Untersuchungen wegen Rating-Tricks US-Ermittler knöpfen sich Großbanken vor

Wieso haben Rating-Agenturen Ramschhypotheken jahrelang exzellent bewertet? Dieser zentralen Frage der Finanzkrise geht die US-Justiz jetzt nach: Sie prüft laut "New York Times", ob die Banken getrickst haben. Auch die Deutsche Bank soll sich erklären - und gerät zugleich in einem anderem Verfahren unter Druck.

Wall Street: Wer verantwortet die Krise?
AFP

Wall Street: Wer verantwortet die Krise?


New York - Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat der "New York Times" zufolge Untersuchungen gegen mehrere Geldinstitute eingeleitet - darunter auch die Deutsche Bank. Unter Berufung auf zwei Insider schreibt die Zeitung, die Institute stünden im Verdacht, Rating-Agenturen durch falsche Informationen zu einer Besserbewertung ihrer Hypotheken-Absicherungen bewegt zu haben. Durch diese positiveren Bewertungen seien dann Anleger zum Kauf der Papiere veranlasst worden.

Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo hat demnach außer der Deutschen Bank Chart zeigennoch sieben Institute im Visier: Goldman Sachs Chart zeigen, Morgan Stanley Chart zeigen, UBS Chart zeigen, Citigroup Chart zeigen, Credit Suisse Chart zeigen, Credit Agricole Chart zeigenund Merrill Lynch Chart zeigen, das jetzt der Bank of America Chart zeigengehört. Bei den Rating-Agenturen handele es sich um die drei Großen der Branche, Standard & Poor's, Fitch und Moody's.

Sie stehen seit Ausbruch der Finanzkrise im Fokus der Kritik, weil sie faule Hypothekenpapiere (CDOs, siehe Kasten links) zu gut bewertet hatten und Anleger durch die unzuverlässigen Informationen große Verluste erlitten haben. Durch Cuomos Untersuchungen verschiebt sich nun der Blick auf die Informationen, mit denen die Rating-Agenturen einst von den Banken versorgt wurden. Außerdem werden mehrere Fälle beleuchtet, in denen Banken den Agenturen Mitarbeiter abwarben und sie dann auf die umstrittenen Hypothekenpakete ansetzen. Die "New York Times" hatte schon Ende April berichtet, dass Banken sich Berechnungsformeln der Rating-Agenturen besorgt hatten, um so deren Bewertungsmechanismus zu beeinflussen und auszuhebeln.

Die Deutsche Bank Chart zeigenkommt wegen der Enthüllungen an der Börse unter Druck. Die Aktie schloss am Donnerstag um 1,5 Prozent im Minus.

Das Geldinstitut lehnte zunächst wie Morgan Stanley und Credit Suisse jeden Kommentar zu den Untersuchungen ab, die anderen Institute reagierten gar nicht erst auf Anfragen. Erst am Abend sagte ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt, man sei überzeugt, sich stets korrekt verhalten zu haben, und werde mit den Behörden zusammenarbeiten, um seine Position zu untermauern.

US-Berichte: Auch SEC hat Deutsche Bank im Visier

Diese Reaktion bezog sich auch auf Berichte des "Wall Street Journal" und des US-Wirtschaftssenders Fox Business, denen zufolge die Bank inzwischen außerdem ins Visier der US-Börsenaufsicht SEC geraten ist. Sie und die Citigroup sind demnach Gegenstand von Untersuchungen, von denen bisher öffentlich nur bekannt war, dass sie sich gegen Goldman Sachs und zuletzt auch Morgan Stanley richten. In dem Verfahren geht es darum, ob Banken Anleger beim Verkauf von CDOs in die Irre geführt haben.

Deutsche Bank und Citigroup seien von der SEC zu detaillierten Informationen über die Vorgänge aufgefordert worden, meldet Fox Business. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen Das "Wall Street" Journal schreibt, SEC und Staatsanwalt Cuomo arbeiteten in diesem Fall eng zusammen. Es seien aber nur Vorermittlungen, zurzeit würden Beweise gesammelt. Die Banken haben den Berichten zufolge noch keine "Wells Notice" erhalten - mit einem solchen Schreiben informiert die SEC Unternehmen darüber, dass sie einen Verdacht auf Rechtsverstöße hegt und deshalb ermittelt.

Auch SEC und Citigroup äußerten sich nicht offiziell zu dem Verfahren.

Goldman Sachs steht derzeit im Fokus des SEC-Verfahrens. Die Börsenaufsicht hat die weltgrößte Investmentbank wegen Betrugverdachts angeklagt, weil sie Anleger falsch über verbriefte Hypothekenkredite informiert haben soll - während sie selbst zugleich auf einen Kursverfall der Papiere wettete.

plö/dpa/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
Family Man 13.05.2010
1. !
Die Banken und Ratingagenturen arbeiten doch Hand in Hand, haben sie doch dieselben Eigentümer.
Baikal 13.05.2010
2. Warum wohl
Zitat von sysopWieso haben Rating-Agenturen Ramschhypotheken jahrelang so exzellent bewertet? Dieser elementaren Frage der Finanzkrise geht die US-Justiz jetzt nach - und prüft laut "New York Times", ob die Banken die Agenturen ausgetrickst haben. Auch die Deutsche Bank soll sich der Zeitung zufolge erklären. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694650,00.html
Weil sie Profit machen wollten, ganz gleich wie und wenn es auch Betrug ist. Ganz einfach.
jayred 13.05.2010
3. gut, dass...
...man den ursachen der krise nun auf den grund gehen will. mich würde nur interessieren, ob und welche schlüsse die politik bzw. die justiz daraus zieht. dass kriminelle energie dahinter stand, steht für mich außer zweifel: entweder die banken haben betrogen, oder die ratingagenturen habe mitgespielt.
Matthias Limburg 13.05.2010
4. Meiner Meinung nach ist es einfach Angst vor der Wahrheit gewesen
Zitat von sysopWieso haben Rating-Agenturen Ramschhypotheken jahrelang so exzellent bewertet? Dieser elementaren Frage der Finanzkrise geht die US-Justiz jetzt nach - und prüft laut "New York Times", ob die Banken die Agenturen ausgetrickst haben. Auch die Deutsche Bank soll sich der Zeitung zufolge erklären. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,694650,00.html
Nun, ich denk doch mal, dass die Ramschhypotheken erst zu Ramschhypotheken geworden sind, als es mit dem Arbeitsmarkt bergab ging. Damit hätten die Ratingagenturen und Banken wissen können (bzw. wissen müssen), dass sich die Hypotheken zu Ramschhypotheken entwickeln. Dagegen kann nur sprechen, dass man an einen „neuen Markt“ auf Grundlage neuer Technologien geglaubt hat, aber das ist unwahrscheinlich. Damit ist es Angst von Seiten der Banken und von Seiten der Ratingagenturen vor der Wahrheit gewesen. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Man muss dem Volk nur noch erklären, dass man zukünftig nur noch einen geringen Teil der Bevölkerung zur Versorgung des anderen Teils benötigt, und dass es ab Hartz 4 keine Chance mehr gibt. Ein ganzes Leben lang zu Armut verdonnert. Das wird für einen Großteil der europäischen und amerikanischen Bevölkerung Perspektive und Lebensweg sein.
brunnersohn 13.05.2010
5. Knebelt die Banker und Ratingbosse jetzt!!
wenn nicht heute wann dann? Die Politiker hätten die einmalige Chance sich beim Volk zurecht beliebt zu machen, indem die diesen Spekulationen endlich ein Ende macht. Westerwelle soll schweigen. und der Papst soll die Geldgierigen aus der Kirche werfen.. ich habe es satt, den Ackermännern in den Medien zu begegnen. Es soll keiner sagen, das ist Populismus- solche Totschlagargumente kann ich nimmer hören. Wenn das nicht alles hilft, wird es blutig auf den Strassen. Bei der Französischen Revolution wurden die Adligen/Monarchie bekämpft, heute wären die gierigen Banken und Spekulanten dran. ich hoffe nur dass die Politik es schafft..
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