Unterschlagung Ex-IWF-Chef Rato muss Haftstrafe antreten

Mit "schwarzen Firmenkarten" sollen Topmanager, Gewerkschafter und Politiker Geld der spanischen Bank Bankia veruntreut haben. Dafür muss ihr ehemaliger Direktor, Ex-IWF-Chef Rodrigo Rato, nun in Haft.

Rodrigo Rato (Archiv)
DPA

Rodrigo Rato (Archiv)


Der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Rodrigo Rato, muss seine Gefängnisstrafe antreten. Er war wegen Unterschlagung zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Der Nationale Staatsgerichtshof in Madrid wies einen Antrag Ratos zurück, den Haftantritt bis zu einer Entscheidung des Verfassungsgerichts zu verschieben. Der Verurteilte müsse die Haft bis zum Donnerstag antreten, teilte das Gericht mit.

Rato war im Februar 2017 vom Staatsgerichtshof in der sogenannten "Selbstbedienungsaffäre" um die Großbank Bankia neben 63 weiteren Beschuldigten verurteilt worden. Das Urteil wurde erst Anfang des Monats vom Obersten Gericht bestätigt.

Der Ex-Wirtschaftsminister Spaniens, zwischen 2004 und 2007 IWF-Direktor, hatte zwischen 2010 und 2012 die Sparkasse Caja Madrid und anschließend die aus der Fusion der Caja mit mehreren Geldhäusern hervorgegangene Bankia geleitet.

Kleidung, Schmuck und Reisen mit "schwarzen Firmenkarten" bezahlt

Die spanische Justiz sieht es als erwiesen an, dass Rato und Dutzende Führungskräfte private Ausgaben mit Kreditkarten der finanziell angeschlagenen Banken beglichen haben. Bankia musste 2012 mit Staatsgeld von mehr als 20 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt werden.

Als Chef der Geldhäuser soll Rato das Korruptionsnetzwerk zusammen mit seinem ebenfalls verurteilten Vorgänger Miguel Blesa aufgebaut haben. Top-Manager, aber auch Gewerkschafter und Politiker, die im Aufsichtsrat saßen, sollen jahrelang mit "schwarzen Firmenkarten" unter anderem Kleidung, Restaurantbesuche, Schmuckstücke und Reisen bezahlt haben.

Das Geld soll zudem nicht als Einkommen deklariert und auch nicht versteuert worden sein. Dadurch sollen rund zwölf Millionen Euro an den Finanzbehörden vorbeigeschleust worden sein.

Gegen Rato wird auch wegen Geldwäsche und Steuerbetrugs ermittelt. Er muss sich außerdem gegen den Vorwurf des Betrugs und der Bilanzfälschung beim Börsengang von Bankia im Jahr 2011 wehren.

brt/dpa



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