Beihilfe zur Steuerhinterziehung: Schweizer Großbank UBS zahlt Rekordbuße an Deutschland

Die UBS muss der Staatsanwaltschaft Bochum rund 300 Millionen Euro zahlen. Die Schweizer Bank hatte wohlhabenden Kunden geholfen, Milliarden vor dem deutschen Fiskus zu verstecken.

UBS-Zentrale in Zürich: 300 Millionen Euro Strafe Zur Großansicht
REUTERS

UBS-Zentrale in Zürich: 300 Millionen Euro Strafe

Zürich - Geldsegen für den deutschen Fiskus: Die Schweizer Großbank UBS hat mit den deutschen Steuerbehörden eine Zahlung von 300 Millionen Euro ausgehandelt, um einen Streit wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung beizulegen. Das gab das Institut am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung seiner Quartalszahlen bekannt. Es ist die bislang höchste Geldbuße für ein Schweizer Institut in Deutschland.

Die Buße ist Folge eines jahrelangen Steuerstreits zwischen Deutschland und der Schweiz. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hatte wiederholt CDs mit Daten mutmaßlicher Steuersünder gekauft - und war dabei auch auf vermögende UBS-Kunden gestoßen, die mutmaßlich Steuern hinterzogen hatten. Laut Staatsanwaltschaft enthielt die CD Angaben zu rund 750 Stiftungen und 550 Fällen sonstiger Kapitalanlagen mit einem Anlagevolumen von umgerechnet mehr als 2,8 Milliarden Euro.

Die Buße belastet das Ergebnis der UBS im zweiten Quartal. Trotzdem steigerte die Bank den Gewinn um 15 Prozent auf 792 Millionen Franken und schnitt damit etwas besser ab als von Analysten erwartet. Im vergangenen Jahr hatten Altlasten noch stärker zu Buche geschlagen. 2013 hatte die Bank insgesamt 1,7 Milliarden Franken für "Rechtsfälle, regulatorische und ähnliche Angelegenheiten" zurückgelegt.

Die UBS hat ihr Geschäftsmodell inzwischen umgestellt. So wurde das Investmentbanking radikal zusammengestutzt. Die größte Schweizer Bank will sich künftig vor allem auf die Vermögensverwaltung für Kunden konzentrieren. Federführend beim Umbau ist der Verwaltungsratschef und frühere Bundesbankpräsident Axel Weber.

Der Steuerstreit zwischen Deutschland und der Schweiz ist noch immer nicht aufgearbeitet. Die beiden Länder konnten sich nicht auf ein Verfahren einigen, das es Steuersündern ermöglicht, mit ihrer Vergangenheit reinen Tisch zu machen. Ein entsprechendes Abkommen scheiterte. Viele ehemalige Steuersünder zeigen sich mittlerweile selbst an - aus Angst. Immerhin werden immer neue Datenlecks über Schweizer Steuerdaten bekannt.

Die UBS hat auch in anderen EU-Ländern Ärger. So wird sie verdächtigt, auch in Frankreich an illegalen Geschäften beteiligt gewesen zu sein: UBS-Mitarbeiter aus der Schweiz sollen mit Einverständnis der Bank versucht haben, wohlhabende Franzosen davon zu überzeugen, heimliche Konten in der Schweiz zu eröffnen. Die Finanzströme zwischen beiden Ländern sollen über eine doppelte Buchführung verschleiert worden sein.

ssu/AFP/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 126 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. So gesehen
warum-du-so? 29.07.2014
müsste auch der deutsche Staat seinen eigenen Bürgern haufenweise Entschädigungen zahlen. Wie viel Betrug da an eigenem Volk verübt wird, davon spricht niemand.. Schnauze halten und sich weiterhin Ausnehmen lassen...
2. Rekordstrafe?
derpolokolop 29.07.2014
Lächerlich 300 Mio ist eine Rekordstrafe? Dann lohnt es sich weiterhin Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu leisten.
3. Hehlerware ....
Prinzen Paule 29.07.2014
... Gekauft und sich über die Machenschaften in Russland beschweren ! Gell Herr Schäuble ! Wie war das damals unter kohl mit den schwarzen Kassen ? Wo ist dieses Geld versteckt und versteuert ? Wer im Glashaus Sitz sollte nicht mit Steinen werfen ;-) http://de.m.wikipedia.org/wiki/Hehlerei Ps ein Gericht in Deutschland hat doch tatsächlich bei Daten CDs diese aufgehoben ......
4. Rekordstrafe???? Warum nicht Rekordbetrug?
EmmaDiel 29.07.2014
Zitat von sysopREUTERSDie UBS muss der Staatsanwaltschaft Bochum rund 300 Millionen Euro zahlen. Die Schweizer Bank hatte wohlhabenden Kunden geholfen, Milliarden vor dem deutschen Fiskus zu verstecken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ubs-zahlt-rekordbusse-wegen-beihilfe-zur-steuerhinterziehung-a-983341.html
300 Mio müssen sie zahlen, versteckt hatten sie 3 Milliarden - das zehnfache! Der Rekord liegt also eher in der Steuerhinterziehung, oder? Man stelle sich mal vor, ein Bankräuber müsste zur Strafe 10% seiner Beute zurückgeben.... Aber man muss das schon ein bisschen verharmlosend darstellen, ist schliesslich nur ein Kavaliersdelikt. Denn mit dem ganzen hinterzogenen Geld haben die nur Arbeitsplätze geschaffen. Siehe hier: http://www.maskenfall.de/?p=5930
5. Wuppertal
tobyrd72 29.07.2014
Es währe schön wenn ein paar Millionen davon in der arg gebeutelten Stadt ankämmen. Schließlich haben ihre Steuerfahnder das Ding angekurbelt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema UBS
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 126 Kommentare