Umfrage in Europas Konzernen Jeder dritte Angestellte würde schmieren

Großzügige Geschenke und im Gegenzug Aufträge: Laut einer Umfrage ist Korruption in europäischen Konzernen weit verbreitet. Jeder dritte Angestellte sagte sogar, er sei bereit, bei Geschäften mit Bestechung nachhelfen.

Übergabe von Geldscheinen: Korruption offenbar weit verbreitet
DPA

Übergabe von Geldscheinen: Korruption offenbar weit verbreitet


London - Beim Thema Schmiergeld denken viele an den Namen Siemens. Die Korruptionsaffäre kostete den Konzern Milliarden - und wurde von vielen Experten als Warnschuss für andere Unternehmen gewertet. Doch laut einer Umfrage ist Korruption in vielen europäischen Großkonzernen nach wie vor an der Tagesordnung.

Etwa jeder dritte Angestellte ist bereit, Geschäftsaufträgen mit Geld oder großzügigen Geschenken nachzuhelfen, ergab eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Demnach ist die Bereitschaft zu "Geldgeschenken" in Griechenland und Russland besonders ausgeprägt - am ehrlichsten gehe es dagegen in Frankreich und Norwegen zu.

Rund zwei Drittel der 2365 befragten Angestellten in 25 europäischen Ländern gaben an, dass Bestechung und Korruption in ihrem Geschäftsfeld weit verbreitet seien. Ein Viertel sagte zudem, dass es nicht glaube, dass sich die Führung ihres Unternehmens korrekt verhalte.

Viele der Beschäftigten sehen einen Zusammenhang zwischen Korruption und schlechter Geschäftslage. Denn mehr als 40 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass die Bestechung mit Geld oder anderen Geschenken während der Wirtschaftskrise in den vergangenen zwei Jahren zugenommen habe.

Laut der Studie ist die Forderung nach strengerer Überwachung in den Ländern am lautesten, die am stärksten von der Wirtschaftskrise betroffen sind. In Portugal, Irland, Spanien und Griechenland forderten mehr als 80 Prozent der Befragten mehr Kontrollen durch Behörden.

Manche Firmen wollen ihren Mitarbeitern mit Anti-Korruptions-Trainings korrektes Verhalten beibringen. Doch in Deutschland und Frankreich gaben weniger als 20 Prozent der Befragten an, dass sie solch einen Lehrgang absolviert haben. Und von denjenigen, die ein Training gemacht haben, sagte nur ein Drittel, dass es eine klare Richtlinie in ihrer Firma gegen Korruption gebe.

Ernst & Young befragte nach eigenen Angaben Angestellte auf allen Hierarchiestufen.

mmq/Reuters



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