NDR, MDR, Deutschlandradio UKW-Betreiber droht Sendern mit Abschaltung

Mehr als 90 Prozent der Deutschen empfangen ihre Radiosender noch über UKW. Ein Streit zwischen wichtigen Akteuren könnte schon ab Mittwoch in Teilen des Landes für weitgehende Funkstille sorgen.

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Der analoge Radioempfang über UKW ist ein Auslaufmodell. Dass es jetzt so schnell gehen soll, haben aber wohl die wenigsten Nutzer erwartet: Offenbar könnten schon am kommenden Mittwoch viele Radiosender in Deutschland nicht mehr zu empfangen sein. Grund ist ein Streit zwischen Betreibern von UKW-Antennen und Sendernetzen. Das berichtet die "Welt".

Demnach droht der Chef von Media Broadcast, Wolfgang Breuer, mit der Abschaltung des Sendebetriebs. Betroffen wären unter anderem der Norddeutsche Rundfunk in Mecklenburg-Vorpommern, der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), Deutschlandradio sowie Privatsender wie Big FM, das hessische Hit Radio FFH und Radio NRW.

Media Broadcast hatte einen großen Anteil des UKW-Senderbetriebs übernommen, trennt sich aber jetzt von dem Geschäft. "Bis zu zehn Millionen Hörer könnten schon ab kommendem Mittwoch von einer Abschaltung ihrer UKW-Radiosender betroffen sein", sagte Breuer der "Welt".

In Deutschland nutzen laut Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten noch immer rund 93 Prozent der Bevölkerung UKW. Dahinter liegt mit weitem Abstand das digitale Radio DAB+ mit einer Reichweite von 15,7 Prozent.

Unterschiedliche Preisvorstellungen

Hintergrund der jetzt drohenden Abschaltung sind offenbar unterschiedliche Preisvorstellungen. Einige Sender haben für den Betrieb der Netze Anbieter wie Uplink und Divicon beauftragt. Diese müssen sich mit den Antennenbetreibern über Gebühren verständigen.

Die Freenet-Tochter Media Broadcast, die auch die Plattfomen für das Digitalradio DAB+ und das Antennenfernsehen DVB-T2 betreibt, hatte zuvor einen wesentlichen Teil ihrer Antenneninfrastruktur unter anderem an Finanzinvestoren veräußert.

Media Broadcast erwartet nun, dass es für den Weiterbetrieb der betroffenen Sender beauftragt wird, entweder von den Programmveranstaltern oder den Netzbetreibern. Bis zum Donnerstagmittag hätten jedoch nur zehn der insgesamt 40 betroffenen Veranstalter einen Auftrag erteilt, heißt sagte Breuer der "Welt".

Jetzt wolle Media Broadcast bis Montag abwarten und anschließend die Landesmedienanstalten, die Bundesnetzagentur und das Kartellamt informieren. "Wer sich bis dahin nicht gemeldet hat, wird am Mittwoch abgeschaltet", sagte Breuer der Zeitung.

Uplink-Chef greift Breuer an

Das Unternehmen machte dabei unter anderem Haftungsgründe geltend. So gebe es ohne Verträge mit den Veranstaltern keine rechtliche Grundlage für die Frequenznutzung.

Doch kommt es wirklich so weit?

Michael Radomski, Geschäftsführer des Sendernetzbetreibers Uplink, glaubt nicht an eine Abschaltung. Er vermutet vielmehr, dass die Drohung nur die Verhandlungsposition von Media Broadcast stärken soll. "Wer als Betreiber einer Medienplattform mit einer Abschaltung droht, um seine Verhandlungsposition zu stärken, ist nicht für den Betrieb einer öffentlichen Infrastruktur geeignet", sagt er dem SPIEGEL - und greift damit Breuer an.

Ein Sprecher des Deutschlandradios geht ebenfalls davon aus, dass das Programm weiterhin zu empfangen ist. "Wir haben einen Vertrag mit dem Sendernetzbetreiber Uplink und gehen davon aus, dass er erfüllt wird", sagte er. Auch vom MDR hieß es, es werde keine Abschaltung geben.

Media Broadcast weist Verantwortung von sich

Media Broadcast sieht sich selbst nicht in der Verantwortung: "Wir haben uns bereiterklärt, übergangsweise den Sendebetrieb aufrecht zu erhalten, damit die anderen Parteien Zeit haben, eine Übereinkunft zu finden", sagte ein Unternehmenssprecher. "Wir senden seit dem 1. April ohne Auftrag." Die Frist sei schon seit dem 14. März bekannt. "Wir tun alles, um eine Abschaltung zu vermeiden."

Der Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, Thomas Fuchs, hält eine etwaige Abschaltung der UKW-Frequenzen für destruktiv. Auch wenn noch nicht alle Verträge vorlägen - "eine Abschaltung ist keine kluge Option", sagte Fuchs. Am Montag wollten sich die Landesmedienanstalten noch einmal über einen aktuellen Stand bei Media Broadcast informieren.

Ein Sprecher der Netzagentur plädiert dafür, eine gemeinsame Lösung zu finden. Die Regulierungsbehörde begleite den Prozess und würde später über eine mögliche Regulierung entscheiden, hieß es.

Doch damit ist das Thema nicht vom Tisch. Am 30. Juni will Media Broadcast sich endgültig aus dem UKW-Geschäft zurückziehen. Wie es dann weitergeht, ist unklar.

Mit Material von dpa



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smartphone 06.04.2018
1. Auslaufmodell ?
Also div Umfragen haben gezeigt, daß die UKW Qualität 95% der Leutz völlig ausreicht . Wenig zweckmäßig ist es allerdings zB Langwelle DF abzustellen ( Auslandsempfang ) bzw kaum Ersatz im UKW usw bereitzustellen. Ansonsten ist die vermeintlich einfache Technik wichtig bei Katastrophenfällen ( auch Handys können UKW ) Wenn nun ein superschlauer BWL meint mit zB DAB etc wäre es besser oder Radio per Intenet, irrt gewaltig das ist ruckzuck ausgefallen ...... und dann ?
oidahund 06.04.2018
2.
Infrastruktur, die früher in öffentlicher Hand war (die ARD-Sender und das ZDF sind KdöR) - dann wurde laut Artikel der Sendebetrieb privatisiert und jetzt kommt es zum Streit. Warum wird immer wieder notwendige Infrastruktur verkauft? Ich verstehe einfach nicht, wie Kommunen ihre Wasserwerke oder anderes, die Länder und der Bund (inkl. der öffentlichen Anstalten) ihren Wohnungsbestand usw. verkaufen können, nur um kurzfristig Haushaltslöcher zu stopfen. Darunter zu leiden haben die wirklichen ehemaligen Eigentümer - die Bürger!
JerryKraut 06.04.2018
3. Dann wird eben
die GEZ-Gebühr entsprechend gekürzt. Das kommt vom Privatisierungswahn!
kumi-ori 06.04.2018
4. Das geht überhaupt nicht
Nachdem jeder Bundesbürger zur Zahlung von GEZ-Gebühren gezwungen wird, müssen die Anbieter auch zum Aussenden des Programms gezwungen sein, und das ohne, dass sich der Konsument dafür ein neues Radiomodell kaufen muss. Ob das Problem jetzt bei den Rundfunkanstalten, bei den Antennenbetreibern oder bei den Netzbetreibern liegt, kann dabei nicht das Problem des Radiohörers sein. Wenn diejenigen, die mit den GEZ-Gebühren Reibach machen, die Leistung nicht liefern, müssen den Angestellten die Konten gepfändet werden. Genauso, wie man es mit säumigen Gebührenzahlern auch machen würde.
grabenkaempfer 06.04.2018
5.
kurz gesagt: Freenet will sich Konkurrenz vom Halse schaffen, weil den nutzlosen DAB+ Mist keiner benutzt.
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