Umstrittener Fonds Deutsche Bank bietet Ausstieg aus Todeswette an

Die Deutsche Bank rudert zurück. Anleger können ihr Geld vorzeitig aus einem Fonds abziehen, der als eine Art Wette auf die Restlebensdauer von Menschen angelegt ist. Dieses Produkt hatte der Bank sogar Kritik aus der eigenen Branche eingebracht.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Ethisch fragwürdiger Fonds
DPA

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Ethisch fragwürdiger Fonds


Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank kommt Kunden bei einer ethisch zweifelhaften Geschäftsidee entgegen. Anleger können ihr Geld aus dem geschlossenen Fonds db Kompass Life 3 vorzeitig abziehen. Die Anlage war als Todeswette kritisiert worden.

"Die Anleger werden in Kürze ein schriftliches Rückkaufangebot erhalten. Damit können sie ihr investiertes Kapital unter Abzug zwischenzeitlich erhaltener Zahlungen zurückerhalten", teilte die Deutsche Bank am Mittwoch in Frankfurt mit. Damit reagiere das Institut auf die "öffentliche Diskussion um die Berechtigung des Produkts".

Der umstrittene Fonds ist eine Art Wette auf die Restlebensdauer von etwa 500 Menschen: Sterben die sogenannten Referenzpersonen früher als erwartet, erhöht sich die Rendite für die Investoren. Die Referenzgruppe besteht laut der Bank aus US-Bürgern, die sich freiwillig gemeldet haben und dafür eine Entschädigung erhalten hätten.

Der SPIEGEL hatte Anfang Februar über Kritik des Bankenverbandes an der Todeswette berichtet. Der rund 200 Millionen Euro schwere Fonds wurde 2007 aufgelegt und läuft eigentlich noch bis 2015. Schätzungen zufolge haben etwa 10.000 Privatanleger Geld darin investiert. Bei Vorgängerprodukten wurden noch Lebensversicherungspolicen aufgekauft, um im Todesfall die Versicherungssumme der Verkäufer zu kassieren. Bei Kompass Life 3 hingegen handelt es sich um ein rein synthetisches Produkt. Er hat keinen Bezug zu realen Lebensversicherungspolicen. Der Ertrag ist vielmehr von der Lebenserwartung einer Referenzgruppe von 500 US-Bürgern abhängig. Die Anleger wetten also auf deren Lebensdauer.

SPIEGEL ONLINE hatte bereits im September 2010 über den Fonds berichtet und Auszüge aus einer elfseitigen Broschüre der Deutschen Bank zitiert.

Bei der Deutschen Bank Chart zeigen scheint es vor dem Ausscheiden von Vorstandschef Josef Ackermann im Mai eine Art Aufräumaktion zu geben. So wird Finanzkreisen zufolge in diversen Rechtsstreitigkeiten an einem Vergleich gearbeitet, unter anderem auch in dem Marathonverfahren um die Pleite von Leo Kirch. Ackermann bemüht sich offenbar, seinen beiden Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen ein aufgeräumtes Haus zu hinterlassen.

mmq/Reuters/dpa



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insgesamt 7 Beiträge
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forscher56 22.02.2012
1. Was ist hier anders?
Jede Lebens- bzw. Rentenversicherung ist doch eine Wette auf die "Restlaufzeit" einer Person. Es gibt in D Hunderte Versicherungsgesellschaften und Millionen solcher Policen. Die Dividenden der Aktionäre werden aus gewonnenen Wetten bezahlt. Und im vorliegenden Fall soll das plötzlich unmoralisch sein?
holterdiepolter 22.02.2012
2. anders ist meines Erachtens
Zitat von forscher56Jede Lebens- bzw. Rentenversicherung ist doch eine Wette auf die "Restlaufzeit" einer Person. Es gibt in D Hunderte Versicherungsgesellschaften und Millionen solcher Policen. Die Dividenden der Aktionäre werden aus gewonnenen Wetten bezahlt. Und im vorliegenden Fall soll das plötzlich unmoralisch sein?
das ich bei einer Lebensversicherung etc., von mir als Begünstigte, Personen meiner Wahl einsetze, im Gegensatz zu einer reinen Abzocke von Investoren.
hjm 22.02.2012
3.
Es gab mal so einen Kurzfilm von Hitchcock. Ein Mann bekommt eines Tages einen Brief. Drin ist ein Foto von einem ihm unbekannten Mann, der zugehörigen Adresse und der Information: „Wenn dieser Mann stribt, bekommen Sie 1000$.“ Zwei Wochen später stribt der Mann auf dem Foto, und einen Tag danach liegt ein neuer Brief im Kasten. Drin sind 1000$. Einen Monat später passiert das gleiche nochmal, diesmal mit 2000$, und es dauert nur eine Woche, bis der Mann auf dem Foto stribt und das Geld kommt. Wieder einen Monat später, gleiches Spiel, diesmal werden 5000$ angekündigt, und der Mann auf dem Foto stirbt gleich am nächsten Tag. Nochmal einen Monat später kommt wieder ein Brief. Wieder ein Foto, eine Adresse, und diesmal ist von 10000$ die Rede. Eine Woche passiert nichts. Dann fährt der Empfänger des Briefes zu der Adresse und beobachtet den Mann auf dem Foto. Noch eine Woche lang passiert nichts ...
harrieharrison 23.02.2012
4. Bänker bitte zur psychiatrischen Kur.
Bitte verstärkt testen lassen auf Vorliegen folgenden Symptomkataloges nach ICD-10 oder der frei erfundnen "Rationalisierungsstörung" (jegliches Verhalten möglichst vernünftig erklären, insb. Zweifel wegerklären): Antisoziale Persönlichkeitsstörung =========================== Die ICD-10-Kriterien beschreiben neben sozialer Abweichung charakterologische Besonderheiten, insbesondere Egozentrik, mangelndes Einfühlungsvermögen und defizitäre Gewissensbildung. Kriminelle Handlungen sind also nicht zwingend erforderlich. Mindestens drei der in der ICD-10 genannten Merkmale müssen erfüllt sein. Hierzu gehören: 1. Mangelnde Empathie und Gefühlskälte gegenüber anderen 2. Missachtung sozialer Normen 3. Beziehungsschwäche und Bindungsstörung 4. Geringe Frustrationstoleranz und impulsiv-aggressives Verhalten 5. Mangelndes Schulderleben und Unfähigkeit zu sozialem Lernen 6. Vordergründige Erklärung für das eigene Verhalten und unberechtigte Beschuldigung anderer 7. Anhaltende Reizbarkeit
redwed11 23.02.2012
5. Nicht nur Banker
Zitat von harrieharrisonBitte verstärkt testen lassen auf Vorliegen folgenden Symptomkataloges nach ICD-10 oder der frei erfundnen "Rationalisierungsstörung" (jegliches Verhalten möglichst vernünftig erklären, insb. Zweifel wegerklären): Antisoziale Persönlichkeitsstörung =========================== Die ICD-10-Kriterien beschreiben neben sozialer Abweichung charakterologische Besonderheiten, insbesondere Egozentrik, mangelndes Einfühlungsvermögen und defizitäre Gewissensbildung. Kriminelle Handlungen sind also nicht zwingend erforderlich. Mindestens drei der in der ICD-10 genannten Merkmale müssen erfüllt sein. Hierzu gehören: 1. Mangelnde Empathie und Gefühlskälte gegenüber anderen 2. Missachtung sozialer Normen 3. Beziehungsschwäche und Bindungsstörung 4. Geringe Frustrationstoleranz und impulsiv-aggressives Verhalten 5. Mangelndes Schulderleben und Unfähigkeit zu sozialem Lernen 6. Vordergründige Erklärung für das eigene Verhalten und unberechtigte Beschuldigung anderer 7. Anhaltende Reizbarkeit
Wenn Sie die Vorstände der deutschen Unternehmen nach den von Ihnen aufgeführten Kriterien begutachten, dürfte kaum einer der Vorstandsmitglieder dabei sein, bei dem nicht mindestenz 5 Kriterien zutreffen. Zumindest die Punkte 1., 2., 5. und 6. dürften bei fast allen, mit ganz geringen Ausnahmen, deutschen Vorständen akut vorhanden sein. Da diese Störungen von den davon Befallenen nicht als Störung angesehen werden, glaube ich nicht an irgendwelche Heilungschancen. Nochmals Danke für diesen Beitrag.
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