor einem.

In Arizona war das übrigens nicht anders: Es war ein Mensch, der Ubers Roboterauto dort die Vorfahrt nahm und den Crash verursachte. Das Uber-Auto hat nur einen Fehler gemacht: Es war auf das irrationale Verhalten des Menschen nicht ausreichend vorbereitet.

Die größte Stärke der Roboterautos liegt in ihrer Zuverlässigkeit. In ihrer Berechenbarkeit. Die Straßen werden am sichersten sein, wenn keine abgelenkten Menschen mehr auf ihnen unterwegs sind.

Wir sollten also unsere Eitelkeit überwinden. Wir sollten mutig genug sein, beim Fahren die Kontrolle abzugeben. Und unsere Sehnsucht nach Selbstbestimmtheit und Freiheit anders zu stillen, als durch stundenlange Fahrten auf endlosen Highways. Die überlebenden Autofahrer würden es uns danken.



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emdete 28.03.2017
1. ausgeschlafen
gut, dass alle programmierer immer ausgeschlafen sind und dass programme darum nie fehler enthalten... was für eine blauäugigkeit, zu meinen, technik könnte alle probleme lösen. die lösung könnte viel mehr sein, vom individualverkehr abzulassen. aber solange unsere gute deutsche bahn kunden eher als hinderlich empfindet und unsere autoindustrie die politik bestimmt, wird daraus wohl nichts.
erwin dunn 28.03.2017
2. Die wichtigste Frage ist doch...
...nicht, ob wir die Systeme so gut hinbekommen, dass die Roboter weltweit tatsächlich besser fahren. Das dürfte noch zu meinen Lebzeiten Realität werden. Wie sichert man diese Systeme aber gegen Cyberattacken ab? Das ist die große Frage.
aspi01 28.03.2017
3. Irrationale Menschen
Menschen sind nun mal irrational. Sie fürchten sich vor der konkret benennbaren "unsichtbaren" Gefahr viel mehr als der bekannten wirklichen Gefahr. Panik vor Terroranschlägen, obwohl das Risiko in unserem Land verschwindend gering ist, aber keine Panik vor dem Straßenverkehr, obwohl dort alleine in Deutschland 3000 Menschen pro Jahr sterben, ganz zu schweigen von 10.000enden Verletzten im Jahr. Wenn die autonome Steuerungssoftware 800.000 Menschen im Jahr das Leben rettet und 1000 Menschen das Leben kostet, wird sie keiner benutzen wollen, weil jeder fürchtet, dass er einer von den 1000 ist und nicht hofft, einer von den 800.000 zu sein. Ist ähnlich wie bei den Impfgegnern. Würden die Medien die Politik dazu drängen, dass Neuwagen in einem ersten Schritt künftig verpflichtend mit akkustischen Abstandswarnern und Verkehrszeichenkamera ausgestattet werden, könnten in den nächsten Jahren tausenden Menschen das Leben gerettet werden. Aber lieber ergießen sich die Diskussionen in Forderung nach höheren Strafen und mehr Kontrollen, obwohl die große Mehrzahl der Verstöße und Unfälle schlichter Unachtsamkeit zu verdanken sind, wie der Artikel oben ja plastisch erklärt. Elektronische Helferlein dagegen sind nie unaufmerksam und dienen unermüdlich ihrem Herrn.
pittiken 28.03.2017
4. Müssen?
Wieso müssen lieber Autor? Auch heute stürzen PC ohne erkennbaren Grund ab. In regelmäßigen Abständen kann man den Medien entnehmen, dass Hacker am Werk waren. Na, ich möchte nicht beim Crash dabei sein, der ein Hacker zu verantworten hat. Solange es kein vor Hackern sicheres System gibt, ist der Mensch immer noch der bessere Autofahrer.
saky10 28.03.2017
5. Danke für den Beitrag!
Wenn man sich die Komplexität des heutigen Verkehrsgeschehens einmal ohne rosa eingefärbte DIY Brille anschaut, ist der Mensch mit Abstand die größte Fehlerquelle. Nicht weniger, sondern mehr selbst Steuernummer Autos, die untereinander vernetzt sind, machen das Fahren in 99,9% der Situationen sicherer, effizienter und schneller. Klar ist die Technik noch im Reifungsprozess, aber sie zu verteufeln und ignorieren ist genauso unsinnig. Getreu dem Motto unseres letzten Kaisers: "Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung."
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