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Unternehmer Krinner: Bayerns ungekrönter Sonnenkönig

Von Julia Kimmerle, Straßkirchen

Klaus Krinner ist Landwirt, Christbaumständer-Erfinder und machte als Unternehmer ein Vermögen. Jetzt hat der 71-Jährige die größte Solaranlage Deutschlands errichtet - sie erstreckt sich über die Fläche von 190 Fußballfeldern.

Unternehmer Klaus Krinner: Bauer, Erfinder, Solarfachmann Fotos
Julia Kimmerle

Hinter den Maisfeldern glänzt es. "Fast wie ein See", sagt Klaus Krinner. Mit dem Geländewagen nimmt er Kurs auf den Silberstreif, der in der Sonne glitzert. Der Silberstreif ist kein See, sondern ein gigantischer Solarpark. Er liegt im niederbayerischen Straßkirchen, mit einer installierten Leistung von 54 Megawatt ist er die größte Photovoltaikanlage Deutschlands und die zweitgrößte der Welt. Insgesamt erstreckt sich der Solarpark über 135 Hektar - so viel wie 190 Fußballfelder.

Krinner ist Bauer, Erfinder, Unternehmer - und Solarfachmann. Er hat den Solarpark der Superlative auf die Beine gestellt und ist der ungekrönte "Sonnenkönig von Bayern". Auch wenn er das nicht gern hört.

Wenn Krinner erklären soll, warum ein bayerischer Landwirt ins Solargeschäft eingestiegen ist, dann muss er etwas ausholen. In seinem Büro am Firmensitz der Krinner GmbH in Straßkirchen hängt eine große Luftaufnahme des Parks. Vor 40 Jahren baute Krinner in der Gegend Erdbeeren an. Er war ein Landwirt, der den Hof der Eltern führte und schon früh erkannte, dass die Zukunft der bayerischen Landwirtschaft wohl nicht mehr mit Getreide zu tun haben würde. Die Idee mit den Erdbeerfeldern war neu und einträglich. Kilometerlang standen die Autos vor seiner Einfahrt, erzählt er, so begehrt waren seine Früchte. Bis Billig-Erdbeeren aus dem Ausland dieses Geschäft immer unattraktiver machten.

Doch da hatte der heute 71-Jährige schon die nächste Idee: ein Christbaumständer, der funktioniert. "Der alte, des war ein Glump", sagt er. Ein treffender Ausdruck für etwas, das einfach nichts taugt. Nach vier Monaten Nachdenken kam ihm der Einfall zur "Rundum-Ein-Seil-Technik". Krinner ließ sich die Erfindung patentieren. Bis heute wurden über 13 Millionen Stück der Ständer verkauft, die wie große grüne Hundenäpfe aussehen und per Pedal zu bedienen sind (siehe Fotostrecke oben).

Obwohl der Tüftler mittlerweile ein weltweit arbeitendes Unternehmen leitet und mit seinen Erfindungen Millionen umsetzt, sieht er sich als Landwirt. In seinem Firmenwagen liegt immer ein Paar Gummistiefel im Kofferraum. Krinners Motto: Immer nur in einfache Dinge investieren, die "gehen" und die "die Leut brauchen".

Insgesamt hat seine Firma mehr als hundert Patente angemeldet. Seine letzte Erfindung sind Schraubfundamente - überdimensionale Gewindedübel, manche mehrere Meter lang, aus Eisen oder Plastik, mit denen man von der Kinderschaukel bis zur Überlandleitung alles in kürzester Zeit im Boden befestigen kann.

70 Millionen Euro Umsatz mit 50 Mitarbeitern

Hinter der Lagerhalle der Firma liegt ein sportplatzgroßes Testgelände, mit Carports, Gartenzäunen, Werbeschildern, Fahnenstangen, Straßenlaternen und Autobahnschildern. Mit seinen Bodendübeln befestigt.

Bis Krinner mit dieser Idee Erfolg hatte, dauerte es ein paar Jahre. Der Durchbruch kam Anfang des neuen Jahrtausends, als die rot-grüne Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz auf den Weg brachte (siehe Kasten linke Spalte). Denn seither boomt die Solarbranche - und mit den Schraubfundamenten lassen sich Solarpaneele in kurzer Zeit aufbauen.

Mittlerweile ist die Krinner GmbH in über 40 Ländern vertreten. Solaranlagen werden auf Schraubfundamenten aus Straßkirchen befestigt, Holzhäuser in Sibirien und Pilgerpfade samt Tempel in Korea. Die Firma mit gerade mal 50 Mitarbeitern erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 70 Millionen Euro, doppelt so viel wie im Jahr davor.

Die Gewerbesteuer soll an die Heimatgemeinde gehen

Da lag es nahe, dass Krinner eines Tages auch selbst ein Solarprojekt vorantreiben wollte. Mit Klein-Klein allerdings hat sich der Allrounder noch nie zufriedengegeben. So entstand die Idee zum Straßkirchener Mega-Sonnenpark.

Etwa 160 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, finanziert von einem Joint Venture und jetzt im Besitz des Hamburger Emissionshauses Nordcapital. Krinner selbst gehört der Park nicht, aber er hat ihn ermöglicht. Weil die Anlage auf seinem Grund steht. Und weil er Anwohnerprotesten von vorneherein entgegenwirkte: Er konnte den Nachbarn versichern, dass auch sie etwas davon haben - denn bevor der Investor Anteile des "Solarfonds" an Anleger verkaufen konnte, musste er seinen Firmensitz nach Straßkirchen verlegen. Die Gewerbesteuer, das war Krinner wichtig, sollte an seine Heimatgemeinde gehen. Der Landwirt selbst verdient durch die Verpachtung des Landes 200.000 Euro im Jahr.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
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1. Freilandanlagen??
karsten112 04.08.2010
Ich bin wirklich ein Freund von PV Anlagen, plane selbst eine für mein Dach, aber Freilandanlagen sollten verboten werden. Wir haben genung Dachflächen die man nutzen kann, da muß man nicht auch noch wertvolle Acker oder wWiesenflächen mit PV Anlagen zubauen !
2. Respekt
drexl 04.08.2010
Meine Hochachtung, der Erfolg sei ihm herzlich gegönnt.
3. Module aus China?
solargo 04.08.2010
Warum hat Spiegel Online nicht nachgefragt, woher die Module stammen. Fließt das Geld an chinesische Hersteller oder an deutsche? Kürzlich schrieb Spiegel Online: "Die Republik wird derzeit mit glitzernden Solarmodulen geradezu gepflastert - und Unternehmen und Bürger fördern den Boom jährlich mit vielen Milliarden Euro, über Aufschläge auf ihre Stromrechnung (siehe Kasten links). Auch dieses Geld fließt oft ins Ausland, schätzungsweise drei Viertel der verarbeiteten Solarmodule werden dort produziert." www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,707534,00.html Wie war dies bei diesem Solarpark?
4. Firmensitz reicht nicht für Gewerbesteuer
svenglueckspilz 04.08.2010
Der Investor hat den Firmensitz in der Gemeinde des Solarstandortes angemeldet, damit dort die Gewerbesteuer anfallen soll. Das genügt jedoch nicht. Die Gewerbesteuer wird nach Löhnen aufgeteilt. Wenn an dem Firmensitz niemand arbeitet (Briefkastenfirma), wird dort auch keine Gewerbesteuer fällig, sondern in Hamburg, von wo aus der Investor den Solarpark betreut.
5. Christbaumständer
MTBer 04.08.2010
Der Krinner Christbaumständer ist leider auch ein Glump. Der erste hat nicht einmal die erste Adventszeit überstanden. Da habe ich noch gedacht, ich hätte ihn falsch bedient oder vielleicht überlastet. Und der zweite verklemmt sich jetzt so, dass ich jeweils nach Heilige Drei Könige erst den Baum knapp über dem Fuß absägen und den Ständer auseinander schrauben muss, um dann den Weihnachtsbaum entsorgen zu können. Aber leider gibt es nichts anderes für Bäume über 3 Meter Höhe.
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Fotostrecke
Grafiken: Solarenergie in Deutschland

Die größten Photovoltaikanlagen der Welt
Leistung (MWp) Ort Namen
60 MW Spanien, Olmedilla(Castilla-La Mancha) Parque Fotovoltaico Olmedilla de Alarcón
54 MW Deutschland, Straßkirchen Solarpark Straßkirchen
53 MW Deutschland, Turnow-Preilack Solarpark Lieberose
50 MW Spanien, Puertollano(Castila-La Mancha) Parque Fotovoltaico Puertollano
46 MW Portugal, Moura(Alentejo) Moura photovoltaic power plant
45 MW Deutschland, Köthen Solarpark Köthen
42 MW Deutschland, Finsterwalde Solarpark Finsterwalde
40 MW Deutschland, Brandis Solarpark Waldpolenz
34.5 MW Spanien, Trujillo(Cáceres) Planta Solar La Magascona & La Magasquila
Stand: Juli 2010, Quelle: SPIEGEL ONLINE
Eckpunkte der Solarförderung
Die Koalition hat sich auf ein Paket geeinigt, mit dem die Förderung von Solarstrom gekürzt werden soll - die Eckpunkte im Überblick (Stand: 24 April 2010)
Dachanlagen
Etwa 80 Prozent aller Solaranlagen in Deutschland sind auf Dächern installiert. Offiziell soll ihre Förderung zum 1. Juli um 16 Prozent gesenkt werden - faktisch ist die Kürzung durch die höhere Förderung des Eigenverbrauchs allerdings weit niedriger.
Eigenverbrauch
Solarstrom, der selbst verbraucht wird, wird um acht Cent besser vergütet werden als ins Netz gespeister Strom, sobald die Jahres-Stromerzeugung 30 Prozent überschreitet. Betroffen sind fast alle Anlagen: Die Regelung gilt bis 500 Kilowatt. Eine durchschnittliche Dachanlage hat eine Leistung von fünf Kilowatt, das Fußballstadion Letzigrund in Zürich kommt auf 223 Kilowatt. Die Eigenverbrauchsförderung ist zunächst bis Ende 2011 befristet.
Ackerflächen
Die Förderung entfällt ab Juli 2010, um eine Konkurrenz zum Lebensmittelanbau zu verhindern.
Freiflächen
Die Kürzung für Solarparks soll 15 Prozent ab dem 1. Juli betragen. Auf Konversionsflächen wie Mülldeponien, alten Industrie- oder Gewerbeflächen oder Militärgeländen beträgt die Kürzung nur elf Prozent, da Investoren wegen der Beseitigung von Altlasten höhere Aufwendungen haben.
Deckelung ab 2011
Ab Anfang 2011 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen - bei diesem würde die Förderung um weitere neun Prozent gekürzt. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um ein weiteres Prozent. Sprich: Ab 4500 Megwatt Ausbau beträgt sie zehn Prozent, ab 5500 Megawatt Ausbau elf Prozent, etc. Bleibt der Zubau unter der Zielmarke von 3500 Megawatt, wird die Förderkürzung abgemildert. Sie kann damit 2011 zwischen sechs und 13 Prozent schwanken.
Deckelung ab 2012
Auch für 2012 wird von einem Zubau von 3500 Megawatt ausgegangen. Bei Zielüberschreitung verschärft sich die Förderkürzung alle 1000 Megawatt um drei Prozent. ssu

Was Solarstrom kostet
Welche Kosten anfallen
Im Jahr 2009 gingen in Deutschland Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt ans Netz. Dies entspricht 3.000.000 Kilowatt. Pro Kilowatt liegt der durchschnittliche Stromertrag - konservativ gerechnet - bei 900 Kilowattstunden im Jahr. Die Vergütung laut Erneuerbare-Energien-Gesetz ist für 20 Jahre garantiert. Sie beträgt - je nach Anlagengröße - 32 bis 43 Cent pro Kilowattstunde. Im Durchschnitt sind es rund 36 Cent.
Solarstrom 27 Cent teurer
Um die tatsächlichen Mehrkosten des Solarstroms zu ermitteln, muss man von diesem Wert den Börsenpreis für konventionellen Strom abziehen. 2009 schwankte dieser um fünf Cent pro Kilowattstunde, in den kommenden 20 Jahren dürfte er um jährlich fünf Prozent steigen. Damit ergäbe sich ein durchschnittlicher Börsenpreis von neun Cent je Kilowattstunde. Die Differenzkosten pro Kilowattstunde belaufen sich damit auf 36 Cent minus neun Cent, also auf 0,27 Euro.
10,4 Milliarden Euro Vergütungskosten
Damit lässt sich folgende Rechnung aufstellen: 3.000.000 kW * 900 kWh/kW pro Jahr * 20 Jahre * 0,27 Euro/kWh = 14,58 Milliarden Euro. Mit anderen Worten: Die Verbraucher müssen in den kommenden 20 Jahren mehr als 14 Milliarden Euro zahlen - wohlgemerkt: nur für die Anlagen, die 2009 ans Netz gingen. In heutigen Preisen entspricht dies einer Summe von 10,4 Milliarden Euro (bei einer großzügigen Abzinsung von jährlich vier Prozent).
Explodierender Zubau
Die entscheidende Größe ist dabei der Zubau neuer Solaranlagen im Jahr 2009, also 3000 Megawatt. Setzt man statt dieser tatsächlich erreichten Menge den Wert ein, den der Bundesverband Solarwirtschaft in seinen bisherigen Planungen angegeben hat - nämlich 682 Megawatt -, so ergeben sich abgezinste Gesamtkosten von lediglich 2,4 Milliarden Euro. Das heißt: Im Vergleich zur ursprünglichen Prognose müssen die Verbraucher gut viermal mehr zahlen.
Was sind Solarschulden?
Der Preis
AP
Wer eine Solaranlage betreibt, darf seinen Strom unabhängig vom tatsächlichen Bedarf jederzeit ins Netz einspeisen. Die Vergütung wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. Seit 1. Januar 2010 erhält man für Dachanlagen 29,37 bis 39,14 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, wie groß die Anlage ist.

Seit 1. Juli 2010 erhält man für Dachanlagen 25,55 bis 34,05 Cent pro Kilowattstunde, je nachdem, wie groß die Anlage ist. Ab 1. Oktober werden die Vergütungen auf 24,79 bis 33,03 Cent reduziert.

Zum Vergleich: Der Preis für konventionellen Strom schwankt an der Energiebörse zwischen fünf und acht Cent. Die Differenz, also die Mehrkosten, tragen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Die Laufzeit
Die Solarvergütung ist für 20 Jahre garantiert. Das heißt: Wer eine Anlage jetzt baut, dem ist ein bestimmter Fördersatz für die kommenden 20 Jahre sicher. Diese langfristigen Kosten werden als "Solarschulden" bezeichnet.
Die Kosten
Die Höhe der Solarschulden hängt von zwei Faktoren ab: vom Preis für konventionellen Strom und von der Gesamtzahl der installierten Solaranlagen.

Laut VZBV werden die Gesamtkosten, die in den nächsten 20 Jahren getilgt werden müssen, sich wahrscheinlich ab Ende 2010 auf mehr als 100 Milliarden Euro belaufen.
Der Schuldenberg
Bei den errechneten Solarschulden geht es nur um die bereits installierten Module. Jedes Jahr gehen jedoch weitere Solaranlagen ans Netz. Der Solarschuldenberg wächst also jedes Jahr weiter.


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