Untersuchungsbericht zur Ölpest BP und Halliburton ignorierten Risiken

Millionen Barrel Öl flossen in den Golf von Mexiko, als die Bohrinsel "Deepwater Horizon" explodierte. Eine Untersuchungskommission kommt jetzt zu dem Schluss, dass Plattformbetreiber BP und Dienstleister Halliburton schon vor der Katastrophe viele Risiken kannten - aber keine Konsequenzen zogen.

Austretendes Öl und Gas an der "Deepwater Horizon": Zweifelhafte Tests
REUTERS

Austretendes Öl und Gas an der "Deepwater Horizon": Zweifelhafte Tests


Washington - Schon vor der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" haben Tests auf Probleme hingewiesen. Konkret ging es zum Beispiel um Zement, der zum Abdichten der Ölquelle im Golf von Mexiko verwendet wurde. Aber weder BP, der Betreiber der Plattform, noch der Zement-Lieferant Halliburton zogen Konsequenzen. Das hat jetzt eine von Präsident Barack Obama eingesetzte Kommission festgestellt, die untersucht, wie es zu der Katastrophe kommen konnte.

Es ist das erste Ergebnis, das die Kommission zu der Katastrophe am 20. April veröffentlicht. Den kompletten Untersuchungsbericht will sie im Dezember vorlegen. Bei dem Unglück starben elf Personen. Zudem liefen nach der Explosion fast fünf Millionen Barrel Öl ins Wasser - es war die schwerste Ölpest in der Geschichte der USA. Der undichte Zementmix, durch den Öl und Gas einsickern konnten, gilt als eine der Ursachen für das Unglück.

Wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben des Kommissionsvorsitzenden Fred Bartlit hervorgeht, zeigten gleich drei von Halliburton durchgeführte Tests, einer davon nur sieben Tage vor der Explosion, dass der Zement nicht stabil war. Der Kommission zufolge ließ nur der letzte der vier Tests im Februar und April den Schluss zu, dass der Zement halten würde.

Von der Kommission in Auftrag gegebene Tests mit einer nahezu identischen Zementmischung zeigten zudem, dass der Zement instabil war. Dies weckt der Untersuchung zufolge Zweifel an der Aussagekraft der Tests von Halliburton.

Die Mischung war am 19. und 20. April in das Bohrloch gepumpt worden. Nach der Explosion entstand ein Leck an der Leitung, das erst am 15. Juli zunächst provisorisch verschlossen werden konnte. Im September gelang es BP dann schließich, die Quelle dauerhaft zu verschließen.

Eine Halliburton-Sprecherin sagte, das Unternehmen prüfe die Ergebnisse und werde sich später dazu äußern. Die Ergebnisse der Kommission stehen im Widerspruch zu Aussagen des Konzerns. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, die Tests hätten ergeben, dass der Zementmix stabil sei. Nachdem die Ergebnisse der Kommission bekannt wurden, fiel der Kurs der Halliburton-Aktie um acht Prozent.

ulz/dpa/AP

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Alba-Scotland 29.10.2010
1. BP doch nicht alleine im Boot?!
Nun stellt sich also doch, wie eigentlich vermutet, heraus das BP nicht allein verantwortlich war. Mit Halliburton hat man jetzt einen der drei, neben Transocean ( scheinsitz in der Schweiz)und Cameron amerikanischen Dienstleister eine grosse Mitschuld an der Katastrophe nachweisen koennen. Hoffentlich ist BP diesmal schlauer und verklagt den Partner auf Schadenersatz denn immer noch glauben viele, die mit mir Offshore arbeiten, das BP damals viel zu voreilig gehandelt hatte als sie gleich zu Anfang sich bereit erklaerten fuer den entstandenen Schaden gerade zu stehen. Es hatte schon immer etwas den Beigeschmack als ob die amerik. Regierung ein Example gg. BP fahren wuerde denn andere Beteiligte wurden in der oeffentlichkeit erst gar nicht an die Wand gestellt obwohl einwandfrei festsyeht das auch der BOP von Cameron fehlerhaft war und dies nicht zu lasten von BP geht. Mittlerweile hat man den "Kraken" BP im Golf ja ziemlich klein geschrumpft und erste Oelfelder wurden verkauft.
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