Vier Fälle binnen vier Wochen Experten suchen nach Ursachen für Windrad-Crashs

Abgebrochene Rotorblätter, umgestürzte Windräder: Nach vier Havarien in vier Wochen steht die Sicherheit von Windkraftanlagen infrage. Müssen bestimmte Bauteile künftig genauer geprüft werden?

Im Januar umgestürztes Windrad in Niedersachsen
Stadtreinigung Hamburg/ SRH/ DPA

Im Januar umgestürztes Windrad in Niedersachsen


Da sich zuletzt Fälle umgestürzter Windräder häuften, reagiert der Branchenverband der Hersteller von Windkraftanlagen nun auf Kritik. Die Windkraftanlagen in Deutschland seien sicher, es handele sich bei den Havarien um Einzelfälle, sagte ein Sprecher des Bundesverbands Windenergie (BWE).

Es gibt laut BWE rund 26.500 Anlagen bundesweit - und im Schnitt sechs bis sieben Zwischenfälle pro Jahr, in denen es nach einem Blitzeinschlag brennt oder ein Rotorblatt abbricht. Dass es binnen vier Wochen vier betroffene Anlagen gebe, sei durchaus ungewöhnlich, befand allerdings auch der Verband.

Anfang der Woche war ein knapp 100 Meter hohes Windrad bei Hamburg umgestürzt, zudem brach der 40 Meter lange Flügel eines Windkraftrads in Zichow in der Uckermark ab. Weitere Fälle machten vor dem Jahreswechsel Schlagzeilen: In Sachsen knickte ein 95 Meter hohes Windrad im Windpark Sitten bei Leisnig wie ein Strohhalm ein, in Süderholz (Mecklenburg-Vorpommern) fiel Mitte Dezember ein 70 Meter hoher Windradturm um.

Gutachter prüften nun jeden Einzelfall genau, sagte der BWE-Sprecher. Zumindest bei den beiden Fällen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern stehe bereits fest, dass es keine Wartungslücken gab. "Jetzt ist die Frage umso wichtiger, an welchem Bauteil es gelegen hat und ob man dieses bei künftigen Wartungen genauer unter die Lupe nehmen muss." Nach bisherigen Erkenntnissen hatte etwa in Sachsen ein defektes Rotorblatt eine Kettenreaktion ausgelöst.

Sämtliche Windkraftanlagen werden laut BWE, der die Betreiber von Windrädern vertritt, nach den Richtlinien des Deutschen Instituts für Bautechnik regelmäßig überprüft. Alle zwei bis vier Jahre die Standsicherheit, die elektrischen Anlagen alle sechs Monate. "Daran halten sich die Betreiber auch, weil jeder möglichst ohne Ausfall produzieren will", so der Sprecher.

In der Regel sind die Windenergieanlagen dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zufolge für einen Betrieb von 20 Jahren ausgelegt. Verschleißteile werden bei Bedarf ausgetauscht. Dass gleich der ganze Turm umknickt wie in jüngster Zeit, komme sehr selten vor, sagte Johannes Schiel, VDMA-Referent für Windenergie. "Das ist eine besondere Situation."

Zwei der Anlagen seien 16 und 18 Jahre alt gewesen - ein fortgeschrittenes Alter. Zwar werden Fundament und Turm so stabil gebaut, dass sie auch länger halten, erklärte Schiel. Man müsse nun genau beobachten, ob Anlagen dieser Generation häufiger Probleme bekommen - und Betreiber sicherstellen, dass die Windräder fest und sicher in der Landschaft stehen.

Sollten es in den aktuellen Fällen an den Rotorblättern liegen, sieht Schiel auch die Hersteller in der Pflicht. "Dann sind diese gefordert zu prüfen, ob die installierten Blätter dieser Generation irgendwie schadhaft waren." Die rund 26.500 Anlagen in Deutschland erbringen laut Verband zusammen eine Leistung von knapp 42.000 Megawatt an Land und etwa 4000 Megawatt auf See.

kig/dpa



insgesamt 339 Beiträge
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syt 05.01.2017
1. Diese sind an den
Schraubbolzen abgerissen ? Evl. eine falsche ,nicht geeignete Festigkeit des Schraub Bolzens ? Minderwertige Qualität der Verschraubung ? Oder Schraubverbindung durch Vibration gelösst,da keine Schraubensicherung vorhanden war ? Sonst könnte die Verbindung nicht abreissen.
dgbmdss 05.01.2017
2. nicht richtig - max. Systemleistung ist nicht erbrachte Leistung
die angegebenen 46.000 MW werden natürlich nur zu den Zeiten erbracht, in denen überall in Deutschland entsprechende WInde wehen - also fast nie. Wenn dieser dann mal weht. muß der überschüssige Windstrom mit Strafprämien ins Ausland verkauft werden. Das mindert weiter die Rentabilität von WIndkraftwerken. Mit welchem Teil rechnet eigentlich die Branche für die Versorgung? 10.000 MW? Egal, die Energiewende wird - gesetzlich verordnet - vom deutschen Privatverbraucher bezahlt, richtig so, der hat die Regierung schließlich auch gewählt.
Hinrich7 05.01.2017
3. wunderbare Windkraft
weder Vogelschlag noch Standsicherheitsprobleme rufen Einschränkungen hervor. Weiterhin wird gejubelt ob der Energieversorgung. Die Standsicherheitsprobleme sind schon lange bekannt, nur wurden sie unter der Decke gehalten um nur ja den Gegner keine Munition zu liefern. Wenn es mal zu extrem böigen Winden kommen sollte fallen die Windräder wie die Dominosteine.
vincent1958 05.01.2017
4. Mir,als Bewohner..
..des Strahlungsgebiet vom AKW Tihange ist es egal,ob in D irgendwo eins von zig Tausend Windrädern umfällt.
Solid 05.01.2017
5.
Das sieht fast so aus, als habe man die Anlagen dahingehen optimiert, Material zu sparen zu Lasten von Sicherheitsreserven. Ein paar wenige, versicherte Totalschäden bei Sturm sind eben billiger, als jede Anlage mit viel Spielraum zu dimensionieren.
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