Übernahme von Sybase: Anleger reagieren nervös auf SAP-Coup

Im Kampf gegen den US-Konkurrenten Oracle schluckt der Software-Konzern SAP die Firma Sybase - um sich bei Mobilfunkkunden besser zu positionieren. Doch Anleger zeigten sich zunächst skeptisch: Der Kurs der SAP-Aktie gab am Donnerstag nach.

SAP-Logo in Walldorf: Übernahme der US-Firma Sybase für 5,8 Milliarden Dollar Zur Großansicht
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SAP-Logo in Walldorf: Übernahme der US-Firma Sybase für 5,8 Milliarden Dollar

Frankfurt - Der Dax startete am Donnerstag positiv - die Aktie des Software-Konzerns SAP jedoch geriet unter Druck. Das Walldorfer Unternehmen hat mit einer Übernahme die Kräfteverhältnisse zwischen den weltweit größten Software-Herstellern neu definiert, schluckt es doch den kalifornischen Datenbankspezialisten Sybase für 5,8 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro). SAP hofft mit dem Kauf vor allem, seine Position auf dem Handy-Markt weiterzuentwickeln.

Einem Analysten zufolge scheint der Kaufpreis einigen Anlegern aber zu hoch gewesen zu sein - der Kurs gab nach. Die Aktien fielen gegen Mittag um mehr als zwei Prozent auf 35,25 Euro. Der Markt werde Zeit brauchen, die Logik dieser überraschenden Übernahme nachzuvollziehen, heißt es in einem aktuellen Kommentar von Goldman Sachs.

Ein anderer Händler wand allerdings ein, die Aktien dürften nicht ähnlich stark unter Druck kommen wie nach der Übernahme von Business Objects, als sie binnen vier Wochen 15 Prozent abgegeben hatten. Das Gebot für Sybase bezeichnete er als vernünftig, obgleich der Markt erst einmal die Beweggründe durchdenken dürfte. Die geplante Übernahme ändere nichts an seiner tendenziell positiven Einschätzung von SAP, auch wenn die Walldorfer nur wenig Details bekanntgegeben hätten. Technologisch mache ein Kauf von Sybase Sinn. Allerdings teile er die Sorgen von Anlegern, dass die positiven Auswirkungen sich erst nach einiger Zeit bemerkbar machen dürften.

Sybase-Kurs schießt an der Wall Street nach oben

Mit dem auf mobile Datendienste spezialisierten Unternehmen aus Kalifornien will sich SAP den Zugang zu Mobilfunkkunden sichern, die auf ihren Telefonen Geschäftsdaten empfangen und senden. Sybase verfügt neben den dazu nötigen Plattformen für die gängigen Smartphones von Apple oder dem Blackberry-Hersteller Research In Motion (RIM) auch über ein umfangreiches Datenbankgeschäft. Damit wollen die Kalifornier im laufenden Jahr 800 Millionen Dollar umsetzen. Für das Mobilgeschäft seien 400 Millionen Dollar geplant.

SAP stößt damit in das Revier des großen Konkurrenten Oracle vor. Oracle selbst hatte sich als klassischer Datenbankhersteller in der Vergangenheit auf das Feld der Business-Software begeben und so SAP Konkurrenz gemacht.

Finanziert werden soll das Geschäft mit vorhandenen liquiden Mitteln und einem 2,7 Milliarden Euro schweren Darlehen, wie SAP am späten Mittwoch mitgeteilt hatte.

SAP will je Sybase-Aktie 65 US-Dollar in bar zahlen. Der Angebotspreis entspreche einem Aufschlag von 44 Prozent auf den gewichteten durchschnittlichen Aktienkurs der Amerikaner in den vergangenen drei Monaten. Allerdings hatten Berichte über eine bevorstehende Übernahme den Sybase-Aktienkurs bis zum Ertönen der Schlussglocke an der Wall Street bereits um 35,05 Prozent auf 56,14 Dollar nach oben katapultiert.

Der Verwaltungsrat von Sybase hat dem Übernahmebegehren den Angaben zufolge geschlossen zugestimmt. Voraussetzung für den Abschluss des Geschäfts ist neben den üblichen kartellrechtlichen Genehmigungen, dass SAP die Mehrheit der Sybase-Aktien bekommt. Nach dem Abschluss des Kaufs, der für das dritte Quartal 2010 erwartet wird, soll das US-Unternehmen unmittelbar einen Beitrag zum Gewinn je Aktie der Walldorfer leisten. Der Sybase-Chef soll zudem in den SAP-Vorstand einziehen.

kgp/Reuters/dpa-AFX

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