Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Urteil zu Pay-TV: Fußballschauen wird billiger

Dieses Urteil wird Fußballfans gefallen: Laut Europäischem Gerichtshof darf man sich Spiele auch auf ausländischen Pay-TV-Programmen ansehen. Für die Zuschauer wird Fernsehen nun wohl günstiger - den Vereinen hingegen drohen finanzielle Einbußen.

Fußballstadion: Das Urteil lässt den Aktienkurs von Sky fallen Zur Großansicht
REUTERS

Fußballstadion: Das Urteil lässt den Aktienkurs von Sky fallen

Luxemburg - Für den Profifußball ist es eine kleine Revolution: Die Exklusiv-Vermarktung von Fernsehrechten muss womöglich völlig neu geregelt werden. Grund ist ein Urteil, das der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Dienstag veröffentlicht hat. Demnach dürfen zum Empfang von Übertragungen im Pay-TV ausländische Decoderkarten nicht mehr wie bisher verboten werden. Laut Gericht verstoßen Exklusivrechte gegen EU-Recht, da sie den europäischen Binnenmarkt in nationale Märkte aufteilen.

Für Fußballfans in ganz Europa bedeutet das Urteil, dass sie künftig die Wahl haben, ob sie zum Beispiel Fußballspiele der englischen Liga von einem deutschen, britischen oder griechischen Fernsehanbieter empfangen. Sie können sich den für sie günstigsten aussuchen. Das gilt natürlich auch für die Übertragungen der deutschen Bundesliga.

Hintergrund des Falls ist ein Streit der englischen Profiliga Premier League mit der Pub-Besitzerin Karen Murphy, die in ihrem Pub im südenglischen Southsea im Jahr 2007 Live-Übertragungen von Erstliga-Spielen gezeigt hatte. Dazu nutzte die Wirtin jedoch keine Gaststättenlizenz des britischen Pay-TV-Senders BSkyB, sondern importierte einen Satellitendecoder des Anbieters Nova, der seinerzeit die Übertragungsrechte für Premier-League-Spiele in Griechenland besaß. Dadurch sparte Murphy rund 6000 Euro pro Jahr.

Der Rechtsstreit dauerte mehrere Jahre. Gegen das Urteil aus Luxemburg ist keine Berufung möglich.

Die Einnahmen der Fernsehsender dürften sinken

Für die Pay-TV-Sender und die Fußballvereine ist das Urteil ein schwerer Schlag. Die Sender müssen künftig den Wettbewerb ausländischer Anbieter fürchten. Das dürfte mittelfristig die Preise für den Empfang des Bezahlfernsehens nach unten drücken. Unmittelbar nach Verkündung des Urteils gaben am Dienstag die Aktien des deutschen Pay-TV-Anbieters Sky Deutschland Chart zeigen deutlich nach. Sie verloren zeitweise mehr als fünf Prozent.

Wenn die Einnahmen der Fernsehsender sinken, werden wohl auch die Preise für die Übertragungsrechte zurückgehen, die die Fußballligen und Vereine von den Sendern bezahlt bekommen. Der britische Sender BSkyB Chart zeigen hatte bereits angekündigt, die Verträge mit der englischen Premier League anzupassen, falls die Liga den Rechtsstreit verlieren sollte.

In dem Grundsatzurteil geht es auch um Fragen des Urheberrechts. Das höchste EU-Gericht entschied, dass einzelne Teile einer Übertragung wie beispielsweise die Hymne der Premier League geschützte Werke seien. Fußballspiele selbst seien hingegen keine geschützten Werke. In einem Lokal gezeigte Übertragungen, die die Auftaktvideo-Sequenz oder die League-Hymne enthielten, seien eine "öffentliche Wiedergabe", die vom Urheber gebilligt werden müsse.

stk/dpa-AFX/sid

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 250 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. -
franko_potente 04.10.2011
Zitat von sysopDieses Urteil wird Fußball-Fans gefallen: Laut Europäischem Gerichtshof darf man sich*Spiele auch auf ausländischen Pay-TV-Programmen ansehen. Für die Zuschauer*wird Fernsehen nun wohl günstiger - den Vereinen hingegen drohen finanzielle Einbußen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789752,00.html
Im Grunde vernünftig, da insbesondere die Gastrolizenzen unglaublich teuer sind.
2. nun gut
erbseneintopf, 04.10.2011
Zitat von sysopDieses Urteil wird Fußball-Fans gefallen: Laut Europäischem Gerichtshof darf man sich*Spiele auch auf ausländischen Pay-TV-Programmen ansehen. Für die Zuschauer*wird Fernsehen nun wohl günstiger - den Vereinen hingegen drohen finanzielle Einbußen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789752,00.html
muessen halt die ballzauberer mit kleinerem Gehalt auskommen...die werdens verkraften
3. Na endlich...
capitolversicherung 04.10.2011
Zitat von sysopDieses Urteil wird Fußball-Fans gefallen: Laut Europäischem Gerichtshof darf man sich*Spiele auch auf ausländischen Pay-TV-Programmen ansehen. Für die Zuschauer*wird Fernsehen nun wohl günstiger - den Vereinen hingegen drohen finanzielle Einbußen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789752,00.html
Endlich mal ein Urteil, das den europäischen Gedanken aufgreift. Einheitliche Preise für alle Euroländer werden die Folge sein. Jetzt müsste nur noch das GEZ-Zwangsgeld auf ein gesamt-europäisches Niveau gesenkt werden.
4. Der Sport gewinnt
nairobi 04.10.2011
Juhu, ein Sieg für den Sport, der einem faireren Wettbewerb den Weg ebnet! Das wird den Vereinen Einahmen kosten, bei den Spielern auf die Gehälter gehen. Aber es wird dazu führen, dass die Vereine mancher Länder nicht mehr wie gewohnt mit ihren TV-Einnahmen den Wettbewerb durch irrationale Spielergehälter verzerren können!
5. Yesss!
kabeljau, 04.10.2011
das nenne ich mal wieder eine entscheidung im sinne des verbrauchers. das erdet den gesamten fußballbetrieb hoffentlich ein wenig. die entwicklung in den letzten jahrzehnten darf man ruhig obzön nennen...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: