Bilanzfehler bei Schnäppchenportal: US-Börsenaufsicht nimmt Groupon ins Visier

Ein Zahlen-Wirrwarr beim Schnäppchendienst Groupon alarmiert die US-Finanzaufsicht SEC. Sie untersucht, warum der Börsenneuling seine Quartalsbilanz nachträglich nach unten korrigieren musste. Experten zweifeln bereits am Geschäftsmodell des einst gefeierten Portals.

Groupon-Mitarbeiter vor dem Firmen-Logo: Zweifel am Geschäftsmodell Zur Großansicht
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Groupon-Mitarbeiter vor dem Firmen-Logo: Zweifel am Geschäftsmodell

New York - Schon beim Börsengang im November war der große Hype für Groupon vorbei. Pannen und Zweifel am Geschäftsmodell des Rabattportals hatten vor dem Handelsstart für Verzögerungen und Unsicherheit gesorgt. Der Börsengang verlief dann zwar glimpflich, doch die Bewährungsprobe hat Groupon noch nicht überstanden. Denn nun nimmt die US-Börsenaufsicht SEC die Firma unter die Lupe.

Die Kontrolleure überprüfen die jüngste Bilanzkorrektur des Unternehmens, berichtete das "Wall Street Journal" ("WSJ") unter Berufung auf eine mit den Vorgängen vertraute Person. Die Prüfung sei noch in einem frühen Stadium. Ob eine formelle Untersuchung eingeleitet werde, stehe noch nicht fest. Weder die SEC noch Groupon wollten sich zu dem Bericht äußern.

Das 2008 gegründete Unternehmen war bis vor wenigen Monaten ein Hoffnungsträger der Tech-Branche. Bei Groupon können Unternehmen Rabatt-Coupons für ihr Geschäft anbieten. Der Deal kommt zustande, wenn eine bestimmte Anzahl von Interessenten zuschlägt. Die Website selbst behält ein Entgelt, typischerweise rund die Hälfte des Gutschein-Werts.

Die aktuellen Unregelmäßigkeiten machen Anleger misstrauisch. Bereits am Montag war die Groupon-Aktie um 17 Prozent abgesackt. Mit etwas mehr als 15 Dollar notiert das Papier deutlich unter dem Ausgabepreis von 20 Dollar beim Börsengang im November.

Groupon fällt schon zum zweiten Mal negativ auf

Das einst als Boom-Unternehmen gefeierte Schnäppchenportal steht unter Druck. Denn die Firma hat Probleme, ihre Bücher in Ordnung zu halten. Am Freitag korrigierte Groupon überraschend seine ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen nach unten. Grund sei der nachträglich festgestellte Bedarf, die Reserven zu erhöhen, hieß es.

Nach dem Weihnachtsgeschäft hatten viele Kunden ihre Rabattgutscheine wieder zurückgegeben. Doch Groupon hatte zu wenig Geld beiseite gelegt, um die Rückzahlungen abfedern zu können. Dabei vertreibt das Portal immer mehr teure Produkte wie Ferienangebote oder Botox-Behandlungen, bei denen die Rückgaberaten relativ hoch sind.

Der Verlust von Groupon im vierten Quartal 2011 weitete sich nach der Bilanzkorrektur von 43 auf 65,4 Millionen Dollar aus. Dabei hatten Analysten für das Schlussquartal ursprünglich sogar einen Gewinn erwartet. Im gesamten Jahr fiel ein Minus von 373,5 Millionen Dollar an.

Es ist nicht das erste Mal, dass Groupon mit Bilanz-Wirrwarr auffällt. Schon vor dem Börsengang im vergangenen Jahr musste die Firma nach Aufforderung durch die Börsenaufsicht SEC seine Zahlen korrigieren.

"Ein kleiner Schluckauf"

Das Portal führt die roten Zahlen auf Investitionen in den Ausbau des Geschäfts zurück und verspricht, dass sich dies mit der Zeit auszahlen werde. Doch einige Analysten äußerten bereits Zweifel am Geschäftsmodell der Firma. Bei Groupon seien die Ambitionen höher als das Level der internen Planungen und Kontrollen, sagte ein Marktbeobachter. Die Professoren Anthony Catanach und Ed Ketz schrieben in ihrem Blog, die Bilanzkorrekturen würden die Frage aufwerfen, ob es bei Groupon überhaupt einen ernsthaften Kodex zur guten Unternehmensführung gebe.

Durch interne Kontrolleure sollen Firmen eigentlich vermeiden, dass sie zu ambitionierte Zahlen herausgeben. Diese Instanzen sollen über die Einhaltung der wirtschaftlichen Ziele wachen. Laut "WSJ" möchte Groupon mehr Leute für die Buchhaltung einstellen und hat neben den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young auch Rechnungsprüfer der Beraterfirma KPMG ins Haus geholt.

Er könne verstehen, dass es Skepsis bei den Anlegern gebe, sagte Groupon-Sprecher Paul Taaffe. Aber die Firma habe eine solide Basis. Die aktuellen Probleme ergäben sich aus dem schnellen Wachstum, erklärte Taaffe. "Groupon ist alle drei Monate ein völlig neues Unternehmen."

Ähnlich äußerten sich auch Analysten. Dough Anmuth von JPMorgan sagte, er sehe das Geschäftsmodell von Groupon trotz der aktuellen Probleme nicht in Gefahr. "Wir glauben eher, dass sie den dynamischen Angebots-Mix und das extreme Wachstum innerhalb eines kurzen Zeitraums widerspiegeln." Auch Scott Devitt von Morgan Stanley zeigte sich gegenüber der Newcomer-Firma wohlwollend. Die jüngsten Korrekturen seien "ein kleiner Schluckauf in Groupons langfristig überzeugender Wachstumsgeschichte".

mmq/AP/dpa

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1.
juleswdd 03.04.2012
Zitat von sysopEin Zahlen-Wirrwarr beim Schnäppchendienst Groupon alarmiert die US-Finanzaufsicht SEC. Sie untersucht, warum der Börsenneuling seine Quartalsbilanz nachträglich nach unten korrigieren musste. Experten zweifeln bereits am Geschäftsmodell des einst gefeierten Portals. Bilanzfehler bei Schnäppchenportal: US-Börsenaufsicht nimmt Groupon ins Visier - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825391,00.html)
Die jetzt "zweifelnden Experten" sind aber die gleichen, die das Geschäftsmodell - so es denn überhaupt eines ist - hochgehypt haben!
2. mein geld muß genauso hart arbeiten wie ich
maximixa 03.04.2012
Zitat von juleswddDie jetzt "zweifelnden Experten" sind aber die gleichen, die das Geschäftsmodell - so es denn überhaupt eines ist - hochgehypt haben!
waren's die selben oder bloß die gleichen? denn dann waren es andere.
3. experten?
rosenkohl 03.04.2012
Zitat von sysopEin Zahlen-Wirrwarr beim Schnäppchendienst Groupon alarmiert die US-Finanzaufsicht SEC. Sie untersucht, warum der Börsenneuling seine Quartalsbilanz nachträglich nach unten korrigieren musste. Experten zweifeln bereits am Geschäftsmodell des einst gefeierten Portals. Bilanzfehler bei Schnäppchenportal: US-Börsenaufsicht nimmt Groupon ins Visier - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825391,00.html)
sind das die gleichen "experten" die dienste wie groupon vorher in den himmel gelobt haben? komischerweise, war jedem klar, dass das nix werden kann ... ausser investoren, die auf den künstlichen hype reinfielen. naja, ich find's gut ... evtl. wird das venture capital jetzt wieder ein bisschen vorsichtiger und an solidere sachen vergeben. da hat sich ein normaler mensch eh ans hirn gelangt, wieviel kohle einige geldgeber in groupon und konsorten gesteckt haben ...
4. Geschäftsmodell?
soundscape 03.04.2012
Zitat von sysopEin Zahlen-Wirrwarr beim Schnäppchendienst Groupon alarmiert die US-Finanzaufsicht SEC. Sie untersucht, warum der Börsenneuling seine Quartalsbilanz nachträglich nach unten korrigieren musste. Experten zweifeln bereits am Geschäftsmodell des einst gefeierten Portals.
Das Geschäftsmodell von Groupon war es von Anfang an, mit einer tollen Story und einem mit viel Geld gekauften Umsatz-Wachstum einen Hype zu erzeugen, um dann durch einen Börsengang schnell viel Geld einzustreichen. Es hat geklappt. Mal wieder, um genau zu sein. Denn Eric Lefkofsky als größter Profiteur der Groupon-IPO macht genau sowas nicht zum ersten Mal. Kann man aber alles nachlesen - wenn es die neuen Investoren nicht machen, dann haben die offensichtlich zu viel Geld...
5. In meinem Falle Augsburg
kp86368 03.04.2012
Dat liebe ick auch so, den Slogan von groupon.de: "Entdecke die fünf besten Geheimtipps in Augsburg." Na wenn die geheim sind, warum wollen die mir dat denn verraten?
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