Energiekonzern Uniper geht an die Börse

E.ons abgespaltete Kraftwerkssparte ist an der Börse notiert - und gewinnt überraschend an Wert. Die Aktien des Mutterkonzerns brechen dagegen ein, allerdings vor allem wegen technischer Effekte.

Uniper-Vorstandschef Klaus Schäfer
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Uniper-Vorstandschef Klaus Schäfer


Die von E.on abgespaltene Kraftwerks- und Energiehandelssparte Uniper hat nach ersten Einschätzungen von Analysten ein erfolgreiches Börsendebüt hingelegt. Die Aktien waren auf der Handelsplattform Xetra mit einem ersten Kurs von 10,01 Euro gehandelt worden, im Anschluss kletterten sie bis auf 11,05 Euro. Derzeit kostet eine Aktie rund 10,90 Euro.

Es handelt sich nicht um eine klassische Erstnotiz, bei der Aktien an neue Anleger ausgegeben werden. Vielmehr haben die E.on-Aktionäre am vergangenen Wochenende automatisch Uniper-Aktien in ihr Depot gebucht bekommen. Mit diesen Papieren können sie nun handeln.

Der erste Uniper-Kurs von 10,015 Euro entspricht etwa 3,6 Milliarden Börsenwert des Unternehmens und damit nur etwa einem Drittel des bisherigen Wertes in den E.on-Büchern. Analysten hatten eine solche Bewertung aber erwartet.

Die Papiere der Muttergesellschaft E.on brachen parallel um 13,8 Prozent ein. Das liegt aber auch an technischen Effekten im Zuge der Abspaltung - schließlich bekamen die Aktionäre für je zehn E.on-Aktien eine Uniper-Aktie. E.on will sich mit der Abspaltung seiner konventionellen Energie fit machen für die Energiewende. Der verbleibende Konzern - ohne die Gas- und Kohlekraftwerke - will sich ganz auf das Geschäft mit erneuerbarer Energie, Netzen und modernen Kundenlösungen konzentrieren.

Aus Sicht von E.on ist der Börsenstart von Uniper gelungen. "Wir haben widerlegt, dass die Abspaltung nicht funktionieren würde. Wir sind fast im optimalen Zeitplan", sagte E.on-Chef Johannes Teyssen. Uniper sei alles andere als "eine Resterampe". Er verwies in diesen Zusammenhang auf die Börsengänge von Lanxess und Osram. Alle diese Unternehmen seien nach der turbulenten Anfangsphase an den Börsen "wohl gelitten".

"Dafür, dass Uniper von bösen Zungen als Resterampe oder 'E.Off' bezeichnet wurde, ist der Börsenstart gut gelungen", sagte auch Robert Halver, Analyst der Baader Bank. Sein Kollege Peter Crampton von der australischen Investmentbank Macquarie ist für die Uniper-Aktien generell optimistisch. Anlegern biete der Börsengang der deutlich unterbewerteten E.on-Kraftwerkssparte eine günstige Einstiegsgelegenheit, schrieb Crampton in einer aktuellen Studie.

Es gibt aber auch kritische Stimmen zur weiteren Kursentwicklung von Uniper. "Weil der E.on-Konzern lediglich 53 Prozent der Uniper-Anteile abgebe, dürften die verbleibenden 47 Prozent in den nächsten Jahren über die Börse verkauft werden, was für erheblichen Abgabedruck zu Lasten der Uniper-Aktien sorgen könnte", heißt es vom Vermögensverwalter Source For Alpha.

msc/dpa-AFX/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
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Duggi 12.09.2016
1. Immer wenn ehedem gesunde und namhafte Großunternehmen beginnen,
unter Phantasienamen Neustrukturierungen vorzunehmen, ist das wirtschaftliche Ende nicht mehr weit und das Management macht sich noch schnell die Taschen voll. Oder wer kennt andere Beispiele? ;-)
tatsache2011 12.09.2016
2. und Kernkraft ?
"Der verbleibende Konzern - ohne die Gas- und Kohlekraftwerke - will sich ganz auf das Geschäft mit erneuerbarer Energie, Netzen und modernen Kundenlösungen konzentrieren." Da war doch nochwas. Ach ja, die Kernkraft. Hoffentlich konzentriert sich der verbleibende Konzern auch darauf. Das Verschweigen lässt Ungutes ahnen.
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