Messestart in Husum Altmaier und Albig streiten über Windkraft-Ausbau

Schlagabtausch zwischen Peter Altmaier und Torsten Albig: Zum Auftakt der Branchenmesse in Husum warnt der Umweltminister vor einem verstärkten Ausbau der Windkraft - und erzürnt damit den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten. Es ist nicht der einzige Sturm, der die Messe erschüttert.

Bundesumweltminister Altmaier, Ministerpräsident Albig: Schlagabtausch auf der Bühne
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Bundesumweltminister Altmaier, Ministerpräsident Albig: Schlagabtausch auf der Bühne


Husum - Für die Kameras lächelten sie noch einträchtig, auf der Bühne lieferten sie sich dann einen Schlagabtausch: Bei der Eröffnung der Windenergie-Leitmesse in Husum hat sich Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) dagegen ausgesprochen, den Ausbau der Windenergie weiter zu forcieren - und wurde dafür heftig von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) kritisiert.

Auf der weltweit führenden Branchenmesse WindEnergy in der Kleinstadt an der Nordseeküste zeigen rund 1200 Unternehmen aus 90 Ländern die neuesten technischen Entwicklungen, rund 36.000 Besucher werden erwartet. Das sind weit mehr, als Husum Einwohner hat.

Konkret forderte Altmaier eine engere Abstimmung zwischen Bund und Ländern beim Ausbau von Windkraft und Stromnetzen. Er verwies darauf, dass die Ausbaupläne der Länder 60 Prozent mehr Windenergie vorsähen, als für die Energiewende gebraucht werde.

Albig widersprach Altmaier deutlich. "Lassen Sie uns den Wind dort ernten, wo er weht", sagte Albig. "Das ist hier in Schleswig-Holstein. Bremsen Sie unser Land nicht aus." Altmaier entgegnete, er habe nicht vorgeschlagen, die Windstrom-Produktion oder den Ausbau in Schleswig-Holstein zu drosseln. Es sei aber unerlässlich, "systemische Lösungen" für die Energiewende zu entwickeln.

Vom Bauern-Treffen zur internationalen Leitmesse

Die Eröffnung wird zudem von einem heftigen Streit um die Zukunft der Messe überlagert. Denn es ist nicht sicher, dass sich die Branche auch in zwei Jahren wieder in der 22.000-Einwohner-Stadt Husum treffen wird. Nach derzeitigem Stand wird es dann wohl zeitgleich auch eine große Windenergiemesse in Hamburg geben, knapp 150 Straßenkilometer entfernt.

Erst am Sonntag waren wochenlange Vermittlungsgespräche zwischen den Messegesellschaften Hamburgs und Husums gescheitert. Provokant werben die Hamburger in Husum bereits mit großformatigen Plakatwänden mit dem Slogan "See you in Hamburg" um die Besucher der Leitmesse.

In Husum werden die Pläne aus der Hansestadt als Kampfansage betrachtet. "Was für ein Unsinn", kommentierte Regierungschef Albig den Hamburger Vorstoß. Die Husumer Messe sei mit mehr als 1100 Ausstellern stark wie nie zuvor. Der Versuch, eine Konkurrenzveranstaltung zu etablieren, sei verschwendete Energie.

Dabei ist die Windenergie-Messe ein Kuriosum: Was vor 23 Jahren als regionales Treffen von Landwirten in der Husumer Viehauktionshalle begann, ist inzwischen ein globales Ereignis - die Leitmesse einer rasant gewachsenen Industrie. Dass deren Vertreter vom Verkehrsknotenpunkt Hamburg aus fast zwei Stunden mit dem Auto oder dem Zug weiter in die Provinzstadt fahren müssen, erscheint fast als Anachronismus. Dennoch ist auch die WindEnergy 2014 laut Veranstalter bereits zu mehr als der Hälfte ausgebucht.

Branche im Standort-Streit gespalten

Für Husum ist die Windenergiemesse alle zwei Jahre ein echtes Highlight - und dementsprechend legt sich die Kommune ins Zeug. Wo sonst Pferde weiden, haben die Husumer sieben Leichtbauhallen für das diesjährige Treffen gebaut und knapp 7000 Parkplätze eingerichtet. In der gesamten Region an der schleswig-holsteinischen Westküste profitieren Hotels, Restaurants, Souvenirshops, Busunternehmer und andere Dienstleister.

Hinter den Hamburger Plänen stehen hingegen die Wünsche großer Teile der Industrie. Der Branchenverband VDMA Power Systems und große Unternehmen wie Siemens Chart zeigen, Repower Chart zeigen und Nordex Chart zeigen forderten Hamburg als Standort für die Messe. Sie haben ihre Unternehmenszentralen in der Stadt oder steuern zumindest die Windenergie-Sparte von dort aus.

Doch auch der Standort Husum hat durchaus Fürsprecher in der Branche, zum Beispiel die großen Hersteller Vestas Chart zeigen und Enercon und den Bundesverband Windenergie. Für die beiden Lager wäre eine Einigung im Standortstreit auch deshalb wichtig, weil sie so die Gefahr mindern könnten, dass am Ende ein Dritter profitiert. Eine Messe aus dem Ausland könnte etwa versuchen, sich als Leitmesse für die Branche zu etablieren.

Der Standortstreit erstreckt sich inzwischen auch auf der politischen Ebene. Im Zentrum der Kritik steht Hamburgs SPD-Bürgermeister Olaf Scholz, und zwar auch innerhalb der Stadt. Die Opposition aus CDU und Grünen wirft Scholz vor, dass er das Verhältnis zu Schleswig-Holstein vergifte. Der kontert, es handele sich um eine Angelegenheit der Industrie und der Messegesellschaft. Allerdings ist die Stadt Hamburg alleiniger Gesellschafter der Messe. Kaum vorstellbar, dass die Attacke auf Husum ohne Einverständnis von Scholz erfolgt.

fdi/dpa/dapd

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dr.floh 18.09.2012
1. Windmesse - zum Zweiten..
Dies ist der zweite Hamburger Anlauf, um die Windmesse in die Hansestadt zu ziehen.Kurz nach den ersten Husumer Wind-Energy-Messen, die alle zwei Jahre durchgeführt wurden, platzierte die Hamburg Messe in den Jahren dazwischen eine eigene Windmesse. Als sich die Hannover Messe für die Husumer stark machte und sie organisatorisch unterstützte, bliesen die Hamburger ihr Konkurrenzprodukt schließlich ab. Mal schauen, wie es diesmal läuft.
sonnigegruesse 20.09.2012
2. Altmaier zeigt sein wahres Gesicht!
All diese wohlmeinenden und vermeintlich, bürgerorientierten Aussagen von Altmaier, Rösler und Brüderle zeigen die erschreckende Konzept und Ideenlosigkeit dieser Chaos Regierung. Es ist ein Jammer, dass ausgerechnet dann, wenn eine umweltengagierte Regierung vonnöten wäre, eine dermaßen ụninspirierte Truppe am Start ist! Mit sonnigen Grüßen Werner Thoma
yesman365 27.09.2012
3. Systemisch...
müsste man wohl Herrn Altmeier in die Wüste schicken. Frechheit der Typ. Deutschland hat ohne weiteres das Geld und die kompetenz und die Infarstruktur um in 1-2 jahren komplett dezentral und regenerativ mit Strom versorgt zu werden. die berühmten 3800 kilometer Stropmnetz kosten in der Praxis gerade mal ca. 4 Mrd Euro, also Peanuts. das sind ein paar Stahltürme mit kabel dran, wo ist da das problem, ein paar winkeleisen, bolzen, isolatoren, ein -2 hubschrauber und ein paar kabel, just do it.
Thomas Schröter 28.10.2013
4. Typische Fehlbesetzung
Zitat von sysopDPASchlagabtausch zwischen Peter Altmaier und Torsten Albig: Zum Auftakt der Branchenmesse in Husum warnt der Umweltminister vor einem verstärkten Ausbau der Windkraft - und erzürnt damit den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten. Es ist nicht der einzige Sturm, der die Messe erschüttert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,856480,00.html
Der Auftrag des Umweltministers ist klar definiert. Die amtlich Gutachten bestätigen durchweg mangelhaft Planung und Umsetzung des Netzausbaus. Aus dem Statement des Umweltministers kann nur geschlossen werden, daß der verschleppte Netzausbau so von irgendjemand, unter Umgehung der Gesetzgebung, gezielt herbeigeführt wird und u.a. vom Umweltminister legitimiert wurde. In jeder anderen Institution würde gegen so jemand wg. Untreue und womöglich wg. Vorteilsnahme ermittelt, denn man kann nach den jünsten Vorgängen davon ausgehen, daß dafür bgezahlt wurde. Es liegt an Merkel den Mann zu entsorgen.
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