Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ursachensuche an US-Börse: Wie es zum Kurs-Chaos kommen konnte

Von

War es die Angst vor einem Flächenbrand in Europa, menschliches Versagen oder eine Computerpanne? Nach dem dramatischen Kurssturz an der Wall Street suchen Börsianer nach der Ursache. SPIEGEL ONLINE zeigt die wahrscheinlichsten Szenarien - und analysiert, welche Folgen das Chaos hat.

Wall-Street-Händler: Die Kontrolle verloren? Zur Großansicht
dpa

Wall-Street-Händler: Die Kontrolle verloren?

Hamburg - Einen Tag nach dem Börsen-Crash in den USA steht die Wall Street unter Schock. Einen solch dramatischen Kursverfall haben die Händler noch nicht erlebt: "Es hat sich angefühlt, als wenn wir die Kontrolle verloren hätten", sagt Jack Albin von der Harris Private Bank in Chicago. Ein anderer Börsianer sagt, er habe das Gefühl, den Handel hätten "einfach die Maschinen übernommen". Was bloß ist passiert?

Die New York Stock Exchange am Donnerstag um 14.40 Uhr Ortszeit: Der wichtigste Index der US-Börse, der Dow Jones Chart zeigen, dümpelt um die Marke von 10.800 Punkten herum. Doch dann die dramatische Wende: In weniger als einer halben Stunde stürzt der Index um fast tausend Punkte ab. Er durchbricht dabei die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Zählern. In Punkten gemessen ist dies der stärkste Kursrutsch in der Geschichte der Wall Street.

Später fängt sich der Index zwar wieder, aber Börsianer weltweit sind alarmiert. Und so fallen einen halben Tag später auf der anderen Seite der Erdkugel ebenfalls die Kurse: Der deutsche Aktienindex Dax Chart zeigen sackt am Freitagmittag auf den tiefsten Stand seit Anfang März ab, und auch an den Börsenplätzen in London und Paris geht es abwärts. Ebenso in New York, wo der Dow am Nachmittag europäischer Zeit erneut mit Abschlägen startet. An den internationalen Handelsplätzen geht die Angst um, dass sich der Crash wiederholen könnte - denn niemand weiß bisher, was den Absturz auslöste.

War es die Furcht vor einem europäischen Flächenbrand durch die Griechenland-Krise, die die Händler zu Panikverkäufen verleitete? Oder ein dummer Tippfehler eines ungeschickten Börsianers?

SPIEGEL ONLINE geht den Fragen nach und analysiert, wie es zu dem Crash kommen konnte. Welche Lehren müssen aus dem Kurssturz gezogen werden? Und wie groß ist die Gefahr, dass das amerikanische Börsen-Desaster auch in Europa eintritt?

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 160 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Cui bono?
rhalpha 07.05.2010
Zitat von sysopDer radikale Kurssturz um rund 1000 Punkte am Donnerstagabend hat die Weltbörsen erschüttert: Immer noch rätseln Anleger über die Gründe des Kurzzeit-Crashs an der Wall Street. Dass ein einzelner Händler das Fiasko durch einen Tippfehler auslöste, wird zusehends bezweifelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,693582,00.html
Ich hoffe, die SEC untersucht, wer daran verdient hat. Irgendjemand hat da gedreht. Würde mich nicht wundern, wenn das Ergebnis eine neues Bankenbeben auslöst. Ich höffe, dass dann diese mafiösen Strukturen endlich zerschlagen werden und die Zocker hinter Gittern landen.
2. oooo
inci 07.05.2010
Zitat von sysopDer radikale Kurssturz um rund 1000 Punkte am Donnerstagabend hat die Weltbörsen erschüttert: Immer noch rätseln Anleger über die Gründe des Kurzzeit-Crashs an der Wall Street. Dass ein einzelner Händler das Fiasko durch einen Tippfehler auslöste, wird zusehends bezweifelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,693582,00.html
wer weiß, vielleicht gab es ja gar keine finanzkrise, und die lehman pleite wurde verursacht durch einen tippfehler....
3. Automatisiertes Traden?
maximillian64 07.05.2010
Ich denke das hier die Computer mit den ganzen automatisierten Tradingvorschlägen ggf. einen Streich gespielt haben. So schnell wie die Kurse runtergegangen sind haben die anderen automatischen Tradingsystem ja auch wider zurückgekauft.
4. aw
kdshp 07.05.2010
Zitat von sysopDer radikale Kurssturz um rund 1000 Punkte am Donnerstagabend hat die Weltbörsen erschüttert: Immer noch rätseln Anleger über die Gründe des Kurzzeit-Crashs an der Wall Street. Dass ein einzelner Händler das Fiasko durch einen Tippfehler auslöste, wird zusehends bezweifelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,693582,00.html
Hallo, wie man weiß nicht mal was da pssiert ist? Am besten den laden dicht machen wer weiß was sonst noch alles passiert.
5. ...
seine_unermesslichkeit 07.05.2010
Ich schätze mal, da hat sich gigantisch schnell was hochgeschauklt. Bei den automatisierten Verkäufen gibt es mit Sicherheit irgendwann eine chaotische Eigendynamik mit unbeherrschbaren und unvorhersehbaren Selbstverstärkungseffekten. Wir können froh sein, dass Rechengeschwindigkeit und Übertragungsgeschwindigkeit physikalisch begrenzt sind. Sonst wären solche Einbrüche an der Tagesordnung. Mich erinnert das Ganze an eine Monsterwelle, die aus dem Nichts auftaucht und auch wieder in's Nichts verschwindet. Letztlich ist die Börse ein gigantischer Mumpitz. Die Banker drehen alle an diesem vermeintlichem Perpetuum-mobile und merken gar nicht, wie bescheuert und schädlich sie alle sind. Nein! Ich bin kein Linker!!!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Fotostrecke: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise

Das griechische Sparprogramm
Wie viel Griechenland sparen möchte
Bis 2013 möchte die Regierung in Athen insgesamt 30 Milliarden Euro einsparen. Alleine in diesem und im kommenden Jahr will das Land insgesamt 7,6 Milliarden Euro weniger ausgeben. Das Sparpaket ist Bedingung für die Bereitstellung der Hilfskredite der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro.

Das Haushaltsdefizit soll schrittweise von derzeit rund 15,4 Prozent auf 2,6 Prozent des BIP im Jahr 2014 gedrosselt werden - und damit unter die EU-Schuldengrenze. Wegen der erforderlichen Neuaufnahme von Krediten wird der griechische Schuldenberg aber voraussichtlich bis zunächst 2013 auf rund 190 Prozent des BIP ansteigen.

Folgen für den Staat und seine Bediensteten
Die öffentlichen Investitionen werden um 1,5 Milliarden Euro zurückgefahren. Die Verkleinerung des Staatsapparats soll eine weitere Milliarde Euro einsparen. Das 13. und 14. Monatsgehalt für Staatsbedienstete ist gestrichen worden, wobei niedrige Gehaltsgruppen einen Ausgleich in Höhe von jährlich 1000 Euro erhalten.

Zudem soll im öffentlichen Dienst nur jede fünfte Stelle, die frei wird, neu besetzt werden. Spätestens im Herbst 2011 sind darüber hinaus weitere Stellenstreichungen geplant.

Folgen für Rentner
Die höchsten Pensionen sind gekürzt worden, zudem erhalten Pensionäre weniger Urlaubs-, Weihnachts- und Ostergeld. Das Renteneintrittsalter ist erhöht worden: 40 Jahre lang müssen Arbeitnehmer künftig Beiträge einzahlen, um die volle Rente zu erhalten.
Steuererhöhungen
Griechenland hat die Mehrwertsteuer von 19 auf 23 Prozent erhöht. Auch die Steuern auf Alkohol, Tabak und Benzin sind gestiegen. Die Regierung erhebt zudem eine Ökosteuer, auch Glücksspiele und Unternehmensgewinne werden besteuert. Für illegale Bauvorhaben ist eine Strafsteuer fällig. Insgesamt sollen die Erhöhungen in den kommenden zwei Jahren 7,8 Milliarden Euro in die Kassen spülen.
Folgen für die griechische Wirtschaft
Durch die radikalen Einsparungen rechnet das griechische Finanzministerium zunächst mit einem Verlust der Kaufkraft und damit mit einem Rückschlag für die Wirtschaft. Prognosen sagen in diesem Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um vier Prozent voraus, 2011 soll das BIP demnach um weitere 3,0 Prozent schrumpfen. Erst für 2012 rechnen die Experten wieder mit einem leichten Wachstum.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: