Urteil zum Fahrdienst UberPop in Deutschland verboten - gut so

Der Fahrdienst Uber gibt sich als Leuchtturm der Share Economy, doch das ist falsch. Denn das milliardenschwere US-Unternehmen wälzt jegliche Pflichten und Risiken ab.

Uber-App: Das aggressivste Unternehmen, welches das Silicon Valley je hervorgebracht hat
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Uber-App: Das aggressivste Unternehmen, welches das Silicon Valley je hervorgebracht hat

Eine Analyse von manager-magazin-Redakteurin Astrid Maier


Kaum hat das Landgericht Frankfurt den Chauffeurvermittlungsdienst UberPop deutschlandweit verboten, schon schlägt das US-Unternehmen in gewohnt selbstbewusster Manier zurück.

Uber bedauere zwar die Entscheidung des Gerichts, lässt Deutschland-Chef Fabien Nestmann per Pressemitteilung wissen. Das Urteil sei aber keinesfalls nur eine Niederlage für Uber: "Es ist auch eine Niederlage für die Gesellschaft insgesamt." Für uns alle bedeute das nun "weniger Möglichkeiten, von smarten und ökologisch wie ökonomisch sinnvollen Mobilitätskonzepten zu profitieren".

Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt retten - darunter macht es Nestmann ohnehin nicht, seit das Unternehmen aus dem Silicon Valley angetreten ist, Deutschland zu erobern. Und das ist die Krux mit Uber: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine riesige Lücke.

2009 in San Francisco gegründet, hat sich das aggressivste Unternehmen, welches das Silicon Valley je hervorgebracht hat, zum heißesten Investorenliebling aller Zeiten entwickelt. 5,9 Milliarden Dollar hat Uber-Chef Travis Kalanick schon bei Wagnisgeldgebern, der Investmentbank Goldman Sachs, Google, Amazon-Chef Jeff Bezos und Fondsgesellschaften wie Blackrock eingesammelt. So viel hat noch nie ein so unerfahrenes Unternehmen in so kurzer Zeit eingesammelt.

Damit soll der Siegeszug einmal rund um die Welt gelingen, so wie es schon Facebook und Google vorgemacht haben. Auf dem Papier ist Uber bereits mehr als 41 Milliarden Dollar wert, Kalanick und seine Top-Manager dank ihrer Anteile reiche Unternehmer. Sie könnten noch sehr viel wohlhabender werden, wenn das Unternehmen in wenigen Jahren an die Börse gehen wird. Und Uber verkauft sich - nicht nur in Deutschland - als Leuchtturm der Share Economy, in der alle ihr Hab und Gut zum Wohle aller teilen, so dass vom Uber-Wohlstand auf alle ein gutes Stück zurückfallen wird.

Fahrer haften selbst

Es ist ein leeres Versprechen und nirgendwo wird das deutlicher als im Fall des Dienstes UberPop, bei dem private Chauffeure ihre Dienste mit dem eigenen Auto anbieten und der nun deutschlandweit verboten wurde. Bei dem Geschäftsmodell wälzt Uber als Vermittlungsplattform jegliche Pflichten und Risiken auf das einzelne Individuum ab: Die Fahrer sind mit ihren privaten Autos tätig, sie müssen für Verschleiß und Benzin aufkommen, und für das Versicherungsrisiko haften sie zunächst selbst.

Verantwortung zeigt das Unternehmen Uber hingegen keines: Die Fahrer werden nicht fest angestellt. Und nachdem sie mit üppigen Prämien und Boni auf die Plattform gelockt werden, fährt Uber diese später gern wieder zurück. US-Fahrer haben längst vor der Uber-Zentrale in San Francisco protestiert, weil viele von ihnen offenbar von dem Geld, das nach Abzug aller Kosten übrigbleibt, kaum leben können. Die meisten Uber-Fahrer haben mehrere Jobs, um ihre Familien zu ernähren, belegt eine Studie, die Uber selbst vor Kurzem veröffentlicht hat.

Das mag in den USA mancherorts schon als Fortschritt gefeiert werden. Europa hätte vor dem Durchmarsch dieses libertären Tech-Kapitalismus nur zu verlieren: Uber-Chef Kalanick und Investoren werden reich, indem sie die billige Arbeitskraft von prekär Beschäftigten an andere per App vermitteln - das Geschäftsmodell hat mit dem Gedanken der Share Economy nichts zu tun.

Schon gar nicht in einem Land wie Deutschland, in dem es an verlässlichen Taxen nicht mangelt. Insbesondere der Vorwurf, Deutschland werde "ökologisch sinnvoller Mobilitätskonzepte" beraubt, ist perfide, wo man doch hierzulande so gut wie in jeder Stadt in einen Bus, eine U-Bahn oder Straßenbahn einsteigen kann, um sicher zum Ziel zu gelangen.

In San Francisco, der Uber-Heimstadt, steigen derzeit sogar viele der dort lebenden Tech-Hipster vom Fahrrad auf ein Uber-Pool-Auto um, so heißt die besonders günstige neue Mitfahr-App von Uber. Es ist genau dieses Uber-Pool-Modell, das Kalanick am liebsten als nächstes rund um den Globus exportieren würde und welches die hohe Bewertung seines Unternehmens wohl überhaupt erst rechtfertigt. Kalanick arbeitet damit an einem weltweiten Monopol auf den Transport mit Autos.

Das Landgericht Frankfurt hat auf der Grundlage anderer Argumente sein Urteil gefällt. Dem Gericht nach bricht das Unternehmen schlicht und ergreifend das Gesetz. Das Verbot ist aber auch in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht alles andere als eine Niederlage für unsere Gesellschaft.

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insgesamt 85 Beiträge
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Seite 1
bausa 18.03.2015
1. richtiges Urteil
Aufgrund geltender Gesetze in der Personenbeförderung wurde das zu erwartende Urteil gefällt. Uber ist nicht ökonomisch sinnvoll, weil im Grunde nichts geteilt wird. Privatchauffeure werden ausgebeutet, sind rechtlos und können von dem Geld nicht leben. Verdienen tun nurdie Erfinder solcher Startups. Shared economy sieht so aus, ich teile mir ein Auto mit meinem Nachbarn. Jeder bezahlt die Hälfte und wer fährt macht den Tank voll. Leider gibt es auch in Europa viel zu viele Menschen, die alles hipp finden, was aus den USA kommen. Mir fällt eigentlich nichts positives ein, was in den letzten Jahrzehnten aus den USA rübergeschwappt ist, coke vielleicht.
spon-facebook-1257403705 18.03.2015
2. Dem Artikel fehlt ein entscheidender Punkt
Ihr Artikel sieht über einen entscheidenden Punkt hinweg: Nutzer wollen Uber. Selbstverständlich muss an der Fairness für die Fahrer gearbeitet werden - das steht auch meiner Meinung nach nicht zur Debatte. Und doch fragt man sich, warum Uber überhaupt so erfolgreich werden konnte. Jeder, der den Dienst schon einmal selbst genutzt hat weiß, dass es nicht nur um den Preis geht, sondern vor allem um den Service. Dieser Service besteht zum größten Teil darin, dass er die Taxi-Welt an unser digitales Leben anbindet und damit vieles leichter macht - Ich kann sehen, wo der Fahrer gerade steckt und muss nicht im Regen warten/Ich kann schon bevor ich einsteige angeben, wohin ich fahren möchte/Ich werde freundlich und mit Namen begrüßt/Ich kann anhand der Bewertung einen Fahrer wählen, der meinem Sicherheitsbedürfnis entspricht und und und... Die Taxi Branche hatte hier in Deutschland alle Möglichkeiten, den digitalen Wandel zu akzeptieren und zu nutzen - dank Apps wie MyTaxi - und doch haben sie sich gewehrt à la "So einen modernen Schnick Schnack brauchen wir nicht". Jetzt kommt der Lohn dafür und es ist eine Frechheit, dass unsere Politik so in die vermeintlich freie Marktwirtschaft eingreift.
omguruji 18.03.2015
3. Gott sei Dank und Achtung vor TTIP
Diese amerikanischen Ausbeuter, Abzocker... eine Schande, Milliarden verdienen auf dem Rücken der Fahrer. Es wäre schön, wenn sich die Investoren mal die Finger verbrennen. Im Falle von TTIP könnte Uber sicher die BRD vor externen Schiedsgerichten auf Schadensersatz verklagen....
Nice2know 18.03.2015
4. Endlich mal ein Zeichen!
Schön, dass nicht jeder Silicon-Valley-Typie mit vollgepackten Geldkoffern eben mal kurz ein paar tausend Taxifahrer in das Verderben schicken kann. Wenn jedes amerikanische Unternehmen mal so geprüft würde, fände man möglicherweise schnell Gründe, weshalb diese "Kapitalismus-ist-geil"-Mentalität nicht in eine soziale Marktwirtschaft passen kann. Wieviel Steuern zahlt z.B. Apple eigentlich in Deutschland?
FloatingTom 18.03.2015
5. Gut so!
In D'land gibt es schon genug Methoden um Menschen bis auf's Mark auszubeuten. Scheinselbständigkeit braucht keine weitere hässliche Erscheinungsform. Im Übrigen, keine Sorge Uber, wenn Gabriel das von ihm über den grünen Klee gelobte TTIP durchsetzt könnt Ihr ja immer noch Klagen. Dann hat die dt. Jurisdiktion keine Chance mehr und Ihr könnt Euch durchsetzen oder eben einen Vergleich schließen. Ein paar Milliarden werden immer drin sein - so oder so.
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