Untersuchungen Chef der Vatikanbank unter Geldwäsche-Verdacht

Sie heißt offiziell "Institut für die religiösen Werke" - doch jetzt gerät die Vatikanbank in den Fokus der Justiz. Laut Agenturberichten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Chef der päpstlichen Hausbank. Der Verdacht: Geldwäsche.

Bank-Chef Tedeschi: Im Visier der Ermittler
AFP

Bank-Chef Tedeschi: Im Visier der Ermittler


Rom - Gegen den Chef der Vatikanbank IOR wird wegen Geldwäsche ermittelt. Entsprechende Untersuchungen seien von der Staatsanwaltschaft in Rom gegen Ettore Gotti Tedeschi und einen weiteren Topmanager des Instituts eingeleitet worden. Das berichteten die Nachrichtenagenturen Reuters und AP unter Berufung auf Justizkreise und die italienische Agentur Ansa. Das Büro Tedeschis wollte sich zunächst nicht dazu äußern. In einer ersten Reaktion zeigte sich der Vatikan "überrascht".

Ins Blickfeld der Ermittler gerieten zwei Kontobewegungen, die vom Kontrollorgan der italienischen Nationalbank bereits am 15. September blockiert wurden. Die IOR hatte die Bank Credito Artigiana angewiesen, zwei Überweisungen von insgesamt 23 Millionen Euro an die Banca del Fucino und an die JP Morgan Frankfurt zu tätigen.

Die Vatikanbank, offiziell "Institut für die religiösen Werke" genannt, war zuletzt 1982 in einen größeren Skandal verwickelt. Damals war das Geldhaus in den betrügerischen Bankrott der Banco Ambrosiano, der größten Privatbank Italiens, involviert. Ihr Chef Roberto Calvi, wegen seiner engen Verbindungen zum Vatikan als "Gottes Banker" bekannt, wurde später erhängt unter der Blackfriars' Bridge in London gefunden.

Erst vor einem Jahr trat Ettore Gotti Tedeschi das Amt als Chef an - er sollte die Vatikanbank transparenter machen. Mit dem Enthüllungsbuch "Vatikan AG" über die schmutzigen Geldgeschäfte der Vatikanbank hatte im vergangenen Jahr der italienische Autor Gianluigi Nuzzi für Aufsehen gesorgt.

Nuzzi sagte in einem Interview mit der "Welt", die unzensierten Dokumente, die er von einem Informanten bekommen habe, würden belegen, dass Politiker wie Giulio Andreotti und Mitglieder der Mafia über Jahrzehnte Gelder mit Hilfe der Vatikanbank wuschen.

Die Vatikanbank IOR wurde 1942 gegründet und ist die Hausbank des Heiligen Stuhls, der Vatikanstadt sowie zahlreicher Diözesen, Orden und Wohlfahrtsverbände. Das Institut betreibt die klassischen Bankgeschäfte, hat Anteile an verschiedenen anderen Kreditinstituten und ist seit den siebziger Jahren auch im internationalen Investmentgeschäft tätig.

Die IOR-Aktivitäten und deren Bilanz unterliegen absoluter Geheimhaltung. Schätzungen zufolge beträgt das Aktivvermögen etwa fünf Milliarden Euro.

anr/Reuters/AP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 76 Beiträge
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Seite 1
Klo, 21.09.2010
1. ...
Zitat von sysopOffiziell heißt sie "Institut für die religiösen Werke" - jetzt gerät die Vatikanbank offenbar in den Fokus der Justiz. Einem Agenturbericht zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Chef der Hausbank des Papstes wegen Geldwäsche. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,718679,00.html
Die Vatikanbank war schon immer die übelste Last des Katholizismus. Kein Jesus kann reparieren, was die Mammonsjäger kaputt machen - nicht mit der größten Nächstenliebe. Das ist nicht peinlich, das muss für jeden Gläubigen so ziemlich das widerwärtigste überhaupt sein. Aber nur dann, wenn die Bibel in dieser Religion noch eine Rolle spielt.
andrea heil 21.09.2010
2. na na
Zitat von KloDie Vatikanbank war schon immer die übelste Last des Katholizismus. Kein Jesus kann reparieren, was die Mammonsjäger kaputt machen - nicht mit der größten Nächstenliebe. Das ist nicht peinlich, das muss für jeden Gläubigen so ziemlich das widerwärtigste überhaupt sein. Aber nur dann, wenn die Bibel in dieser Religion noch eine Rolle spielt.
Keine Sorge mein Freund. Wer über's Wasser trampelt und Wasser zu Wein macht, der kann auch die Freunde des Mammon aus dem Tempel jagen. Oder so.
flower power 21.09.2010
3. Wasser predigen - Wein saufen
Zitat von sysopOffiziell heißt sie "Institut für die religiösen Werke" - jetzt gerät die Vatikanbank offenbar in den Fokus der Justiz. Einem Agenturbericht zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Chef der Hausbank des Papstes wegen Geldwäsche. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,718679,00.html
.....im Kloster leben bis dass die Bauchschwarte platz, Kinder missbrauchen, Geldgeschäfte und bei jedem Krieg als Trostpflaster dabei. Oh Herr schick Ihnen Hirn.
G2c 21.09.2010
4. Bitte hilf
Zitat von sysopOffiziell heißt sie "Institut für die religiösen Werke" - jetzt gerät die Vatikanbank offenbar in den Fokus der Justiz. Einem Agenturbericht zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Chef der Hausbank des Papstes wegen Geldwäsche. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,718679,00.html
Gibt es ein Verbrechen gegen die Menschen und die Menschenrechte, an der die RKK nicht federführend oder zumindest billigend mit klammheimlicher Freude teilgenommen hat ? Bitte lieber Gott, gib mir ein Zeichen - nur ein einziges, klitzekleines bitte ...
genugistgenug 21.09.2010
5. Friars Bridge ?
Zitat von sysopOffiziell heißt sie "Institut für die religiösen Werke" - jetzt gerät die Vatikanbank offenbar in den Fokus der Justiz. Einem Agenturbericht zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Chef der Hausbank des Papstes wegen Geldwäsche. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,718679,00.html
jetzt ist auch dieser Teppich zu klein geworden. Wie lange ist es her daß jemand in Londoin unter die Brücke gehängt wurde oder sich aufgehängt hat? So lange war Schweigen darüber nicht einmal in der Diskussion um die Pädophelie ist dieses Thema aufgekommen und nun plötzlich das. Interessant. Geldwäsche gibt es aber nicht, das Geld geht weiter und zwischendurch wird gebeichtet. Reihenfolge beachten: den Tempel hat er mit 12 Jahren gesäubert, später wurde er ausgebildet und da waren solche vorpupertären Aktionen kein Thema mehr. Und wenn man sieht welches Unternehmen sich daraus entwickelt hat, alle Achtung - alles auf Basis einer Idee.
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