US-Anklage: Poker-Profis sollen Kunden abgezockt haben

Ihre Gegner zu täuschen, ist ihr Talent - und offenbar haben sie es auf kriminelle Weise missbraucht: US-Poker-Stars wie Chris Ferguson sollen Tausende Kunden ihrer Website Full Tilt Poker betrogen und um insgesamt 300 Millionen Dollar erleichtert haben. Die US-Behörden haben Anklage erhoben.

Poker-Portal (Screenshot): "Ein weltweites Schneeballsystem" Zur Großansicht

Poker-Portal (Screenshot): "Ein weltweites Schneeballsystem"

New York - US-Ermittler erheben schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Online-Portals Full Tilt Poker: Howard Lederer, Chris Ferguson und andere, selbst bekannte Poker-Spieler, sollen ihre Kunden abgezockt haben. "Bei der Seite handelt es sich nicht um ein legales Poker-Portal, sondern um ein weltweites Schneeballsystem", sagte der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara in einem Statement am Dienstag.

Bereits seit Monaten wird gegen die Betreiber ermittelt. Die US-Justiz hatte im April Verfahren wegen des Verdachts auf Betrug, illegales Glücksspiel und Geldwäsche gestartet. Der Betrieb der Seiten in den USA wurde gestoppt, im Juni entzog die britische Glücksspielaufsicht Full Tilt Poker auch die weltweite Lizenz.

Nun werfen die Ermittler Ferguson und Co. laut "Wall Street Journal" vor, sie hätten sich in den vergangenen vier Jahren kräftig aus der Kasse des Unternehmens bedient. Um 300 Millionen Dollar sollen sie die Kunden erleichtert haben, insgesamt 440 Millionen Dollar hätten sie sich selbst ausgezahlt. Allein Ferguson, der mit seinem Cowboyhut und den langen Haaren zu den bekanntesten Akteuren im Poker-Geschäft zählt, habe 24 Millionen Dollar eingesteckt. Im Gegenzug wäre dann aber nicht mehr genügend Kapital vorhanden gewesen, um die Spieler auszuzahlen.

Damit Full Tilt Poker flüssig blieb, hätten die Betreiber immer neue Kunden anwerben müssen, berichtet die Zeitung - ein klassisches Schneeballsystem, das spätestens dann scheitert, wenn nicht mehr genügend neue Kunden hinzukommen. Die Anwälte von Ferguson und Lederer wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Die Ermittler werfen Ferguson, dem fünffachen Gewinner der World Series, und seinen Partnern nun vor, die Spieler bewusst in dem Glauben gelassen zu haben, ihr Guthaben sei sicher. Dabei reichten die Finanzen des Portals längst nicht mehr aus, alle Nutzer auszuzahlen. Ein solches Geschäftsgebahren erweckt ein wenig den Eindruck, als hätten die Poker-Stars ihren Sport irgendwann mit dem realen Leben verwechselt.

cte

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insgesamt 132 Beiträge
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1. Im Prinzip
zickezackehoihoihoi 21.09.2011
Zitat von sysopIhre Gegner zu täuschen, ist ihr Talent - und offenbar haben sie es auf kriminelle Weise missbraucht: US-Poker-Stars wie Chris Ferguson sollen Tausende Kunden ihrer Website "Full Tilt Poker" betrogen und um insgesamt 300 Millionen Dollar erleichtert haben. Die US-Behörden haben Anklage erhoben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,787473,00.html
habe ich es immer geahnt, und bin schon seit längerem froh, dass ich, trotz einer gewissen Versuchung, nie mit realem Geld gespielt habe.
2. Alle auszahlen?
Zaharoff 21.09.2011
Keine Frage, solche Schneeballsysteme müssen ausgerotet werden. wo wir gerade dabei sind: könnten Banken alle Kundeneinlagen ad hoc auszahlen? Können Staaten (vertreten durch ihre Regierungen/Politiker) ihre Verbindlichkeiten ad hoc auszahlen? Die gesamte "Hochfinanz" basiert auf revolvierenden Schneeballsystemen. Einziger Unterschied: hier ist der Betrug legal...
3. .
messi4h 21.09.2011
Die Überschrift finde ich etwas unglücklich, da es sich bei "Pokerstars" um einen weiteren Anbieter handelt, der aber mit FullTiltPoker nichts zu tun hat und es hier zu Verwechslungen kommen könnte.
4. Warm ums Herz!
awun 21.09.2011
Da wird einem ganz warm ums Herz wenn man daran denkt, dass zumindest in Schleswig Holstein das Glücksspiel liberalisieren will. Wäre doch nur zu schön, wenn dann solche Buden offiziell arbeiten dürfen.
5. Wall street Proteste
gebeer 21.09.2011
Wann dürfen wir auf diesem Nachrichtenportal etwas über die andauernden Proteste an der Wall Street erfahren? Andere Medien berichten seit Samstag.
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