Umstrittene Bonitätsbewertungen: Rating-Agenturen rechnen mit Klagewelle

Der Rating-Agentur Moody's droht juristischer Ärger: Die US-Börsenaufsicht prüft eine Klage wegen umstrittener Bewertungsmethoden. Auch gegen Standard & Poor's und Fitch laufen zahlreiche Prozesse - mit unklarem Ausgang.

Zentrale von Standard Poor's: Rund 25 Klagen anhängig Zur Großansicht
dpa

Zentrale von Standard Poor's: Rund 25 Klagen anhängig

New York - Das Image der Rating-Agenturen hat in der Finanzkrise ohnehin gelitten - jetzt rollt auch noch eine Klagewelle auf Firmen wie Moody's, Standard & Poor's und Fitch zu: Die Agentur Moody's teilte am Montag mit, ihr drohe eine Klage der US-Börsenaufsicht. Sie bestätigte damit entsprechende Zeitungsberichte.

Laut "Financial Times" wirft die SEC Moody's vor, die Beschreibung ihres Vorgehens bei der Bewertung bestimmter europäischer Wertpapiere sei "falsch und irreführend" gewesen. Die Vorwürfe gehen zurück auf eine Enthüllung aus dem Jahr 2008, derzufolge Moody's bestimmten Papieren aufgrund eines Modellfehlers irrtümlich eine AAA-Wertung gegeben hatte.

Zwar räumte Moody's ein, einige Angestellte hätten in diesem Fall gegen Regeln verstoßen. Die Agentur stellt sich jedoch auf den Standpunkt, dass "die Verletzung von Richtlinien durch Angestellte nicht bedeutet", dass die Regeln selbst falsch und irreführend seien.

Doch auch wenn es der Agentur gelänge, die Klage abzuwenden - sie müsste damit rechnen, noch mit weiteren Klagen rechnen. Allein in den vergangenen zwei Wochen haben Richter in New York und Kalifornien entschieden, mehrere Klagen von Pensionskassen und anderen Investoren zuzulassen. In all diesen Fällen werfen die Investoren den Rating-Agenturen vor, betrügerisch oder zumindest grob fahrlässig gehandelt zu haben, als sie strukturierte Finanzprodukte hoch bewerteten, die sich später als mehr oder weniger wertlos erwiesen.

Allerdings sind juristische Erfolge in dieser frühen Phase mit Vorsicht zu genießen: Richter sind oft großzügig bei der Frage der Klagezulassung, aber dann deutlich kritischer, wenn es um die eigentliche Beweisführung geht.

Standard & Poor's hat eine Statistik veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass Richter elf Klagen gegen die Agentur abgewiesen haben; fünf weitere seien von den Klägern selbst fallen gelassen worden. Rund 25 seien noch anhängig. "Wir sind auf guten Wegen, die Gerichte zu überzeugen, den größten Teil der Klagen fallen zu lassen", sagte Floyd Abrams, ein Anwalt von S&P, der "Financial Times".

Investoren sind offensichtlich weniger optimistisch. Seit den Senatsanhörungen Mitte April zum Verhalten der Rating-Agenturen im Vorfeld der Finanzkrise sind ihre Aktienkurse massiv gefallen. Sorgen machen sich die Anleger auch um eine stärkere Regulierung der Agenturen, was deren Geschäftsspielraum einschränken könnte.

ssu/dpa

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insgesamt 4 Beiträge
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1. .
frubi 10.05.2010
Zitat von sysopDer Rating-Agentur Moody's droht juristischer Ärger: Die US-Börsenaufsicht prüft eine Klage wegen umstrittener Bewertungsmethoden. Auch gegen Standard & Poor's und Fitch laufen zahlreiche Prozesse - mit unklarem Ausgang. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694066,00.html
Man könnte sich auch international darauf einigen, dass man solch korrupten Idioten kein Vertrauen mehr schenkt. Aber ich fange schon wieder an zu träumen und werde .... sicher... gleich....wieder... einsch..... Weckt mich bitte wieder auf wenn der ganze Käse vorbei ist.
2.
Gebetsmühle 10.05.2010
Zitat von sysopDer Rating-Agentur Moody's droht juristischer Ärger: Die US-Börsenaufsicht prüft eine Klage wegen umstrittener Bewertungsmethoden. Auch gegen Standard & Poor's und Fitch laufen zahlreiche Prozesse - mit unklarem Ausgang. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694066,00.html
solche agenturen gehören verboten. ganz einfach.
3.
arinari 10.05.2010
Zitat von sysopDer Rating-Agentur Moody's droht juristischer Ärger: Die US-Börsenaufsicht prüft eine Klage wegen umstrittener Bewertungsmethoden. Auch gegen Standard & Poor's und Fitch laufen zahlreiche Prozesse - mit unklarem Ausgang. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694066,00.html
Wenn jeder weiss, dass diese Agenturen korrupt sind, warum hört man dann auf sie? Warum haben sie noch solche Macht, wenn deren Urteil nichtig ist? Sie sind überflüssig...
4. Nein,
CAJ 10.05.2010
Zitat von arinariWenn jeder weiss, dass diese Agenturen korrupt sind, warum hört man dann auf sie? Warum haben sie noch solche Macht, wenn deren Urteil nichtig ist? Sie sind überflüssig...
Sie sind ein wichtiger Teil des Spekulantenspiels, wie man ja wieder schön in Griechenland beobachten konnte, die Ratingagenturen behaupten einfach mal Griechenland sei ein schlechter Schuldner, die Banken erhöhen darauf hin die Zinsen wegen des ach so hohen Risikos und verdienen prächtig dabei, weil sie natürlich genau wissen das sie kein Risiko haben, der sonst so verachtete Staat wird schon dafür sorgen das kein Kredit unbezahlt bleibt. Die HRE alleine soll 80 Milliarden in Griechenland, Spanien, Porugal und Irland verliehen haben. Der Laden wurde mit 100 Milliarden Steuergeldern gerettet und gehört jetzt dem Staat also uns dem deutschen Michel..... Die Banken unter anderem natürlich auch wieder die deutsche Bank wußte also genau das sie kein Risiko eingeht ...
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Wie Rating-Agenturen arbeiten
Geschichte
Die Geschichte der Rating-Agenturen reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als das US-Eisenbahnnetz sich über den Kontinent ausdehnte. Das erforderte Kredite, die die Banken nicht alleine schultern konnten. Industrieunternehmen begannen, Anleihen auszugeben, um an Geld zu kommen. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor's, Moody's und Fitch.
Standard & Poor's
Standard & Poor's (S&P): Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's. Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
Moody's: John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service, die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch
Fitch Ratings: 1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings. Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.
Wie die Agenturen arbeiten
Rating-Agenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten und vergeben dazu verschiedene Bonitätsnoten. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen oder eine Beurteilung des Managements.
Die Noten der Rating-Agenturen
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall
Bedeutung der Noten
Je schlechter sie die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, umso teurer und schwieriger wird es für diesen, sich Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern zum Beispiel auch institutionelle Investoren.

Hochspekulative Anleihen (Moody's: Ba1, S&P: BB+, Fitch: BB+) gelten als "Ramsch". Wird eine Anleihe als spekulativ eingestuft, müssen beispielsweise Zentralbanken sie verkaufen.
Kritik
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen (Ratings) Mathematik und welcher Meinung ist. In der Finanzkrise wurden Rating-Agenturen an den Pranger gestellt: Weil sie Ramschpapiere als sichere Geldanlage anpriesen, wurde ihnen eine Mitschuld an der Krise gegeben.