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Umfrage zur Business-Kultur: Manager fürchten sich vor Power-Asiaten

Offiziell vertreten deutsche Manager eine klare Linie - ihr großes Vorbild sei China. Doch eine anonyme Befragung des "Handelsblatts" ergibt ein ganz anderes Bild: Viele Führungskräfte haben Angst vor "östlichen Normen" und "unfairen Geschäftspraktiken".

Hafen von Shenzhen: Viele Manager haben in China negative Erfahrungen gemacht Zur Großansicht
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Hafen von Shenzhen: Viele Manager haben in China negative Erfahrungen gemacht

Hamburg - China, China, China: Für die deutsche Wirtschaft scheint es kaum ein anderes Thema zu geben. "Wer vor Asien Angst hat, hat einen schlechten Ratgeber", sagte einst BASF-Chef Jürgen Hambrecht, damals Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft.

Doch das ist nur die offizielle Sichtweise. Hinter vorgehaltener Hand äußern sich deutsche Manager ganz anders, wie jetzt eine Umfrage des "Handelsblatts" ergibt. Die Zeitung hat mehr als 700 Führungskräfte anonym befragt - und das wahre Asien-Bild der Manager zutage gefördert.

Dieses Asien-Bild ist zwar auch geprägt von der Anerkennung des dort Geleisteten, aber mindestens genau so stark von der Furcht vor einem Siegeszug der asiatischen Kultur. Fast jede zweite deutsche Führungskraft (47 Prozent) ist überzeugt, dass sich "eher östliche, asiatische Normen" durchsetzen werden. Nur 29 Prozent erwarten, dass westliche Normen in den kommenden Jahren die Oberhand behalten.

Unter asiatischen Werten verstehen die Führungskräfte vor allem drei Punkte:

  • strenges Erziehungssystem,
  • staatlichen Dirigismus im Wirtschaftsleben,
  • unfaire Geschäftspraktiken.

Vor allem der letzte Punkt dürfte international für Diskussionen sorgen. Mehr als 80 Prozent der befragten Manager sind der Meinung, dass die Vorstellung von Fair Play in Asien eine andere ist als im Westen. 27 Prozent der Befragten geben an, selbst schon negative Erfahrungen gemacht und "unfair von Geschäftspartnern behandelt" worden zu sein, berichtet das "Handelsblatt".

Für Aufsehen sorgt derzeit der Fall des französischen Autoherstellers Renault. Zwei Managers des Unternehmens stehen im Verdacht, für einen chinesischen Konkurrenten spioniert zu haben. Am Mittwoch durchsuchte der französische Geheimdienst deshalb Renault-Büros und beschlagnahmte Computer. China bestreitet die Vorwürfe.

Thema dürfte dies auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos sein. Allerdings wird hier auch deutlich, wie selbstbewusst die Großmacht China mittlerweile auftritt: Erstmals finden Tagungen auch auf Mandarin statt - und nicht in der eigentlichen Konferenzsprache Englisch. Die Zahl der chinesischen Teilnehmer in Davos hat sich in den vergangenen Jahren fast verfünffacht.

wal

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insgesamt 73 Beiträge
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1. Karavane und Karussel
weltbetrachter 26.01.2011
Tun wir doch nicht so, als hätten wir das nicht alles seit Jahren schon gewußt. Das die Asiaten als aufstrebende Mächte an Größe und Einfluß gewinnen, ist doch nichts neues. Neu mag die Geschwindigkeit und die Macht sein, mit denen jetzt diese Länder auf den Weltmarkt drängen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat ein übriges in den westlichen Ländern dazu beigetragen. Wir sollten also nicht herumlamentieren, sondern uns aktiv den neuen Herausforderungen stellen. Wer eine bessere Idee hat, möge diese kundtun. Und richtig spannend wird es, wenn die asiatischen Globalplayer mal richtig auf "Einkaufstour" gehen.
2. China China China
cardiac 26.01.2011
Immer interessant, wie ein gesamter Kontinent in einen Pott geworfen wird. Schließlich sind es alles "Schlitzaugen", nicht wahr? Es gibt eklatante Unterschiede in den Unternehmenskulturen asiatischer Länder, allein schon, wenn man die ostasiatischen Länder Japan, Südkorea und VR China vergleicht. Wenn man Südostasien und Südasien noch dazunimmt, gibt es noch weitere große Unterschiede. Aber nööö. Alles China. China China China.
3. Keine Überraschung
crazillo 26.01.2011
Tja, erst hat man sich eine goldene Nase verdient und seine Renditen gesteigert, aber langfristig Konkurrenten herangezüchtet, die uns bald überrollen werden... So ist das eben.
4. diese Kasperles
MarkH, 26.01.2011
Zitat von sysopOffiziell vertreten deutsche Manager eine klare Linie - ihr großes Vorbild sei China. Doch eine anonyme Befragung des "Handelsblatts" ergibt ein ganz anderes Bild: Viele Führungskräfte haben Angst vor "östlichen Normen" und "unfairen Geschäftspraktiken". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,741793,00.html
haben wenig Plan von Tao - und noch weniger Plan von der Größe Chinas. Das entspricht in etwa der gleichen Mentalität mit der Hitler versuchte Rußland zu nehmen
5. Leistung zählt
MarkusKrawehl, 26.01.2011
Tja, dass aufstrebender Asiaten zu mehr Leistung befähigt sind, mag den ein oder anderen "old-money" Emporkömmling von der Ostküste sicherlich beunruhigen. Vollkommen zu Recht!
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Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1367,820 Mio.

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

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Weltwirtschaftsforum in Davos
Das Treffen
DPA
Das Weltwirtschaftsforum in Davos findet in diesem Jahr zum 41. Mal statt. Von Mittwoch bis Sonntag treffen sich in dem Schweizer Nobelskiort rund 2500 Experten aus Wirtschaft und Politik, darunter Staats-, Regierungs- und Konzernchefs. Die Teilnehmer werden streng abgeschirmt, Tausende Polizisten sollen die weltweite Elite schützen.
Die Themen
Das Motto des Weltwirtschaftsforums lautet in diesem Jahr "Gemeinsame Normen für die neue Realität". Unter der "Neuen Realität" wird eine Welt verstanden, in der es mehr Machtzentren gibt und in der die Entwicklung größeren Schwankungen unterworfen ist als früher. Zu den wichtigsten Bedrohungen für die globale Wirtschaft zählen die Veranstalter etwa staatliche Zahlungsausfälle, zunehmende Ungleichgewichte zwischen boomenden Schwellenländern und nur moderat wachsenden Industriestaaten und die mangelhafte Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie.
Die Teilnehmer
Die Co-Vorsitzenden des Treffens sind unter anderem Nestlé-Chef Paul Bulcke und der Investor Jacob Wallenberg. Aus der Politik haben sich neben Bundeskanzlerin Angela Merkel auch der russische Präsident Dmitrij Medwedew, der britische Premier David Cameron, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der südafrikanische Staatschef Jacob Zuma und US-Finanzminister Timothy Geithner angesagt.

Aus der deutschen Wirtschaftswelt nehmen unter anderem folgende Konzernchefs teil: Josef Ackermann (Deutsche Bank), Frank Appel (Deutsche Post), Marjin Dekkers (Bayer), Christoph Franz (Lufthansa), Jürgen Hambrecht (BASF), Peter Löscher (Siemens) und Johannes Teyssen (E.on).

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