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Kreditvergabe: JP Morgan soll Schwarze in Los Angeles diskriminiert haben

Großstadt gegen Großbank: Weil JP Morgan Minderheiten benachteiligt haben soll, wird die US-Bank von Los Angeles verklagt. Das Finanzinstitut habe Schwarzen den Zugang zu Krediten erschwert - und so die Immobilienkrise verschärft.

JP-Morgan-Zentrale in New York: Profite auf Kosten von Minderheiten? Zur Großansicht
REUTERS

JP-Morgan-Zentrale in New York: Profite auf Kosten von Minderheiten?

Los Angeles - Die Praxis nennt sich Redlining. Benannt wurde sie nach roten Linien, die US-Geschäftsleute vor Jahrzehnten um einzelne Stadtteile zogen. Den Bewohnern, meist Angehörigen einer gesellschaftlichen Minderheit, wurden Waren und Dienstleistungen gar nicht oder nur zu erhöhten Preisen angeboten.

Die Großbank JP Morgan Chase Chart zeigen nutzt Redlining und ähnliche Vergabepraktiken nach Ansicht von Vertretern der US-Metropole Los Angeles bis heute. Deshalb reichte die Stadt jetzt Klage gegen JP Morgan ein. In der Klageschrift wird der Bank vorgeworfen, sie habe spätestens seit 2004 Schwarzen und anderen Minderheiten entweder Kredite verwehrt oder diese mit "erhöhten Kosten" und "missbräuchlichen" Bedingungen versehen. Dadurch komme es zu vermehrten Zwangsversteigerungen, was der Stadt schade. Auf Kosten von Minderheiten sowie der Stadt strebe die Bank danach, "ihre Profite zu maximieren".

Zur Höhe der Forderungen wurden zunächst keine Angaben gemacht. Im Dezember hatte Los Angeles bereits ähnliche Verfahren gegen die Bank of America Chart zeigen, Citigroup Chart zeigen und Wells Fargo Chart zeigenangestrengt.

Ein Sprecher von JP Morgan wies die Vorwürfe zurück. Die Bank werde "energisch" gegen die Klage vorgehen. Die Bank sei "enttäuscht", dass Los Angeles auf Konfrontation setze. Die Stadtfinanzen hätten vielmehr unter der jüngsten Wirtschaftskrise gelitten.

Vor einem Gericht in Manhattan versuchte JP Morgan, zusammen mit der Deutschen Bank Chart zeigen und zehn weiteren Großbanken eine andere Klage abzuwehren. Die Institute sollen in Absprache Kurse am Devisenmarkt manipuliert haben. In einem gemeinsamen Antrag forderten sie das Bezirksgericht auf, eine entsprechende Kartell-Sammelklage abzuweisen. Die Kläger, darunter die Stadt Philadelphia sowie eine Reihe von Hedge- und Pensionsfonds, hätten die Vorwürfe nicht belegt, hieß es.

dab/Reuters/AFP

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1.
Kapaun 31.05.2014
Zitat von sysopREUTERSGroßstadt gegen Großbank: Weil JP Morgan Minderheiten benachteiligt haben soll, wird die US-Bank von Los Angeles verklagt. Das Finanzinstitut habe Schwarzen den Zugang zu Krediten erschwert - und so die Immobilienkrise verschärft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-bank-jpmorgan-soll-schwarze-in-los-angeles-diskrimiert-haben-a-972655.html
Langsam wird es echt albern. Banken vergeben halt ungern Kredite, wenn sie die Rückzahlung für zweifelhaft halten. Das ist überall auf der Welt so und im übrigen sehr vernünftig.
2. Absurd. Wirklich absurd.
gustavsche 31.05.2014
Das widerspricht doch jeglicher ökonomische Sachkenntnis und jeglicher Empirie. Wodurch wurde denn die Krise ausgelöst? Durch zu lachse Kreditvergabe und dann auch noch regressfrei. Wenn der Kreditnehmer in Bredoullie kam, konnt er die Reißleine ziehen und sämtliches hatte fortan die Bank. Man sprach von Ninja-Krediten: No income, no job, no assets. Die Banken wurden genötigt, da mitzumachen. Einerseits war es staatlich gewollt (Gesetze stammen teilweise noch aus der Carter-Ära, unter Clinton gab es einen Dammbruch und Bush junior hat opportunistisch weitergemacht), andererseits befürchteten die Banken leichtsinnige Millionen-Klagen durch abgewiesene Kunden. Denn wenn die Bank einen Geringverdiener für kreditunwürdig eingestuft hätte und der zufällig schwarz oder ein Hispanic gewesen wäre, hätte der darin Rassismus ausfindig gemacht. Und ich kann den Opportunismus verstehen, dass man lieber 50000 $ in den Satz setzt als einen Prozess mit teuren Anwälten zu führen. Alle haben nach der Immobilienkrise gerufen, dass die Kreditvergabe nach härteren Kriterien stattfinden müsse und nun ist es auch nicht mehr recht.
3. Wie ist dann denn beim Schufa-Score,
imZweifel-richtig 31.05.2014
wo der Wohnsitz mit über die Krditkonditionen oder Vergabe entscheidet? Diskriminierung oder Bewertung von Fakten?
4.
grover01 31.05.2014
Zitat von sysopREUTERSGroßstadt gegen Großbank: Weil JP Morgan Minderheiten benachteiligt haben soll, wird die US-Bank von Los Angeles verklagt. Das Finanzinstitut habe Schwarzen den Zugang zu Krediten erschwert - und so die Immobilienkrise verschärft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-bank-jpmorgan-soll-schwarze-in-los-angeles-diskrimiert-haben-a-972655.html
Jeder und jedes Unternehmen sollte selbst entscheiden dürfen mit wem man Geschäfte macht und mit wem nicht. Wenn eine Bank Menschen aus bestimmten Stadtteilen nicht als Kunden haben will, dann ist das eine legitime unternehmerische Entscheidung. In einem freien Markt werden Konkurrenzunternehmen nicht zögern die entsprechenden Nischen zu besetzen. Aber mit Marktwirtschaft hat das alles nichts mehr zu tun, die Banken dürfen erstens nicht mehr frei entscheiden, und zweitens tragen sie das unternehmerische Risiko nicht mehr selbst. Der Finanzsektor wird schon seit längerem missbraucht um die Verschwendungssucht der Staaten zu bedienen und um "Wirschaftswachstum" zu generieren.
5.
hotgorn 31.05.2014
Risikobewertung aufgrund von Rasse, Gesundheit, Klasse, Wohnort, Sport und Hobbys sowie privater Vorlieben gehört verboten und macht die Banken entgültig überflüssig.
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