United Airlines Passagier rausgeschmissen, Aktienkurs steigt

Der rabiate Rausschmiss eines Passagiers aus einem überbuchten Flugzeug ist an den Märkten gut angekommen - zumindest kurzfristig: Erst stieg der Aktienkurs von United Airlines deutlich, dann verlor er ebenso deutlich.

Facebook/Audra Dickerson

Für die meisten Zuschauer war es ein unmöglicher Umgang mit Kunden - Anleger dagegen scheinen die neue Geschäftspolitik von United Airlines zu goutieren. Seit die US-Airline am Sonntagabend auf einem überbuchten Flug von Chicago nach Louisville einen Passagier von Security-Männern rabiat aus dem Flieger schleifen ließ, ist der Aktienkurs des Unternehmens gestiegen.

Am Freitag stand der Kurs noch bei 70,88 Dollar, am Montag ist er auf bis zu knapp 72 Dollar gestiegen. Die Aktie entwickelte sich damit besser als der US-Börsenindex S&P 500. Die Aktie der konkurrierenden US-Fluglinie Delta Airlines ist indes seit Freitag leicht gesunken. "Investoren scheinen von dem sadistischen Bekenntnis zur Kostenkontrolle beeindruckt zu sein", spottet die "Financial Times".

Allerdings war es mit dem Höhenflug der United-Aktie am Dienstag wieder vorbei. Zur Eröffnung der New Yorker Börse lag der Kurs bereits mit 2,4 Prozent im Minus und sank anschließend weiter. An der Frankfurter Börse war der Kurs der United-Aktie am Dienstag um rund vier Prozent gesunken.

Facebook/Audra Dickerson

United Airlines hatte darum gebeten, dass vier Fluggäste ihre Sitze zugunsten einer Crew aufgeben mögen. Diese sollte ihren Dienst am nächsten Morgen am Zielort Louisville antreten. Vorher könne die Maschine nicht abheben, so lautete die Ansage.

Einer Augenzeugin zufolge kam danach ein United-Airlines-Manager in die Kabine und kündigte an, vier Personen per Zufall auszuwählen. Ein Paar verließ das Flugzeug. Dann wurde der Mann aus dem Video aufgefordert - doch der weigerte sich. Er sei Arzt, habe er gesagt, und müsse am nächsten Morgen zu seinen Patienten.

Ein Facebook-Video zeigt, dass am Ende drei Sicherheitskräfte eingriffen: Sie zerrten den Mann aus seinem Sitz und schleiften ihn rücklings über den Boden des Gangs zum Ausgang. Andere Passagiere waren entsetzt, einige riefen: "O mein Gott!" und "Seht, was sie mit ihm machen!"

United Airlines sagt in einer Stellungnahme: "Nachdem unser Team nach Freiwilligen gesucht hatte, weigerte sich ein Kunde, das Flugzeug freiwillig zu verlassen, und die Polizei wurde gebeten, zum Gate zu kommen. Wir entschuldigen uns für die Überbuchung. Weitere Nachfragen über den entfernten Kunden sollten direkt an die Behörden gestellt werden."

ssu



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insgesamt 129 Beiträge
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Seite 1
janne2109 11.04.2017
1. besser
besser kann man die Mentalität der Menschen gar nicht in Worte kleiden, ist das gruslig
yoda56 11.04.2017
2. Extremfall, aber...
...bei meinen 4 längeren Besuchen in den Staaten habe ich immer wieder (Hotel, Airline, Restaurant, Museum, Mall, Schwimmbad usw.) erleben müssen, wie man dort mit Kunden und Gästen umgeht - wer also von der "Servicewüste Deutschland" spricht, war noch nie drüben!
alter_nativlos 11.04.2017
3. Verkehrte Welt
Das passt doch nahtlos zu der tatsache, dass nach der Wahl Trumps die Aktienkurse in den U.S.A. gestiegen sind. Tough ist geil und wer schert sich schon an recht und Moral. Der Präsident und seine Airline jedenfalls nicht!
Gmorker 11.04.2017
4. Agb
Würde mich ja mal interessieren, wie sich das mit den AGB der Gesellschaft verträgt. Normalerweise ist mit einer kostenpflichtigen Buchung ja schliesslich auch ein garantierter Platz verbunden und eine Überbuchung ist in keinem Fall schuldhaftes Verhalten des Fluggastes. Der Mann wurde also mit Gewalt aus dem Flugzeug gezerrt, obwohl er einen ordnungsgemäß bezahlten Platz hatte. Und wird dann auch noch dafür verhaftet, vermutlich weil er den Sicherheitskräften nicht bereitwillig Folge geleistet hat. ... Mich würde interessieren welche Art von Entschädigung die Fluggesellschaft für solch einen Fall denn vorgesehen hat und wie insbesondere mit eventuellen Folgeschäden umgegangen wird... man stelle sich mal vor, der Arzt wäre zu einer lebenswichtigen Operation unterwegs gewesen?! .... in jedem Fall würde ich als Passagier so ein Geschäftsgebaren eher meiden als unterstützen, von daher erscheint es mir unlogisch, das der Aktienkurs steigt.
meierchris1983 11.04.2017
5. ich hoffe so sehr
das dieser Mann wirklich ein Arzt ist und somit genug Geld hat diese unverschämte Airline zu verklagen. In der Regel halte ich die Summe ja für unverschämt, die in den Verhandlungen der USA auftauchen, aber in diesem Fall ist echt keine Summe zu hoch. Überbuchen der Maschinen ist schon unverschämt genug, aber ihr Problem dann so zu lösen, kann nicht sein. Ich drücke den man Jeden Daumen dass er eine saftige Entschädigung bekommt.
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