US-Bank Lehman wickelte riskante Geschäfte offenbar über Strohmänner ab

Neue Enthüllungen über die untergegangene US-Investmentbank Lehman Brothers: Der "New York Times" zufolge hat das Geldinstitut hochriskante Investments über einen kleinen Finanzdienstleister abgewickelt - um die Gefahren vor den Aufsichtsbehörden zu verbergen.

Zentrale der Investmentbank Lehman Brothers in New York: Riskante Geschäfte
AP

Zentrale der Investmentbank Lehman Brothers in New York: Riskante Geschäfte


New York - Die untergegangene US-Investmentbank Lehman Brothers hat nach Recherchen der "New York Times" eine externe Firma genutzt, über die sie im Verborgenen große Geschäfte abwickelten. Auf diese Weise habe Lehman die Risiken verschleiert, schrieb die Zeitung am Dienstag. Sie beruft sich dabei auf interne Dokumente und Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern.

Das Unternehmen namens Hudson Castle gehörte demnach nur zu einem Viertel Lehman Brothers, stand aber unter der Kontrolle der Investmentbank. Seit 2001 habe Lehman mehrfach Transaktionen mit mehr als einer Milliarde Dollar über die kleine Firma abgewickelt, hieß es. Wie viel Geld insgesamt geflossen ist, sei unbekannt. In den Geschäftsberichten sei darüber nichts zu finden.

Lehman Brothers hatte sich mit US-Hypothekenpapieren verspekuliert und war im September 2008 zusammengebrochen. Das hatte für eine Schockwelle an den Finanzmärkten gesorgt. Die Aufarbeitung der Hintergründe mündete in einen 2200 Seiten starken Bericht eines Sonderermittlers, der dubiose Bilanzpraktiken ans Licht brachte.

Die US-Börsenaufsicht untersucht derzeit, inwiefern auch andere Geldhäuser ihre riskanten Geschäfte verheimlicht haben oder noch verheimlichen. Das "Wall Street Journal" fand jüngst heraus, dass viele US-Großbanken ihren Schuldenstand jeweils kurz vor Quartalsende drastisch gedrückt haben, um bei der Bilanzvorlage besser dazustehen. Danach hätten sie wieder kräftig Kredite für ihre spekulativen Geschäfte aufgenommen, hieß es.

wit/dpa-AFX



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