Zerschlagung der WestLB US-Bank sichert sich milliardenschweres Kreditportfolio

Amerikanische Großbanken nutzen die europäische Bankenkrise für eine Einkaufstour: Das US-Institut Wells Fargo hat der WestLB ein Kreditpaket mit einem Volumen von rund 4,8 Milliarden Euro abgekauft - kurz vor der Zerschlagung der maroden Landesbank.


Frankfurt am Main - Die US-Großbank Wells Fargo Chart zeigenhat bei der vor der Zerschlagung stehenden WestLB noch einmal zugegriffen: Die Amerikaner kaufen ein Kreditportfolio im Volumen von sechs Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro), das größtenteils Finanzierungszusagen an amerikanische Beteiligungsunternehmen und Immobilienfonds enthält.

Das verkaufte Geschäft sei immer eine besondere Stärke der WestLB gewesen, betonte Vorstand Werner Taiber. Dies sei auch in dem hohen Interesse internationaler strategischer Käufer zum Ausdruck gekommen. Die WestLB erhält durch den das Geschäft dringend benötigte Mittel, um ihre Finanzen zu stärken.

Amerikanische Großbanken nutzen Euro-Krise für Investitionen

Während die europäischen Institute mit wackeligen Krediten und steigendem Liquiditäts- und Kapitalbedarf zu kämpfen haben, suchen einige US-Banken nach Investitionsmöglichkeiten mit guten Renditen. Der Zukauf bei der WestLB sei "die jüngste in einer Reihe von Akquisitionen von Portfolios europäischer Banken, die sich von ihren US-Krediten und -Geschäften trennen", sagte Joe Morford, Managing-Director und Analyst bei RBC Capital Marktes.

Erst in der vergangenen Woche waren zwei ähnliche Transaktionen europäischer Banken angekündigt worden, die unter der Krise und steigenden Eigenkapitalanforderungen leiden. Die New Yorker Citigroup Chart zeigen will demnach einen Teil des Schiffkreditportfolios der französischen Société Générale Chart zeigenübernehmen. Zudem verkauft die Commerzbank-Tochter Eurohypo Chart zeigen ein 760 Millionen Dollar schweres Portfolio mit US-Immobilienkrediten an U.S. Bancorp, Wells Fargo Bank und die Beteiligungsgesellschaft Blackstone.

Vor allem Wells Fargo sucht in Europa nach amerikanischen Anlagen zum Schnäppchenpreis : Die in Kalifornien beheimatete Bank hatte bereits von der französischen Großbank BNP Paribas Chart zeigen, Allied Irish Banks Chart zeigenund Bank of Ireland Chart zeigenKreditbestände aufgekauft. "Die Marktverwerfungen in Europa haben definitiv Möglichkeiten für US-Banken geschaffen", sagte Dave Hoyt, Leiter der Geschäftskundensparte bei Wells Fargo - und kündigte weitere mögliche Zukäufe an.

usp/dapd/Reuters



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pacificwanderer 27.06.2012
1. Wf
ist eine der soliden US-Banken und hat 2008 unbeschadet ueberstanden, weil sie keine Flop-Kredite vergebe.
Flussball08 27.06.2012
2. eins, zwei und drei
Zitat von sysopdpaAmerikanische Großbanken nutzen die europäische Bankenkrise für eine Einkaufstour: Das US-Institut Wells Fargo hat der WestLB ein Kreditpaket mit einem Volumen von rund 4,8 Milliarden Euro abgekauft - kurz vor der Zerschlagung der Krisen-Bank. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,841134,00.html
Das System hat System. 1) Shareholder Value und erzwungenes Wachstum auf Amerikanisch. Dafür werden dann spezielle "Finanzprodukte" entwickelt und angeboten. 2) Die Käufer werden kurz darauf von amerikanische Rating Agenturen systematisch de-valuiert. Begründung; "Diese Produkte sind eigentlich nichts wert". 3) Refinanzierung unmöglich, da ja die Produkte überbewertet und Geldmarkt-Konditionen nun zu teuer. Deshalb bleibt nur noch der "Verkauf" unter Wert. zum Glück helfen dann die amerikanischen Kollegen wieder, und kaufen es uns ab. Das ganze noch garniert mit Steuergelder. Es ist die strukturierte Demontage eines Wirtschaftsraums.
freixen 27.06.2012
3. genial
Da werden noch schnell die letzten Papiere verkauft hinter denen noch Wert steht. Die Bänker garnieren sich das obendrein noch mit fette Provisionen. Wenn der Ausverkauf beendet und die Taschen voll sind, bekommt er Steuerzahler den Rest vor die Füße gekippt, während der Vorstand sich mit fetten Abfindungen verabschiedet.
Ylex 27.06.2012
4. Verloren in der globalisierten Finanzwüste.
Zitat: "Die Amerikaner kaufen ein Kreditportfolio im Volumen von sechs Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro), das größtenteils Finanzierungszusagen an amerikanische Beteiligungsunternehmen und Immobilienfonds enthält." Finanzierungszusagen also – kann mir das vielleicht jemand näher erklären? Für mein Verständnis handelt es sich bei dem „verkauften Geschäft“ um Kredite einer bestimmten Art, die die West-LB amerikanischen Kreditnehmern gewährt hat. Die West-LB braucht Eigenkapital und erhält es durch den Verkauf. Das klingt erst einmal vernünftig, aber die Gründe für diese Entscheidung darüberhinaus geben Anlass zu Spekulationen. Der Handel mit ganzen Kreditportfolios kommt aus dem angelsächsischen Raum und wird seit einigen Jahren auch in Deutschland betrieben. Es ist eine sehr problematische Praxis, weil hier mit ganzen Geschäftsfeldern von Banken gehandelt wird – beispielsweise könnte sich ein deutsches Geldinstitut dazu entschließen, seine gesamten Eigenheim-Kredite, die es vergeben hat, an eine Bank aus Hongkong zu verkaufen, mit der Folge, dass die deutschen Schuldner plötzlich auf chinesische Gläubiger treffen. Die neuen Gläubiger könnten beim Bedienen bzw. beim Prolongieren von Krediten strengere Maßstäbe anlegen, was die Kreditnehmer in beträchtliche Schwierigkeiten bringen kann. Das ist ein Hauptgrund, weshalb die Geschäfte mit solchen Kreditportfolios verboten gehören. Ein weiteres Problem liegt in der Zusammensetzung der Kreditportfolios und in den hohen Volumina – es beginnt bei einigen hundert Millionen und kann leicht in die Milliarden gehen. Hier wird, etwas übertrieben ausgedrückt, mit ganzen Banken weltweit jongliert, und die Banken werden so aus der Sicht des Kunden noch mehr anonymisiert, der Kunde verliert seinen Ansprechpartner nach menschlichen Maßstäben, er ist hilflos verloren in der globalisierten Finanzwüste. In dem Artikel ist von Schnäppchen die Rede – die Amerikaner sind schlau, sie kaufen sich keine faulen Eier ein. Das Kreditportfolio der West-LB haben sie vorher genau geprüft und sie haben dabei mit Befriedigung festgestellt, dass es ich um ein bereinigtes Portfolio handelt: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – und das Kröpfchen hat die West-LB, dort haben sich die Verluste angesammelt, die massiven Verluste, alle die oberfaulen Kredite, für die der Steuerzahler aufkommen muss.
bristolbay 27.06.2012
5. So geht Marktwirtschaft
Zitat von YlexZitat: "Die Amerikaner kaufen ein Kreditportfolio im Volumen von sechs Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro), das größtenteils Finanzierungszusagen an amerikanische Beteiligungsunternehmen und Immobilienfonds enthält." Finanzierungszusagen also – kann mir das vielleicht jemand näher erklären? Für mein Verständnis handelt es sich bei dem „verkauften Geschäft“ um Kredite einer bestimmten Art, die die West-LB amerikanischen Kreditnehmern gewährt hat. Die West-LB braucht Eigenkapital und erhält es durch den Verkauf. Das klingt erst einmal vernünftig, aber die Gründe für diese Entscheidung darüberhinaus geben Anlass zu Spekulationen. Der Handel mit ganzen Kreditportfolios kommt aus dem angelsächsischen Raum und wird seit einigen Jahren auch in Deutschland betrieben. Es ist eine sehr problematische Praxis, weil hier mit ganzen Geschäftsfeldern von Banken gehandelt wird – beispielsweise könnte sich ein deutsches Geldinstitut dazu entschließen, seine gesamten Eigenheim-Kredite, die es vergeben hat, an eine Bank aus Hongkong zu verkaufen, mit der Folge, dass die deutschen Schuldner plötzlich auf chinesische Gläubiger treffen. Die neuen Gläubiger könnten beim Bedienen bzw. beim Prolongieren von Krediten strengere Maßstäbe anlegen, was die Kreditnehmer in beträchtliche Schwierigkeiten bringen kann. Das ist ein Hauptgrund, weshalb die Geschäfte mit solchen Kreditportfolios verboten gehören. Ein weiteres Problem liegt in der Zusammensetzung der Kreditportfolios und in den hohen Volumina – es beginnt bei einigen hundert Millionen und kann leicht in die Milliarden gehen. Hier wird, etwas übertrieben ausgedrückt, mit ganzen Banken weltweit jongliert, und die Banken werden so aus der Sicht des Kunden noch mehr anonymisiert, der Kunde verliert seinen Ansprechpartner nach menschlichen Maßstäben, er ist hilflos verloren in der globalisierten Finanzwüste. In dem Artikel ist von Schnäppchen die Rede – die Amerikaner sind schlau, sie kaufen sich keine faulen Eier ein. Das Kreditportfolio der West-LB haben sie vorher genau geprüft und sie haben dabei mit Befriedigung festgestellt, dass es ich um ein bereinigtes Portfolio handelt: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – und das Kröpfchen hat die West-LB, dort haben sich die Verluste angesammelt, die massiven Verluste, alle die oberfaulen Kredite, für die der Steuerzahler aufkommen muss.
.. und wenn es dann nicht klappt gibt es ja bestimmt einen Rettungsschirm, und zwar alternativlos.
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