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Umfrage: Dax-Chefs distanzieren sich von Euro-Kritiker Reitzle

Mehrere Chefs von Dax-Konzernen haben sich zum Euro bekannt: In einer Umfrage betonten die Manager die Bedeutung der Gemeinschaftswährung für die deutsche Wirtschaft und distanzierten sich von Linde-Chef Reitzle. Dieser hatte im SPIEGEL offen über einen Austritt gesprochen. 

München - Deutschlands Großkonzerne lehnen einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone ab. Die Nachrichtenagentur Reuters hat die Spitzen der Dax-Firmen befragt, wie sie zu der Gemeinschaftswährung stehen. Das Ergebnis: Linde-Chef Wolfgang Reitzle stößt mit seinen Thesen überwiegend auf Ablehnung.

Reitzle hatte im SPIEGEL einen Austritt aus der Währungsunion ins Spiel gebracht. "Wenn es nicht gelingt, die Krisenländer zu disziplinieren, muss Deutschland austreten", sagte er. Die Folgen würden geringer sein als befürchtet.

Siemens-Chef Peter Löscher unterstrich dagegen die Bedeutung der gemeinsamen Währung. "Der Euro ist extrem wichtig für die europäische Industrie", erklärte er. "Eine Rückkehr zur D-Mark wäre verheerend", betonte auch BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner. "Wir sollten alles tun, um zu vermeiden, dass es soweit kommt."

Daimler-Chef Dieter Zetsche stärkte den Euro-Rettern den Rücken. Sein Konzern sei weiterhin für einen Erhalt der Gemeinschaftswährung und dafür, dass Deutschland Teil der Euro-Zone bleibe, bekräftigte ein Konzernsprecher die Haltung des Autoriesen. Auch Post-Chef Frank Appel betonte die Bedeutung des Euro für die deutsche Wirtschaft: "Was immer die Euro-Rettung kosten wird, es wird weniger sein als das, was der Euro Deutschland und Europa gebracht hat und weiter bringen wird. Gerade Deutschland hat große Vorteile durch den Euro."

"Klare und messbare Argumente für einen starken Euro"

Auch die Deutsche Telekom sieht im Euro Vorteile, die es zu erhalten gilt: Laut einer Schätzung von McKinsey seien rund 165 Milliarden Euro des deutschen Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2010 auf den Euro zurückzuführen, teilte der Konzern mit. "Und seit der Einführung des Euro sind in der Euro-Zone rund neun Millionen Arbeitsplätze zusätzlich entstanden. Das sind klare und messbare Argumente für einen starken und stabilen Euro."

Volkswagen teilte mit, es handle sich bisher "nicht um eine Krise des Euro, sondern um eine Staatsschulden- und Bankenkrise, die zu wachsender Unsicherheit und einem erheblichen Vertrauensverlust bei den Marktteilnehmern geführt hat". Insgesamt habe sich der Euro seit seiner Einführung aber als sehr stabil erwiesen.

Dagegen ließ der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck erkennen, dass er sich sehr wohl auch auf einschneidende Entscheidungen gefasst macht. "Mit dem globalen sowie dem europäischen Wirtschaftsumfeld umzugehen und auf Änderungen vorbereitet zu sein, das ist alles Teil unseres Tagesgeschäfts", sagte ein Sprecher. Die unter staatlichem Einfluss stehende Commerzbank wollte sich zu ihren Erwägungen nicht äußern.

cte/Reuters

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1. Hmmmm,
adam68161 16.01.2012
da werde ich doch nachdenklich, wenn sich plötzlich so viele Wirtschafts"führer" für den Erhalt des Euro aussprechen. Eigentlich fehlen hier nur noch Ackermann und Blessing. Dann wäre ich auch für seine Abschaffung!
2. Schweizer?
emden09 16.01.2012
Zitat von sysopMehrere*Chefs von*Dax-Konzernen*haben*sich zum Euro bekannt: In einer Umfrage*betonten die Manager die Bedeutung der Gemeinschaftswährung für die deutsche Wirtschaft und distanzierten sich von Linde-Chef Reitzle. Dieser hatte im SPIEGEL offen*über einen*Austritt gesprochen.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809431,00.html
Herr Reitzle hat vermutlich soviel geld in der Schweiz gebunkert, dass er von einem Zusammenbruch des Euro (und der dann folgerichtig wieder gelösten Bindung des CHF an den Euro) erheblich profitiern würde. Anders ist das "Gewäsch" m.E. nicht zu erklären.
3. Titel
PK2011 16.01.2012
Zitat von sysopMehrere*Chefs von*Dax-Konzernen*haben*sich zum Euro bekannt: In einer Umfrage*betonten die Manager die Bedeutung der Gemeinschaftswährung für die deutsche Wirtschaft und distanzierten sich von Linde-Chef Reitzle. Dieser hatte im SPIEGEL offen*über einen*Austritt gesprochen.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809431,00.html
Tja, der Herr Reitzle hat sich eben weit aus dem Fenster gelehnt. Seine Gedanken werden natürlich in jeder Stabsabteilung aller Konzerne durchgespielt. Es gilt aber der Kodex, nicht darüber zu reden. An den bekannten Tatsachen ändert das nichts. Wird die jetzige Rettungspolitik beibehalten, wird es Unruhen geben.
4. Nutzlose Provokation
überholspur 16.01.2012
Wer die Kozerne der Deutschland AG befragt, kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass einer der Herren sich politisch so unkorrekt äußern würd, wie Herr Reitzle es getan hat. Sie haben dem Mantra des Euro zu folgen - zumindest öffentlich. Keiner wird es wagen, sich dem Druck des Systems zu widersetzen. Durchgerechnet habe es aber sicher alle. Und da sie alle schlaue Menschen sind, werden sie wissen, dass der Segen des Euro für Deutschland ausschließlich darin bestand, mit seiner Einführung die Zustimmung der Siegermacht Frankreich zur Wiedervereinigung erkauft zu haben. Insofern stellt sich die Frage eines Austritts einfach nicht. Wenn manche Leute sie trotzdem beantworten, so wie Herr Reitzle gerade, ist und bleibt es eine nutzlose Provokation.
5. Das ist der Grund warum Herr Reitzle
bdr_boxter 16.01.2012
Zitat von emden09Herr Reitzle hat vermutlich soviel geld in der Schweiz gebunkert, dass er von einem Zusammenbruch des Euro (und der dann folgerichtig wieder gelösten Bindung des CHF an den Euro) erheblich profitiern würde. Anders ist das "Gewäsch" m.E. nicht zu erklären.
die Fa. Linde erfolgreich führt und Sie vermutlich in kürzester Zeit in den Konkurs. Warum soll er den Franken in eine gerade untergehende Währung (Euro ohne Deutschland) eintauschen? Er müsste eher seine Frankli in die neue deutsche Währung eintauschen. Diese steigt dann aber gerade in exorbitante Höhen - nach Meinung der Fachleute. Oder warum kommen wir sonst in eine Wirtschaftskrise? Es distanzieren sich nach meiner Meinung die größten Profiteuere des Euros. Der Normalbürger hat auf jeden Fall nicht übermäßig profitiert, wenn man der Lohn- und Gehaltsentwicklung glauben kann. Wenn die deutschen Dax Konzerne den Euro behalten wollen, dann sollen sie auch für die Kosten aufkommen. Wenn der Euro so toll ist, sind das doch wohl Peanuts für die Deutsche Bank, Siemens und Konsorten! Gott zum Gruß
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