Übernahmen: China kauft sich in deutsche Industrie ein

Chinesische Unternehmen investieren vermehrt im Ausland, vor allem auch in deutsche Industrieunternehmen: Firmen aus China wollen offenbar einen Autozulieferer von ThyssenKrupp übernehmen und beim Gabelstaplerkonzern Kion einsteigen.

Lager von Tailored Blanks in Duisburg: Bald haben chinesische Chefs das Sagen Zur Großansicht
dapd

Lager von Tailored Blanks in Duisburg: Bald haben chinesische Chefs das Sagen

Hamburg - Chinesische Investoren sind auf der Suche nach hochwertigen Technologieunternehmen - und kaufen sich zunehmend in Deutschland ein. Aktuell sorgen vor allem zwei Geschäfte für Aufsehen: die geplante Übernahme des Autozulieferers Tailored Blanks, einer Tochterfirma des ThyssenKrupp-Konzerns und der Einstieg eines chinesischen Baumaschinenkonzerns beim Gabelstaplerkonzern Kion.

Die Schuldenkrise in Europa und die weltweiten Konjunktursorgen könnten das Interesse der Chinesen an Investitionen im Ausland nicht bremsen, sagt Asien-Experte Jens-Peter Otto von der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC).

2012 bereits 24 Milliarden Dollar investiert

Der Gesamtwert aller angekündigten Übernahmen und Beteiligungen chinesischer Unternehmen im Ausland hat sich nach PwC-Berechnungen im ersten Halbjahr mehr als verdreifacht, auf fast 24 Milliarden Dollar. Rund 70 Prozent der Investitionen seien in den Energie- und Rohstoffsektor geflossen. In Deutschland nehmen chinesische Käufer jedoch vor allem die Industrie ins Visier.

So haben Chinesen unter anderem die Betonpumpenhersteller Putzmeister und Schwing sowie die Autozulieferer KSM Castings und Kiekert übernommen. Mit den weltweit etablierten Marken kommen chinesische Unternehmen ihrem Ziel näher, künftig nicht nur in der Volksrepublik, sondern auch auf anderen Märkten weltweit präsent zu sein.

Die ThyssenKrupp-Tochter Tailored Blanks passt perfekt in die Strategie: Das Unternehmen stellt maßgeschneiderte lasergeschweißte Bleche für die Automobilindustrie her und erwirtschaftet mit 900 Beschäftigten 700 Millionen Euro Umsatz. China, der weltgrößte Absatzmarkt für Autos, will verstärkt selbst Fahrzeuge herstellen und auch exportieren.

Chinesischer Teilhaber beim Gabelstaplerhersteller Kion

ThyssenKrupp hatte Tailored Blanks 2011 auf die Verkaufsliste gesetzt. Nun soll die Sparte an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) verkauft werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Der Verkauf zeige, dass ThyssenKrupp seine strategischen Pläne konsequent umsetze, sagte Equinet-Analyst Stefan Freudenreich.

Einen chinesischen Großaktionär bekommt dem manager magazin zufolge auch der Wiesbadener Gabelstaplerhersteller Kion. Demnach verhandelt der Baumaschinenkonzern Shandong Heavy Industry mit den US-Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Goldman Sachs Capital über einen Einstieg bei Kion. Für einen Anteil von 25 Prozent wolle Shandong Heavy Industries mindestens 700 Millionen Euro ausgeben. Die Verhandlungen sollen bis Ende August abgeschlossen sein.

Die Chinesen würden sich damit den Zugriff auf die Kion-Technologie sichern, umgekehrt kann Kion Insidern zufolge damit den Weg nach China ebnen. Kion erhielte mit dem Einstieg eine willkommene Kapitalspritze. Denn bei dem Unternehmen steht im nächsten Jahr eine große Refinanzierung ansteht. Ein Börsengang, mit dem die Finanzinvestoren aussteigen wollen, ist angesichts der Flaute an den Märkten in weite Ferne gerückt. Goldman Sachs, KKR und Kion wollten sich zu dem Thema nicht äußern.

nck/Reuters

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Ganz einfach Ausverkauf
mitbestimmender wähler 23.08.2012
Wird ja auch Alles äusserst günstig in Deutschland/EU etc. Verständlich das China, Emirate, USA, Norweger und Schweizer da zufrieden zugreifen. Die Business Jet / Privatflieger Sparte von Bombardier US/CND geht evtl. auch an die Chinesen.
2. ach ja, die chinesen wieder ...
snigger 23.08.2012
... wie ist das eigentlich: kann ich morgen in china eigentlich eine firma zu 100% übernehmen? und wenn nicht, warum dürfen das dann chinesische firmen in deutschland?
3.
schlob 23.08.2012
Zitat von snigger... wie ist das eigentlich: kann ich morgen in china eigentlich eine firma zu 100% übernehmen? und wenn nicht, warum dürfen das dann chinesische firmen in deutschland?
sie haben recht- es ist eine schande,wie immer wieder prinzipien für den kleinen augenblicksvorteil geopfert werden
4. Und jetzt
paulesfreunde 23.08.2012
wird das von Angestellten und Arbeitern gesammelte Wissen verramscht. Danke ihr Maerkte - Danke.
5. Schlussverkauf
agua 23.08.2012
in Europa.Aber dieser Artikel erstaunt mich nun doch etwas,in Deutschland haette ich das nicht so schnell erwartet.Griechenland wird von Russland gekauft.Portugal ist in chinesischer und angolanischer Hand....Somit eruebrigt sich fuer die Chinesen die Industriespionage.Und leider weiss ich den Namen des Foristen nicht mehr,der vor einigen Wochen so treffend schrieb,dass aus Europa chinesische Kolonien werden wuerden.
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