Trotz Milliardenverlust: UBS-Chefs kassieren 70 Millionen Franken

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Vorstandschef Ermotti, Präsident Weber: Millionen für die Führungsspitze

Die Schweizer Großbank UBS kürzt den Bonuspool für ihre Händler - aber in der Chefetage fließt das Geld weiter reichlich. Die elf Mitglieder der Konzernleitung verdienten 2012 insgesamt 70 Millionen Franken. Zu den Top-Verdienern gehört auch der ehemalige Bundesbank-Chef Axel Weber.

Zürich - Trotz eines Milliardenverlusts 2012 zahlt die Schweizer Großbank UBS ihren Top-Managern nach wie vor satte Gehälter. Grundgehalt und Bonus für die elf Mitglieder der Konzernleitung belaufen sich auf 70,41 Millionen Franken, wie die UBS am Donnerstag im Geschäftsbericht mitteilte. 2011 hatten zwölf Mitglieder der Konzernleitung zusammen 70,13 Millionen Franken verdient.

Bestbezahlter Manager der größten Schweizer Bank ist Konzernchef Sergio Ermotti, dessen Einkommen auf insgesamt 8,87 Millionen Franken stieg. 2,5 Millionen Franken davon waren Grundgehalt. "Sergio P. Ermotti hat das Unternehmen erfolgreich durch die Herausforderungen des Jahres 2012 geführt und gleichzeitig solide Ergebnisse in zahlreichen Unternehmensbereichen erzielt", hieß es im Geschäftsbericht.

Knapp hinter dem Konzernchef liegt der Leiter des Amerikageschäfts, Robert McCann, mit 8,56 Millionen Franken. Der im Mai gewählte UBS-Präsident Axel Weber streicht 3,57 Millionen Franken ein. Davon entfallen 1,3 Millionen Franken auf das Grundgehalt, zwei Millionen werden in Form von Aktien ausgezahlt, die für vier Jahre gesperrt bleiben.

Die UBS Chart zeigen hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,5 Milliarden Franken verbucht. Eine Buße von 1,4 Milliarden Franken wegen der Verwicklungen der Bank in den Libor-Skandal und Abschreibungen im Zusammenhang mit dem Rückbau des Investmentbankings verhagelten der Bank die Bilanz. Bis 2015 sollen die Kosten um 5,4 Milliarden Franken gesenkt und rund 10.000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Die Mitarbeiter unterhalb der Chefetage müssen sich insgesamt mit niedrigeren Boni begnügen. Der Bonus-Pool der UBS wurde um sieben Prozent auf 2,5 Milliarden Franken gekürzt. Das sind 42 Prozent weniger als 2010. 1,3 Milliarden Franken werden direkt bar ausgezahlt. Der Rest bleibt vorerst gesperrt. Gesperrte Boni können unter bestimmten Bedingungen gestrichen werden, etwa wenn die Eigenkapitalquote der Bank unter sieben Prozent fällt.

In einer Volksabstimmung über die sogenannte Abzocker-Initiative hatten sich die Schweizer Wähler Anfang März mit großer Mehrheit gegen überzogene Managergehälter ausgesprochen. In Zukunft sollen die Aktionäre die Saläre jedes Jahr neu beschließen. Für Unmut hatte in der Schweiz im Februar auch der scheidende Präsident des Pharmakonzern Novartis Daniel Vasella gesorgt. Dieser hatte erst nach öffentlichen Protesten auf eine millionenschwere Abfindung verzichtet.

stk/Reuters

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1. ich verstehe es nicht...
Dublin Lad 14.03.2013
Die Bank macht einen Verlust von 2,5 Milliarden Franken, aber die Manager erhalten trotzdem einen Bonus. "Sergio P. Ermotti hat das Unternehmen erfolgreich durch die Herausforderungen des Jahres 2012 geführt und gleichzeitig solide Ergebnisse in zahlreichen Unternehmensbereichen erzielt", hieß es im Geschäftsbericht. Wenn ich etwas erfolgreich mache, kommt am Ende kein Minus heraus. Eigentlich sollte man verlangen, dass die Boni der letzten Jahre zurückgezahlt werden, da aufgrund der Fehlentscheidungen der vorigen Jahre erst der Verlust entstanden ist.
2. Geschlossene Gesellschaft
cato-der-ältere 14.03.2013
Die Profite von Banken sind ja per se nie real, sondern werden immer von arbeitenden Menschen erwirtschaftet, und denen schlicht entzogen. Durch die Spielregeln des großen Spiels, in dem die Veräppelten, wir 90%,, mit den Krümeln, Lachsschnitten vom Discounter, und Autos auf Abzahlung (inkl. Zinsen) abgespeist und ruhig gehalten werden. Wenn die Banken nicht mal Gewinn machen und sich die "Top"-Manager (so "top" dass sie ständig Mist bauen) Millionen zuschieben, wird es natürlich kriminell. Man sieht da recht schön wie die politische Klasse, Wirtschaft/Finanzen, eine Oligarchie gebildet haben, in die die Schlaumeier seit dem Teenager-Alter vermutlich, hinein streben, und einmal drin- ihre Privilegien verteidigen. Die größte Waffe dabei ist da das Wort, vor allem der Mythos dass es genau so sein muss damit es auch den Ärmsten so gut wie möglich gehe.
3. Das ist Manager-Sprech
maxibutz 14.03.2013
Zitat von Dublin LadDie Bank macht einen Verlust von 2,5 Milliarden Franken, aber die Manager erhalten trotzdem einen Bonus. "Sergio P. Ermotti hat das Unternehmen erfolgreich durch die Herausforderungen des Jahres 2012 geführt und gleichzeitig solide Ergebnisse in zahlreichen Unternehmensbereichen erzielt", hieß es im Geschäftsbericht. Wenn ich etwas erfolgreich mache, kommt am Ende kein Minus heraus. Eigentlich sollte man verlangen, dass die Boni der letzten Jahre zurückgezahlt werden, da aufgrund der Fehlentscheidungen der vorigen Jahre erst der Verlust entstanden ist.
... wahrscheinlich wären ohne seine geniale Leistung noch mehr Miese gemacht worden? Es handelt sich ja auch offensichtlich nur um "Herausforderungen" und alles ist ja gaaaanz "solide", das ist ja auch wieder was ganz anderes ... Möchte mal wissen, was mein Chef meint, wenn ich mal ganz solide nicht ganz so viel Murks mache, wie ein anderer oder ich hätte machen können. Ob das auch mit ein paar Mios honoriert wird?
4. ER arbeitet zu viel...
vogelskipper 14.03.2013
"Sergio P. Ermotti hat das Unternehmen erfolgreich durch die Herausforderungen des Jahres 2012 geführt und gleichzeitig solide Ergebnisse in zahlreichen Unternehmensbereichen erzielt" ER hat also ALLEINE solide Ergebnisse in zahlreichen Unternehmensbereichen erzielt! Kein Wunder, dass er so viel Geld bekommt, denn sein Tag muss 365 Stunden haben, um all diese Bereiche zu managen. Genau das ist der Punkt: Obwohl die soliden Ergebnisse von Bereichsleitern und deren Untergebenen erzielt werden, vereinnahmt die Führungsclique diese Leistungen für sich selber und zahlt sich dann entsprechende Boni aus. Es ist ein Sumpf. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Bereichsleiter auch ohne Input von Oben genau gewußt hätten, wie sie ihre Sparte am besten managen müssen, um durch schwere Zeiten zu kommen. Aber die Boni von diesen Leuten, die die eigentliche Arbeit leisten, wurden ja um 45% gekürzt. Was für ein perfides System....
5. Verdienst kommt von verdienen
Driver 14.03.2013
Das ist die entscheidende Frage - "verdient" jemand soviel Geld ? Und die muß man klar mit "nein" beantworten. Verantwortung hin oder her. Die hat eine Krankenschwester auch, sogar für Leben. Ich finde die gesellschaftliche Diskussion schon lange überfällig, und der Bürger sollte die Manager & Co vor sich hertreiben. Das sind nämlich die wirklich asozialen in diesem Land.
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