Konflikt mit Gazprom Ukraine meldet russischen Gaslieferstopp

Der russische Konzern Gazprom hat nach ukrainischer Darstellung seine Lieferungen in die Ukraine gestoppt. Die Versorgung Europas will Kiew dennoch sicherstellen. Engpässe für Deutschland befürchtet die Bundesregierung nicht.

Arbeiter in einer Anlage bei Uschgorod: Gaslieferungen aus Russland "auf Null"
REUTERS

Arbeiter in einer Anlage bei Uschgorod: Gaslieferungen aus Russland "auf Null"


Kiew - Der Gasstreit spitzt sich zu. Russland hat nach Angaben aus Kiew seine Lieferungen an die Ukraine eingestellt. Die ukrainische Regierung sei darüber informiert worden, dass die Gaslieferungen "auf Null" heruntergefahren worden seien, sagte der ukrainische Energieminister Jurij Prodan in einer Kabinettssitzung, nachdem die letzte Verhandlungsrunde im Gasstreit gescheitert war.

Allerdings werde die Ukraine sicherstellen, dass für Europa bestimmtes Gas in die entsprechenden Länder weitergeleitet werde, sagte Prodan vor Journalisten in Kiew. Damit garantiere sein Land, dass die europäischen Kunden Russlands zuverlässig über Pipelines in der Ukraine Gas erhielten. Das ukrainische Energieunternehmen Naftogaz erklärte, das Land habe so viel Gas in den Speichern, dass die Versorgung bis Dezember sichergestellt sei.

Der russische Regierungschef Dmitrij Medwedew versicherte der Agentur Interfax zufolge, dass Moskau zu weiteren Verhandlungen bereit sei. Zunächst aber müsse Kiew seine Schulden bezahlen. Russland hatte mehrfach betont, dass die zuletzt angebotenen Konditionen zur Gaslieferung "äußerst vorteilhaft" für die Ukraine gewesen seien.

Bundesregierung fürchtet keine Gasversorgungsengpässe

In der Nacht zum Montag waren Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland über die Begleichung von Schulden sowie den künftigen Gaspreis gescheitert. Die Energiekonzerne der beiden Länder reichten in der Folge Klage vor dem internationalen Schiedsgericht in Stockholm ein: Gazprom wegen der Milliarden-Rückstände der Ukraine, Naftogaz gegen die Entscheidung von Gazprom, nun nur noch gegen Vorkasse Gas zu liefern.

Die Eskalation im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine bedroht nach Angaben der Bundesregierung derzeit nicht die deutsche Gasversorgung. "Eine Gefährdung der Versorgungssicherheit in Deutschland können wir auch durch die neue Entwicklung nicht erkennen", sagt ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Die 51 deutschen Gasspeicher sind aktuell zu fast 75 Prozent gefüllt. Das dürfte nach Einschätzung von Experten für mehrere Monate reichen. Lieferengpässe für Deutschland seien nicht zu befürchten, denn die Ukraine habe betont, sie werde russisches Transitgas für Westeuropa nicht umleiten.

Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter. Beide verwiesen auf Angaben von EU-Energiekommissar Günther Oettinger, der betont habe, die Gespräche zwischen der Ukraine und Russland sollten umgehend wieder aufgenommen werden. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ließ erklären, Oettinger habe die "vollste Unterstützung" der Bundesregierung, um eine Verhandlungslösung zu finden.

Auch auf den Gaspreis werde der russische Gasstopp nach Ansicht des Bundeswirtschaftsministeriums keine größeren Auswirkungen haben. Da derzeit nicht mit Lieferengpässen gerechnet werden müsse, "halte ich das für außerordentlich begrenzt", sagte der Sprecher.

Mit Blick auf die längerfristige Entwicklung des Konflikts hat Oettinger allerdings vor möglichen Versorgungsengpässen gewarnt. Je nachdem, wie sich die Ukraine verhalte, "hätten wir bei einem kalten Winter ein Problem", sagte Energiekommissar Günther Oettinger am Montag in Wien. "Die nächsten Wochen werden kein Problem sein, da werden wir unsere Gasmengen bekommen", betonte Oettinger.

bos/Reuters/AFP/dpa

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dielogischeerkenntniss 16.06.2014
1. oha
kritisch für die Ukraine
newsoholic 16.06.2014
2. Die bösen Russen?
Wer dies nun wieder zum Anlass nimmt, über die bösen Russen herzuziehen, der sollte sich auch dafür einsetzen, dass Deutschland seine PKW kostenfrei in andere Länder verschifft.
vagabund47 16.06.2014
3. Russland verhaelt sich marktgerecht
wer seine Rechnungen nicht bezahlt, erhaelt keine neue Ware. Wer mit dem Preis nicht einverstanden ist, soll anderswo kaufen.
onkeln 16.06.2014
4. Adieu, Russland!
Es wird Zeit sich verlässlichere Partner für die Energieversorgung zu suchen.
finanzamtsopfer 16.06.2014
5. logisch
wer nicht zahlt, bekommt keine Ware. Ich kann auch kein Heizöl bestellen, und hinterher über den Preis motzen und die Rechnung verbrennen...
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