Konkurrenz mit den USA Europas Banken verlieren den Anschluss

Die Kräfteverhältnisse in der internationalen Finanzwelt verschieben sich immer stärker. Während die Wall Street immer profitabler wird, hinken Europas Banken hinterher. Für den Trend gibt es mehrere Gründe.

Bankenviertel von Manhattan
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Bankenviertel von Manhattan


Deutschlands Geldhäusern geht es schlecht. Die Deutsche Bank Chart zeigen, einst Kronjuwel der heimischen Finanzwelt, wird ab dem 24. September nicht mehr im europäischen Börsenindex EuroStoxx 50 Chart zeigen gelistet sein. Und die Commerzbank Chart zeigen, Deutschlands Nummer zwei, fliegt bald aus dem deutschen Leitindex Dax Chart zeigen.

Die Misere der deutschen Banken passt gut in ein größeres Bild: Europas führende Banken fallen generell im Wettlauf mit der US-Konkurrenz immer weiter zurück.

Zwar konnten Europas Großbanken im ersten Halbjahr ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern. Jenseits des Atlantiks stiegen die Überschüsse aber deutlich kräftiger, wie eine am Dienstag veröffentlichte Auswertung des Beratungsunternehmens EY ergab.

Demnach verdienten die zehn nach Bilanzsumme größten Geldinstitute in Europa in den ersten sechs Monaten 2018 unter dem Strich zusammen 26,3 Milliarden Euro und damit neun Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die zehn größten US-Banken kamen auf umgerechnet rund 69,1 Milliarden Euro - ein Plus von gut 19 Prozent.

"Seit 2012 sind die Gewinne der amerikanischen Banken zum Ende eines ersten Kalenderhalbjahres jeweils mindestens doppelt so hoch wie die ihrer europäischen Konkurrenten", schreibt EY. Der Abstand vergrößere sich zusehends.

Mehrere Ursachen

Die Diskrepanz zwischen den Finanzwelten der beiden Kontinente hat aus Sicht des Beratungsunternehmens mehrere Ursachen. Eine besonders wichtige ist demnach der unterschiedliche Umgang mit der Finanzkrise.

Die US-Regierung hatte den Banken nach der Krise 2007/2008 zwangsweise Staatsgeld verordnet - und so nach Ansicht vieler Experten dafür gesorgt, dass sich die dortige Finanzbranche deutlich schneller erholte. In Europa hingegen sind zehn Jahre nach der jüngsten Finanzkrise die Altlasten noch immer nicht abgearbeitet.

Erschwerend kommt in Europa hinzu, dass der Markt sehr stark zerklüftet ist und sehr viele Banken um Kunden buhlen. Zudem drücken historisch niedrige Zinsen im Euroraum die Erträge. Während die US-Notenbank Fed die Zinsen längst wieder angehoben hat, hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine erste Zinserhöhung frühestens für Herbst 2019 in Aussicht gestellt.

Die US-Institute profitierten im laufenden Jahr außerdem vom Boom der heimischen Wirtschaft und der Steuerreform der Trump-Regierung.

Kein Wunder also, dass die US-Schwergewichte an der Börse weit mehr wert sind: Während die Marktkapitalisierung der zehn größten US-Banken bis zum Stichtag 3. August 2018 auf gut 1,3 Billionen Euro stieg, sank der Börsenwert der zehn größten europäischen Institute seit Jahresbeginn sogar noch auf zusammen 561 Milliarden Euro.

ssu/dpa

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insgesamt 28 Beiträge
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C.Rainers 04.09.2018
1. Kein Wunder
wenn die US Banken für ihre Verbrechen noch mit Staatsgeld belohnt wurden. Das hätten unsere Nieten in Nadelstreifen wohl auch gerne gehabt. Die sind noch viel zu glimpflich davongekommen. In den USA wären die wie im Fall von Libor Betrügereien in den Knast gegangen
nadennmallos 04.09.2018
2. Das ging dann wohl zu Lasten des unteren Drittels ...
"Die US-Regierung hatte den Banken nach der Krise 2007/2008 zwangsweise Staatsgeld verordnet - und so nach Ansicht vieler Experten dafür gesorgt, dass sich die dortige Finanzbranche deutlich schneller erholte." ... der US-Bevölkerung.
citi2010 04.09.2018
3.
Ich habe 25 Jahre in NY gelebt und gesehen wie die Gesellschaft als Ganzes unter dieser Fokussierung auf den Finanzmarkt statt der produktiven Wirtschaft gelitten hat... massgeblich. Wir sollten froh sein, dass bei uns diese Banker ein wenig mehr an der Kette liegen.
solapgir 04.09.2018
4. Doch der wahre Grund
Liegt an der Dollar Hegemonie der USA . Während USA intransparent Dollar drucken kann wie es will und diese weltweit wegen ihres ölhandels weltweit ebenso verteilen kann und somit ihren Einfluss geltend macht.
freudentanz 04.09.2018
5. Oh je
die US-Banken die gerettet wurden (den "Sparer-Banken" wurde eine Zwangskur verordnet und die anderen Spielbanken hat man den Bach runter gehen lassen) haben ausnahmslos einen neuen Aufsichtsrat mit einem Beamten der Finanzaufsicht bekommen. Jede einzelne Bank. Die US-Banken haben alle "Darlehen" des US-Staates mit Zins und Zinseszins zurück bezahlen müssen. Diese Rosskur hat die US-Banken dazu gezwungen sehr restriktive Kredite zu vergeben. Dies hat jedoch dazu geführt das US-Wirtschaft vor sich hin dümpelte. Ist auch klar wenn kein Geld da ist. Und diese Herumdümpeln der Wirtschaft hat Obama keine Freunde gebracht. Nein, Obama war nicht schuld aber in dessen Amtszeit ging witschaftlich gar nichts vorwärts. Aufgrund der regiden Regeln für Banken die Staatsknete (gezwungnermaßen) annehmen mussten. Die Republikaner haben diesen Eingriff Obamas in die freie Wirtschaft nie verziehen. Denn nach der Denke der Republikaner hätte man alle verschuldeten Banken über die Klinge springen lassen sollen.
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