Bochum - Wenn sich der Tank leert, fängt der deutsche Autofahrer an, sich umzuschauen und Preise zu vergleichen. Meistens lohnt sich das, denn die Tankstellen heben und senken häufig ihre Preise - stets mit Blick auf die örtliche Konkurrenz. Mit dieser Taktik setzen die Tankstellen ein Preiskarussel in Gang.
Doch wenn es nach dem Mineralölkonzern BP ginge, könnte bald Schluss sein mit dem Auf und Ab: Wie die "Welt" berichtet, will die BP-Tochter Aral ihren Tankstellen-Pächtern Anreize bieten, die Preise nach einer Erhöhung oben zu halten. Das Blatt zitiert aus vertraulichen Unterlagen, in denen der Marktführer ein neues Modell beschreibt, das ab Anfang September an etwa 250 Tankstellen in Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland getestet werden soll.
Mehr Provision für höhere Benzinpreise?
Die Pächter könnten künftig eine höhere Provision bekommen, wenn sie Benzin und Diesel nach einer Preiserhöhung über eine möglichst lange Zeit auf hohem Preisniveau weiterverkaufen. Ziel des neuen Provisionsmodells sei es, dass die Tankstellenbetreiber möglichst lange über einem von Aral festgelegten Referenzpreis blieben. Diesen kalkuliert die Zentrale in Bochum nach dem jeweiligen Umfeld der Station.
Bislang erhalten die Aral-Pächter eine fixe Provision, die unabhängig vom Bezinpreis ist. Die Pächter wollen niedrige Preise, damit sie viel Benzin und Diesel verkaufen können. Entsprechenden Druck üben sie auf ihre Zentralen aus. Denn sie werden nach Menge bezahlt, jeder Liter bringt ihnen Einkommen.
Aral-Pressesprecherin Stefanie Hansen wies den Bericht der "Welt" zurück: "Die Behauptung, dass Aral mit der Einführung eines neuen Provisionsmodells höhere Kraftstoffpreise durchsetzen möchte, ist unzutreffend." Korrekt sei, dass Aral derzeit den Vertrag mit den Tankstellenpartnern überarbeite und dabei auch alternative Provisionsmodelle teste - jedoch nicht ausschließlich jenes, über das die Zeitung berichtet wurde.
"Mit nicht markt-gerechten Preise würde Aral unverzüglich Kunden an den Wettbewerb verlieren", sagte Hansen. Die Berichte über die Preiserhöhung an der Zapfsäule zeichneten ein falsches Bild, vielmehr wolle man mehrere unterschiedliche Modelle am Markt testen.
kpa/dpa
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