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Beim Kauf der Bank Austria: Hedgefonds wirft Unicredit Komplott gegen Aktionäre vor

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Österreichische Wirtschaftsprüfer sollen der Großbank Unicredit geholfen haben, Aktionäre um Milliarden zu prellen. Für das Ergebnis des Streits dürfte sich auch Horst Seehofer interessieren.

Unicredit: Hat die Bank eine angemessene Abfindung an die Aktionäre gezahlt? Zur Großansicht
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Unicredit: Hat die Bank eine angemessene Abfindung an die Aktionäre gezahlt?

Wien - Wenn das traditionsreiche Grand Hotel Panhans am Semmering in Niederösterreich zu "Dinner & Crime" einlädt, dürfen die Gäste sich an der Aufklärung von Kriminalfällen beteiligen. Doch als sich am 17. Oktober 2009 drei Vertreter der österreichischen Wirtschaftselite zu einem vertraulichen Gespräch trafen, waren Hobby-Detektive unerwünscht. Dabei ist das Treffen wohl die Schlüsselszene in einem deutsch-österreichischen Wirtschaftskrimi.

Die Handlung kreist um den Vorwurf, dass die italienische Großbank Unicredit Chart zeigen nach der Übernahme der HypoVereinsbank und der Bank Austria die Minderheitsaktionäre beider Banken um Milliarden geprellt habe. Der Hedgefonds Polygon wittert ein Komplott unter Beteiligung österreichischer Wirtschaftsprominenz, die Bezichtigten fühlen sich diffamiert.

An jenem Herbsttag trafen sich im Hotel Panhans die Wirtschaftsprüfer Fritz Kleiner und Walter Platzer sowie der Anwalt Hellwig Torggler. Sie waren die frisch gekürten Mitglieder eines Schiedsgerichts. Das sollte prüfen, ob der von Unicredit an die Minderheitsaktionäre der Bank Austria gezahlte Abfindungspreis im Jahr 2007 angemessen war. Polygon hatte wie andere Minderheitsaktionäre schon den Ausschluss an sich angefochten und im Zuge eines Vergleichs einen zweistelligen Millionenbetrag erhalten. Nun sollte ein Schiedsgericht im Schnellverfahren klären, ob dem Hedgefonds noch mehr zusteht.

Unicredit und Prüfer weisen die Vorwürfe zurück

Wie aus Gerichtsakten hervorgeht, wirft Polygon den Schiedsrichtern vor, sich vor Beginn des Verfahrens mit Unicredit abgesprochen zu haben. Der Hedgefonds, der bekannt dafür ist, mit sehr harten Bandagen zu kämpfen, hat die drei vor dem Handelsgericht Wien wegen Betrugs auf Schadensersatz verklagt. Ziel des Komplotts sei es gewesen, ein Gutachten einzuholen, das den von den Italienern gebotenen Abfindungspreis bestätigt. Unicredit sowie Kleiner, Torggler und Platzer weisen die Vorwürfe vehement zurück.

Die Bank erklärt, der Abfindungspreis von 129,40 Euro je Aktie sei fair und angemessen. "Jegliche Unterstellung, dass das Verfahren zur Wertermittlung unfair gewesen ist, weist Unicredit zurück", sagte eine Sprecherin der Bank.

Polygon hatte Platzer für das Schiedsverfahren als Vertreter benannt, fühlt sich jedoch auch von ihm hinters Licht geführt. Platzer habe dem Hedgefonds nahegelegt, einen Gutachter vorzuschlagen, auf den sich Platzer zuvor bereits mit den Co-Schiedsrichtern verständigt hatte - ohne dass Polygon davon gewusst habe.

Schon im Panhans war Aswath Damodaran von der Stern School of Business als Gutachter im Gespräch. Bereits bevor der Bewertungsexperte im März 2010 bestellt wurde, klärte Kleiner mit ihm in zahlreichen E-Mails, ob er zu einem für Unicredit günstigen Ergebnis kommen würde - und mit Unicredit, ob der Gutachter genehm wäre. "Ich erinnere, dass D. schon am Semmering-Treffen von Doz. Platzer genannt wurde und sich Unicredit erst nach internen Diskussionen auf D. einliess", schrieb Kleiner im Januar 2010 an seine Mitschiedsrichter.

Auch die Schiedsrichter verteidigen sich

Im Februar bedrängte Kleiner in einer E-Mail Damodaran, sich zum Fall zu äußern, und verwies auf "Leute hinter mir, die dringend Ihre Antworten auf meine Fragen lesen wollen". Aus Sicht des Hedgefonds Polygon kann sich das nur auf Unicredit bezogen haben, zumal Kleiner einräumte, geschäftliche Beziehungen zu Unicredit zu unterhalten. Die Vorwürfe Polygons hält er für "völlig aus der Luft gegriffen".

Bemerkenswert ist auch, dass sich Damodaran parallel zu den Verhandlungen mit Kleiner als Redner für ein Seminar in Zagreb gewinnen ließ, das von einer Unicredit-Tochter gesponsert wurde. Damodaran erklärt, sein Auftritt bei dem Seminar sei schon Monate vor dem Schiedsverfahren vereinbart gewesen, ihm sei nicht bewusst gewesen, wer die Sponsoren waren.

Auch die von Polygon angegriffenen Schiedsrichter verteidigen sich. Für ihn sei nicht nachvollziehbar, warum der Hedgefonds ihn "aus heiterem Himmel" elf Monate nach Ende des Schiedsverfahrens der Verschwörung und des Betrugs zu bezichtige, sagt Platzer.

Torggler verneint ebenfalls eine Vorabsprache mit Unicredit und den beiden anderen Schiedsrichtern. Er habe Kleiner und Platzer bis zum Verfahren nicht persönlich gekannt und von einer möglichen Absprache zwischen Kleiner und Damodaran keine Kenntnis gehabt. Er habe auch nicht - wie von Polygon behauptet - Beweise unterdrückt.

Abfindungspreis Ende 2012 weitgehend bestätigt

Recht bekam Polygon 2011 vom Handelsgericht in Wien. Es erklärte Kleiner für befangen. Doch Kleiners Nachfolger, der österreichische Verfassungsrichter Christoph Herbst, rollte das Schiedsverfahren nicht etwa neu auf. Vielmehr soll er seinem Vorgänger die Unterdrückung von Beweisen ermöglicht haben. Polygon hat auch ihn verklagt, Herbst weist die Vorwürfe zurück.

Herbst fällte Ende 2012 ohne weitere Verhandlung ein Schiedsurteil nach dem Geschmack von Unicredit und bestätigte weitgehend den Abfindungspreis. Ob diese Entscheidung Bestand hat, ist für die Abfindungen, die letztlich an die Minderheitsaktionäre der Bank Austriaund auch der HypoVereinsbank (HVB) gezahlt werden, von großer Bedeutung. Die Bank Austria gehörte zum Zeitpunkt der Übernahme der HVB durch Unicredit mehrheitlich der Münchner Großbank.

Polygon behauptet unter Berufung auf einen anderen Gutachter, dass die Abfindung für die Minderheitsaktionäre der Bank Austria schon aufgrund fragwürdiger Bewertungsmethoden um mindestens 400 Millionen Euro zu gering ausgefallen sei. Darüber hinaus ignoriere der Schiedsspruch, dass Unicredit in mehreren Transaktionen der Bank Austria werthaltige Tochtergesellschaften abnahm und ihr unterkapitalisierte Beteiligungen unterschob. Allein deshalb sei die Bank Austria 5,4 Milliarden Euro mehr wert gewesen, als Unicredit bei der Abfindung vorgab. Unter dem Strich seien die Minderheitsaktionäre um einen Milliardenbetrag geprellt worden. Unicredit bestreitet das. Setzt sich Polygon durch, könnten auch die Minderheitsaktionäre der HypoVereinsbank auf eine höhere Abfindung hoffen. Die HVB-Minderheitsaktionäre hatten ebenfalls gegen Unicredit geklagt.

Prüfer spielte auch im BayernLB-Streit eine Rolle

Der Münchner Richter Helmut Krenek hatte in dem Verfahren um die Abfindung an HVB-Aktionäre bereits 2007 angedeutet, er halte die von Unicredit für Bank Austria angesetzte Bewertung um vier bis fünf Milliarden Euro für zu niedrig.

Die Abfindungsverfahren werden sich noch lange hinziehen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer dürfte sich dennoch schon jetzt für die Vorgänge in Wien interessieren, besonders für die Rolle Kleiners. Der Wirtschaftsprüfer spielt auch in dem Streit der BayernLB mit Österreich um die Krisenbank Hypo Alpe Adria eine Rolle. Für jede der beiden staatlichen Banken geht es ums Überleben. Und für die Steuerzahler beider Länder um Milliarden.

So prüft die Republik Österreich, die BayernLB wegen Irreführung zu verklagen. Die Münchner hätten ihre Nachbarn über den Kapitalbedarf der Hypo Alpe Adria getäuscht, als sie die marode Bank 2009 an Österreich abstießen, glauben Politiker in der Alpenrepublik - und stützen sich dabei auf ein Gutachten von Kleiner. Auf den Mann also, der als Schiedsrichter bei der Bank Austria ein äußerst fragwürdiges Verständnis im Umgang mit Gutachten offenbarte.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Wie üblich...
robert.c.jesse 12.01.2014
Die einzigen "Unschuldigen" sind heutzutage nur bei den Banken zu finden. Sie haben nie von etwas gewußt und Alle Anschuldigungen sind völlig aus der Luft gegriffen. Es ging Alles immer ehrlich zu und dass im Rahmen der legalen Schlupflöcher. Der Kunde muss für das "Nichtversagen" des Managment aufkommen, die ja mit der Krise nichts zu tun hatten. Die Großen Abfindungen und Boni sind gerecht, denn man hat ja immer sein Bestes gegeben.
2. Nicht zu wenig
Daniel E. 12.01.2014
Die Summe passt.
3. Auf fragwürdige Schiedsrichter kann man sich eben nicht verlassen
kilroy-was-here 12.01.2014
die Unicredit hält sich für sehr schlau... Man kann nur hoffen, dass das Verfahren neu aufgerollt wird. Im Sinne der Aktionäre, im Sinne der Republik Österreich!
4. Ethische Standarts ?
gmkoe 13.01.2014
im Geldgewerbe und in dessen Dunstkreis wissen die allermeisten offensichtlich nicht einmal, wie man dieses Wort buchstabiert. Geschweige denn was es bedeutet, das Eigentum anderer betreuen zu dürfen. Vielleicht ist da auch das Sammelbecken spätrömischer Dekadenz, gepaart mit erschreckender sozialer Inkompetenz, geschweige denn Intelligenz.
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