Umstrittene Rating-Agentur US-Börsenaufseher überprüfen Standard & Poor's

Vor etwas mehr als einer Woche erkannte Standard & Poor's den USA die Top-Bonitätsnote ab - nun hat das Vorgehen des Rating-Unternehmens ein Nachspiel: Die Börsenaufsicht untersucht die Rechenmethode der Agentur. Es geht auch um mögliche Insidergeschäfte.

Standard-&-Poor's-Sitz in New York: Undurchsichtige Rechenmethoden
REUTERS

Standard-&-Poor's-Sitz in New York: Undurchsichtige Rechenmethoden


New York - Die Entscheidung der US-Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) vor gut einer Woche traf die Regierung in Washington ins Mark: Die USA ohne Top-Bonität? Da muss wohl was faul sein, lautete der Tenor. Ähnlich scheint die Börsenaufsicht SEC zu denken, die einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge eine Untersuchung der Rechenmethoden der Rating-Agentur eingeleitet hat.

Wie die Zeitung unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Personen berichtete, geht es bei der Untersuchung außerdem um mögliche Insidergeschäfte. Die Börsenaufsicht will demnach herausfinden, welche S&P-Mitarbeiter schon vor der offiziellen Ankündigung von der geplanten Herabstufung wussten.

S&P hatte die Kreditwürdigkeit der USA am 5. August erstmals in der Geschichte von der Bestnote AAA auf AA+ herabgestuft(siehe Erklärung in der linken Spalte). Grund waren Zweifel an der Fähigkeit Washingtons, die massive Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen. Der eigentlich erwartete Schritt hatte für erhebliche Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt. In der vergangenen Woche rutschten die Kurse an den weltweiten Börsen massiv ab.

Ein Sprecher des US-Finanzministeriums hatte nach der Entscheidung erklärt, die Bewertung der wirtschaftlichen Lage durch das Unternehmen enthalte einen Fehler über zwei Billionen Dollar. Finanzminister Timothy Geithner bezeichnete die Herabstufung als "schreckliche Fehleinschätzung". Er warf der Agentur einen "verblüffenden Mangel an Kenntnissen in grundlegender US-Haushaltsmathematik" vor, weshalb sie "genau zu dem falschen Schluss gekommen" sei.

yes/AFP



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movfaltin 14.08.2011
1. Chodorkowski
Zitat von sysopVor etwas mehr als einer Woche erkannte Standard & Poor's den USA seine Top-Bonitätsnote ab - nun hat das Vorgehen des Rating-Unternehmens ein Nachspiel: Die Börsenaufsicht*untersucht die Rechenmethode der Agentur. Es geht auch um mögliche Insidergeschäfte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,780161,00.html
Das Schema gleicht dem Fall Chodorkowski in erstaunlichem Maße: Solange es den Staatenlenkern nützt, wird der freie Markt bemüht, und wenn dieser freie Markt die Staaten, ob Russland oder die VSA, zu beschädigen droht, soll schnell ein Sündenbock gefunden und weggesperrt werden. Es ist ein erbärmlicher Schauprozess der VSA, die sich immer unmöglicher machen und an die Achse des Bösen anlehnen. Nicht, dass ich die VS-Prinzipien des möglichst komplett freien Marktes gutheißen würde; eine Korrektur täte da schon Not. Aber solange die nicht auf prinzipieller Ebene stattfindet, ist das Wasser gepredigt und Wein getrunken. Oder einfach: solange scheinen die angeblichen VS-amerikanischen Werte erstunken und erlogen.
gorge11, 14.08.2011
2. Die Haushaltsmathematik
Zitat von movfaltinDas Schema gleicht dem Fall Chodorkowski in erstaunlichem Maße: Solange es den Staatenlenkern nützt, wird der freie Markt bemüht, und wenn dieser freie Markt die Staaten, ob Russland oder die VSA, zu beschädigen droht, soll schnell ein Sündenbock gefunden und weggesperrt werden. Es ist ein erbärmlicher Schauprozess der VSA, die sich immer unmöglicher machen und an die Achse des Bösen anlehnen. Nicht, dass ich die VS-Prinzipien des möglichst komplett freien Marktes gutheißen würde; eine Korrektur täte da schon Not. Aber solange die nicht auf prinzipieller Ebene stattfindet, ist das Wasser gepredigt und Wein getrunken. Oder einfach: solange scheinen die angeblichen VS-amerikanischen Werte erstunken und erlogen.
ist eigentlich Physik und noch komplizierter. Schon Newton bewunderte Adam Smith. Die Rating Agenturen können das nicht. Sie machen + und - und dann stimmen sie ab. Manchmal machen sie das für Geld, von kreditnehmenden Emmitenten, die nicht über jeden Zweifel erhaben sind, manchmal machen sie es umsonst, um sich wichtig zu machen, wie in diesem Falle. Recht haben können sie trotzdem. Es nutzt nichts, Leute mit viel viel Guthaben (Versicherungen, Pensionsfonds, Rentenfonds, Staatsfonds etc) haben gar keine andere wahl, als US-Staatsanleihen zu kaufen, zu Konditionen, wie die USA sich das vorstellen. Die USA und andere verschulden sich extra, um obige Wirtschaftszweige am Laufen zu halten, ohne die läuft nichts.
Pandora0611 14.08.2011
3. Die Folgen für S&P
Zitat von sysopVor etwas mehr als einer Woche erkannte Standard & Poor's den USA seine Top-Bonitätsnote ab - nun hat das Vorgehen des Rating-Unternehmens ein Nachspiel: Die Börsenaufsicht*untersucht die Rechenmethode der Agentur. Es geht auch um mögliche Insidergeschäfte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,780161,00.html
Jahrzente waren die Rating Agenturen die *good guys*, solange sie gegen den Euro und die PIIGS Stimmung machten; jetzt sind sie plötzlich die *bad guys*, da sie auf das US-Schuldenproblen hinweisen. Morgen stehen CIA, FBI und Blackwater vor der Tür und die Airforce kreist um das Gebäude. Die Mitarbeiter von S&P werden medienwirksam abgeführt und wegen *Landesverat* angeklagt. /Sarkasmus off
Pandora0611 14.08.2011
4. Die Arbeitsweise von S&P
Zitat von Pandora0611Jahrzente waren die Rating Agenturen die *good guys*, solange sie gegen den Euro und die PIIGS Stimmung machten; jetzt sind sie plötzlich die *bad guys*, da sie auf das US-Schuldenproblen hinweisen. Morgen stehen CIA, FBI und Blackwater vor der Tür und die Airforce kreist um das Gebäude. Die Mitarbeiter von S&P werden medienwirksam abgeführt und wegen *Landesverat* angeklagt. /Sarkasmus off
Nach der Pleite von Lehman Brothers haben die Rating Agenturen ihre Atrbeitsweise geändert. Die US-Regierung wirft ihnen (zu Recht) vor, die Papiere kurz vor dem Crash mit Topnoten bewertet zu haben. Jetzt bewerten sie kritischer, aber das ist der US-Regierung auch nicht recht. Vor allem, da sie jetzt am Pranger stehen. Wie sie arbeiten, kann man hier nachlesen: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67768101.html
BlakesWort 14.08.2011
5. So schnell kann es gehen
Wie Noam Chomsky in seinem Propaganda-Modell um die veränderte Politik und Medienlandschaft so schön aufzeigt: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns." Willkommen auf der anderen Seite, S&P!
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