Unister Holding Gericht eröffnet Insolvenzverfahren

Seit Wochen verhandelt ein vorläufiger Insolvenzverwalter der Unister Holding über die Zukunft des Internetunternehmens. Nun ist das Verfahren offiziell in Gang. Für die Kunden soll sich nichts ändern.

Firmenschild von Unister
DPA

Firmenschild von Unister


Das Amtsgericht Leipzig hat das Insolvenzverfahren über die Unister Holding eröffnet. Das teilte der Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit. Das Verfahren betreffe rund 75 Mitarbeiter.

Flöther hatte bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter agiert und wurde nun regulär bestellt. Er rechne damit, dass das Amtsgericht demnächst auch für den Großteil der übrigen Unister-Gesellschaften die Verfahren eröffne, sagte ein Sprecher. Der Geschäftsbetrieb laufe in vollem Umfang weiter.

Die Gehälter der Holding-Mitarbeiter könnten weiter bezahlt werden. Flöther führe unterdessen die Verhandlung mit den möglichen Investoren fort - man sei weiterhin an einem zügigen Verkauf interessiert, teilte er mit.

Mit der Eröffnung des Verfahrens können nun unter anderem die Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Nach SPIEGEL-Informationen belaufen sich die fälligen Verbindlichkeiten der Unister Holding auf 39,2 Millionen Euro. Gut 34 Millionen Euro davon entfallen allein auf einen Kredit der Versicherung Hanse Merkur. Das Unternehmen "verfügt über liquide Mittel einschließlich eines Kassenbestandes in Höhe von 0,00 Euro" hieß es in dem fünfseitigen Insolvenzantrag, der dem SPIEGEL vorliegt. Die Verbindlichkeiten könnten also "ganz offensichtlich" nicht bedient werden.

Dem Finanzamt schuldet Unister laut dem Schreiben gut 800.000 Euro, beim Internetkonzern Yahoo steht die Firma mit 1,2 Millionen Euro in der Kreide. Hinzu kommen diverse offene Zahlungen, etwa für Anwaltskanzleien; mal geht es um 300.000 Euro, mal um 400.000 Euro. Auch die Kanzlei von Petersen bekommt noch 124.000 Euro von der Unister Holding.

Unister-Gründer Thomas Wagner war im Juli beim Absturz eines Kleinflugzeugs ums Leben gekommen. Seitdem waren nach und nach neue Details zur wirtschaftlich schweren Lage des Leipziger Internetunternehmens ans Licht gekommen.

Zu Unister gehören unter anderem die bekannten Portale Fluege.de und ab-in-den-urlaub.de. Viele Tochterfirmen meldeten Insolvenz an. Für den Großteil der übrigen Unister-Gesellschaften, die im Juli Insolvenzantrag gestellt haben, wird die Verfahrenseröffnung für Ende September erwartet.

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.