Washington - Der US-Leitindex Dow Jones reagierte prompt: Um kurz vor halb eins Ortszeit knickte die Kurve scharf ab - und zwar nach oben. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hatte zu dem Zeitpunkt ein neues Stützungsprogramm für die US-Konjunktur bekanntgegeben. Von Januar an werde man jeden Monat für 45 Milliarden Dollar Staatsanleihen kaufen, teilte der geldpolitische Ausschuss am Mittwoch in Washington mit.
Ziel der Maßnahme ist es, zusätzliches Geld in die Wirtschaft zu pumpen und so Investitionen anzukurbeln. Zudem setzt die Fed den Kauf von Immobilienpapieren in einem monatlichen Volumen von 40 Milliarden Dollar fort.
Die Notenbanker in Washington ersetzen mit dem Kaufprogramm - wie an den Finanzmärkten - schon erwartet ein auslaufendes Anleihetauschprogramm: die sogenannte Operation Twist. Dabei tauschten sie zuletzt kurz laufende Staatsanleihen in ihrem Portfolio in lang laufende Papiere um. Mit dem Anleihenaufkauf pumpt die Fed zusätzliches Geld in den Wirtschaftskreislauf. Damit sollen die langfristigen Zinsen in den USA gedrückt und die Wirtschaft stimuliert werden.
Insgesamt habe sich das Portfolio der Notenbank durch die verschiedenen Ankäufe auf derzeit 2,9 Billionen Dollar (2,2 Billionen Euro) erhöht, berichteten US-Medien. Es sei damit rund dreimal so groß wie vor Ausbruch der Finanzkrise 2008.
Leitzins soll "außergewöhnlich niedrig" bleiben
Kritiker stellten die Effektivität der erneuten geldpolitischen Lockerung in Frage. Es sei ungewiss, ob die Maßnahmen tatsächlich den gewünschten Erfolg der Konjunkturankurbelung haben. Zudem bestehe die Gefahr, dass durch das Drucken von frischem Geld die Inflation angeheizt werde.
Der US-Leitzins wurde am Mittwoch außerdem in der Spanne von null bis 0,25 Prozent belassen. Der Leitzins soll "außergewöhnlich niedrig" bleiben, solange die Arbeitslosenquote über der Marke von 6,5 Prozent liegt und die Inflationsrate auf Sicht von einem bis zwei Jahren unter der Marke von 2,5 Prozent erwartet wird.
Die neue Selbstverpflichtung der Zentralbanker könnte dazu führen, dass der Niedrigzins noch viel länger bestehen bleibt, sollte die Wirtschaft zwischen Chicago und Los Angeles nicht Tritt fassen. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote in den USA bei 7,7 Prozent und war damit weit entfernt von der neuen Zielmarke. Sollte die Wirtschaft jedoch in Schwung kommen, könnte es in den Vereinigten Staaten viel schneller zu einer Zinswende kommen als von vielen Fachleuten bisher erwartet. Im Gegensatz etwa zur Europäischen Zentralbank (EZB), die ausschließlich das Ziel stabiler Preise verfolgt, muss die Fed wegen ihres gesetzlichen Auftrags auch dafür sorgen, dass möglichst Vollbeschäftigung herrscht.
Die Wall Street hatte auf weitere Konjunkturhilfen der Notenbank gesetzt - schon vor der Bekanntgabe hatten die wichtigsten Indizes mehrheitlich zugelegt. Der S&P 500 lag den sechsten Tag in Folge im Plus - die längste Gewinnphase seit August. Auch in Europa spekulierten Anleger auf eine Erholung der US-Wirtschaft: Der Dax setzte seine Rallye fort und schloss 0,3 Prozent höher bei 7614 Punkten.
nck/Reuters/dpa
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