München - Die mit Hygieneproblemen kämpfende Großbäckerei Müller-Brot ist pleite. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich auf Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Das Unternehmen habe am Donnerstagnachmittag einen Insolvenzantrag am Amtsgericht in Landshut eingereicht, sagte NGG-Funktionär Mustafa Öz der "SZ". Der Vizepräsident des Landgerichts, Christoph Fellner, bestätigte die Angaben.
Erst Ende Januar war die Produktion bei Müller-Brot in Neufahrn im Landkreis Freising gestoppt worden. Lebensmittelkontrolleure hatten wiederholt Mäusekot, Maden und Speisereste in dem Betrieb gefunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit dem vergangenen Jahr. An diesem Freitag steht die nächste Kontrolle in dem Betrieb an. Danach wird entschieden, ob Müller-Brot die Produktion wieder starten darf.
Vor wenigen Tagen hatte die Geschäftsführung wirtschaftliche Probleme eingeräumt und einen Stellenabbau angedeutet. Wegen des Hygieneskandals kehrten mehrere Großkunden Müller-Brot den Rücken. Nach dem Discounter Lidl verzichtete auch Aldi Süd auf Waren von Müller-Brot. Unternehmenssprecherin Kirsten Windhorn bestätigte, Aldi Süd habe "bis auf weiteres" den Verkauf von Produkten der Firma eingestellt.
Den Mitarbeitern könnten nun ausstehende Gehälter verloren gehen. Noch sei weder das Januar- noch das Februargehalt bezahlt worden, sagte Öz. Zuletzt sei es häufiger zu solchen Verspätungen gekommen. Den Mitarbeitern drohten nun herbe finanzielle Verluste, da das Insolvenzgeld erst ab der Anmeldung der Insolvenz bezahlt werde.
Öz kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Informationspolitik von Müller-Brot. "Es ist menschenverachtend, dass man am Samstag noch versichert, die Löhne seien gesichert und jetzt Insolvenzantrag stellt", sagte er. Auch von der Pleite hätten die Mitarbeiter nicht vom Arbeitgeber, sondern von der Gewerkschaft oder aus der Presse erfahren.
Umweltminister weist Vorwürfe zurück
Müller-Brot zählt nach Angaben des Bäckerverbands zu den zehn größten Bäckereiketten Deutschlands. Die Firma erzielt nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 115 Millionen Euro pro Jahr. Müller-Brot backt bis zu eine Million Brötchen und Brezeln pro Tag sowie bis zu 70.000 Brote. Neben Broten für die eigenen Filialen produziert Müller-Brot auch Backwaren, die in Supermärkten verkauft werden.
Umweltminister Marcel Huber (CSU) verteidigte am Donnerstag das Vorgehen der Behörden. "Es gibt kein Kontrolldefizit, es gibt verantwortungsloses Handeln eines Einzelunternehmers", sagte Huber im Landtag. "Es gab keine Gesundheitsgefahr." Huber wehrte sich insbesondere gegen den Vorwurf, die Öffentlichkeit sei zu spät informiert worden: "Wenn keine Gesundheitsgefahr besteht, kann eine Information der Öffentlichkeit nur nach strenger Güterabwägung erfolgen."
Produktion bei zweiter Großbäckerei gestoppt
Zugleich wurde bekannt, dass bayerische Kontrolleure eine zweite Großbäckerei im Visier haben. Dabei handelt es sich um den Betrieb Biendl und Weber in Donaustauf.
Die Lebensmittelüberwachung hatte nach einer Kontrolle am Dienstag einen Stopp von Produktion und Warenauslieferung verfügt. Die Kontrolleure stellten in dem Betrieb unter anderem Schimmelbefall, Spinnweben und Verkrustungen an Geräten und Öfen fest. Im Keller lagen zwei tote Mäuse.
Wegen schlecht schließender Fenster und mangelnder Belüftung hat sich der Schimmel nach Angaben der Lebensmittelüberwachung schnell ausbreiten können. Eine Gesundheitsgefahr für die Verbraucher bestand dem Landratsamt zufolge nicht - deshalb habe es auch keine Rückholaktionen gegeben. Insekten und Schimmel seien nicht mit Lebensmitteln in Berührung gekommen.
"Die staatliche Lebensmittelkontrolle kann nur bedingt sicherstellen, dass so etwas nicht passiert", sagte der Landrat. Es könne nur stichprobenartige Kontrollen geben. Wichtig sei es, die Produktion bei Hygienemängeln frühzeitig zu stoppen. Der Verbraucherschutz stehe im Vordergrund.
Firmeninhaber Ulrich Weber sagte: "Wir haben keinen Befall in der Richtung gesehen." Seit Dienstag sei der Betrieb umfassend gereinigt worden. "Es ist gewesen, und ich denke, wir haben es abgestellt." Seit 2009 musste der Betrieb dem Landratsamt zufolge schon dreimal wegen Hygienemängeln Bußgeld zahlen. Die Bäckerei hat nach eigenen Angaben 65 Mitarbeiter und 18 Filialen in Regensburg und im Landkreis. Der Jahresumsatz betrage rund 2,2 Millionen Euro. Damit ist die Oberpfälzer Bäckerei wesentlich kleiner als Müller-Brot.
cte/dpa/dapd
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