Unsichere Aktienmärkte Deutsche Bank warnt vor Dax-Absturz

Der Dax klettert und klettert - doch die künftige Wirtschaftslage spiegelt der Leitindex womöglich nicht mehr wider: Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter warnt jetzt sogar vor einem Rückschlag. Die Rezession sei noch lange nicht vorbei.

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Container im Hamburger Hafen: Die Kurse steigen, doch die Wirtschaft ist noch schwach
REUTERS

Container im Hamburger Hafen: Die Kurse steigen, doch die Wirtschaft ist noch schwach


Hamburg - Der Dax Chart zeigen ist in Verruf geraten: Zwar erklimmt Deutschlands Leitindex seit Mitte Juli fast jede Woche ein Jahreshoch. Doch Deutschlands Wirtschaft will dem Dax längst nicht so schnell hinterherziehen - als Konjunkturbarometer taugt er damit offenbar nicht. Volkswirte warnen jetzt sogar vor möglichen Börsenrücksetzern. Spätestens im kommenden Jahr, wenn die Notenbanker ihre massiven Stützen für die Wirtschaft voreilig aufgäben, falle der Dax womöglich zurück, glauben Volkswirte.

Allerdings sind auch Wirtschaftsprognosen in Verruf geraten, besonders die von Volkswirten. Reihenweise lagen sie im vergangenen Jahr um mehrere Prozentpunkte daneben, meist auch noch mit dem falschen Vorzeichen. Als Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, nach einem Prognosestopp rief, klang das durchaus plausibel. So weit ist es zwar nicht gekommen, doch kaum ein Forscher leistet sich noch eine eigene Meinung zur Konjunktur. Fast alle zuckeln im Geleitzug des Konsens.

Drei schmerzhafte Krisen in Folge

Mutiger tritt dagegen Norbert Walter auf, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Er offenbarte seine ganz persönliche Sicht auf die Weltwirtschaft in dieser Woche - als Randbemerkung in einem Bericht von einer Asien-Reise: "Derzeit verführt die Abwrackprämie Analysten dazu, von Aufschwung zu sprechen." Das werde wohl von Konjunkturdaten im dritten Quartal gestützt, räumt Walter ein, dies sei aber "nur eine kurze Aufwärtsbewegung auf der Talsohle", glaubt er. Deshalb doziert er: "Wir haben nicht die Rezession hinter uns gelassen, sondern nur "das erste U".

Damit spielte Walter auf die Debatten der vergangenen Monate an: Volkswirte diskutierten, ob die Rezession eine V-Form (kurzer Absturz und dann schnelle Erholung) annehmen würde, oder wie ein U einen längeren Weg durch ein tiefes Tal beschreitet. Die U-Sicht hat sich inzwischen weithin durchgesetzt.

Doch Walter ist noch skeptischer: "Die Weltwirtschaft wird einen Zyklus in Form eines 'Triple-U' erleben". Das heißt, zwei von drei solcher schmerzhaften U-Krisen in direkter Folge stehen erst noch bevor. Nummer zwei werde durch die steigende Arbeitslosigkeit als Folge der gekürzten Produktion ausgelöst, was für "niedrigere Einkommen und schwächere Einzelhandelsumsätze im europäischen Winter" sorge. Und dann komme Nummer drei.

Zentralbanken reduzieren Geldmenge

"Zwischen dem zweiten und dritten Quartal 2010" schlägt Walter zufolge das dritte "U" ein, "sobald die Zentralbanken anfangen, aus der Stimulierungspolitik auszusteigen". Walter legt sich sogar so weit fest, dass die US-Notenbank Federal Reserve "um Ostern" beginnen werde, die Geldmenge wieder zu reduzieren und die Zinsen zu erhöhen. Das Ziel: eine Mega-Inflation vermeiden. Der Nachteil: Die Konjunktur wird abgewürgt. Was das für Anleger heißt, ist Walter klar: "Das wird die Aktienkurse belasten."

Bank-Ökonom Walter gilt zwar als besonders pessimistisch. Und es gibt keinen Grund, warum Walters Prognosen präziser sein sollen als die anderer Wirtschaftsforscher. Aber seine Kritik teilen immerhin auch andere Experten. Janet Yellen etwa, Präsidentin der Federal Reserve von San Francisco. Sie glaubt zwar, dass "dieser Sommer wahrscheinlich das Ende der Rezession markiert". Doch es sei nur eine leichte Erholung zu erwarten, die zudem leicht durch Schocks zunichtegemacht werden könne.

Den besten Grund dafür, dass es überhaupt wieder vorangeht, sieht Yellen einfach darin, "dass wir so tief gefallen sind". Leer gefegte Lager, vor allem in der Autoindustrie, machten eine höhere Produktion notwendig, weil sonst selbst die minimale Nachfrage nicht befriedigt werden könne. "Der Hauptantrieb für Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wird der Aufbau von Lagern sein", meint Yellen. "Der davon ausgelöste Schub wird für eine Weile eine große Hilfe sein, aber um das Wachstum zu halten, müssen wir etwas anderes finden."

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Forum - Wie spüren Sie die Krise?
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Seite 1
Bulgakow, 13.07.2009
1.
Zitat von sysopDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist gestiegen. Bekommt der Erwerbsmarkt jetzt die volle Wucht der Krise zu spüren?
Ich selbst spüre die Krise eigentlich überhaupt nicht negativ. Vieles ist billiger als bisher. Dummerweise natürlich auch die Zinsen, finde das aber nicht wirklich schlimm.
Sisko82, 13.07.2009
2. gar nicht
also mich betrifft es garnicht da ich einen krisensicheren Job vor einem Jahr gewechselt habe als die Zeiten noch "besser" waren. Was auch ich positiv finde sind die momentanen Preissenkungen die diese "Krise" mit sich bringt. Vielleicht liegt es einfach nur daran das ich in München wohne aber alle meine Freunde haben noch Arbeit. Natürlich kann man sich nur schwer in diesen Zeiten verbessern bzw. sich einen anderen Job suchen. Nichts destotrotz glaube ich das viele Betriebe diese Krise ausnutzen um Geld zu sparen in Form von Kurzarbeit etc... Ich kenne zwei Betriebe denen es wirtschaftlich gut geht aber die auf staatlich subventionierte Kurzarbeit umgestellt haben. Seitdem schieben die Mitarbeiterinnen die ich dort kenne extrem viele "Überstunden". So genug zum Thema. Als Fazit kann ich sagen mir geht es besser denn je weswegen ich all diese Worte auch in "" gesetzt habe. Es ist ja sozusagen keine Krise sondern das Verschulden einiger weniger profitgeiler Banker und es geht genau so weiter wie vorher. Einen schönen Start in den Tag wünscht Sisko82
hypnos 13.07.2009
3. Wer krank ist, fliegt
Zitat von sysopDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist gestiegen. Bekommt der Erwerbsmarkt jetzt die volle Wucht der Krise zu spüren?
Wer krank ist, fliegt! So einfache Regeln herrschen im prekären Bereich vor. Und das Schlimme: es stimmt! Wenn sich eine Seuche in D rasch verbreitet, dann über solche Firmen.
alsterperle 13.07.2009
4. Traurig, aber wahr
Ich kann keinen gelben Schein mehr abgeben, ich bin vor 2 Wochen weggespart worden und rausgeflogen.Konjunkturerholung? Ein Witz! In die Arbeitslosenstatistik haue ich erst jetzt am Juli rein, so wie sicher viele andere auch, die im März ihre Kündigung erhielten und eine dreimonatige Kündigungsfrist hatten ....
cosifantutte 13.07.2009
5. Krisenkurse
Zitat von sysopDie Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist gestiegen. Bekommt der Erwerbsmarkt jetzt die volle Wucht der Krise zu spüren?
Spüre die Krise dadurch, dass die Aktienkurse recht niedrig sind. Sollten die Höchststände von Ende 2007 wieder erreicht werden, spüre ich die Krise nicht mehr. cosifantutte.
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