US-Traditionskonzern Handelskette Sears stellt Insolvenzantrag

Dem US-Traditionsunternehmen Sears droht das Aus. Der Konzern stellte einen Insolvenzantrag. Nun startet ein letzter Rettungsversuch.

Arbeiter repariert ein Logo von Sears
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Arbeiter repariert ein Logo von Sears


Nach mehr als 125 Jahren könnte in den USA ein Stück Handelsgeschichte zu Ende gehen. Der hoch verschuldete US-Einzelhändler Sears hat beim zuständigen Gericht in New York einen Insolvenzantrag gestellt. Wie das Unternehmen mitteilte, verhandelt es nun mit seinen Kreditgebern über die weitere Finanzierung.

Medienberichten zufolge war aktuell eine Rückzahlung von 134 Millionen Dollar (116 Millionen Euro) fällig, die Sears nicht aufbringen konnte.

Der Gründer des Finanzinvestors ESL, Eddie Lampert, besitzt ein großes Aktienpaket an Sears. ESL hält außerdem Schulden von 2,5 Milliarden Dollar an dem Einzelhändler. Lampert war zuletzt Chef der Kette. Von dem Posten tritt er zurück, bleibt aber im Verwaltungsrat.

Lampert kündigte an, bis Ende des Jahres müssten neben bereits geplanten Schließungen weitere 142 Filialen dichtmachen.

Sears wurde als Versandhändler gegründet und war zeitweise der größte Handelskonzern der USA. In den Achtzigerjahren expandierte das Unternehmen in weitere Geschäftsfelder wie etwa das Banken- und Hypothekengeschäft und verlor danach an Boden.

Nach der Fusion mit der Handelskette Kmart im Jahr 2005 scheiterten zahlreiche Versuche von Konzernchef Lampert, das Unternehmen zu retten. In Kanada hatte Sears bereits im vergangenen Jahr Gläubigerschutz beantragt.

Spezielles Insolvenzrecht in den USA

Nun versucht das Unternehmen, sich in den USA nach dem dortigen Insolvenzverfahren Chapter 11 doch noch zu retten. In den USA gibt es zwei unterschiedliche Insolvenzverfahren. Beim Chapter-7-Verfahren ist das Ziel die Liquidierung eines bankrotten Unternehmens. Beim Chapter-11-Verfahren dagegen handelt es sich um ein Sanierungsverfahren unter gerichtlicher Aufsicht. Dem Schuldner wird ein zeitlich begrenzter Schutz vor seinen Gläubigern gewährt, um sich zu reorganisieren.

"Diese Firma beherrschte in den Fünfzigerjahren den US-Einzelhandelsmarkt", sagte der Handelsberater Craig Johnson über Sears. Das Unternehmen müsse nun kleiner werden und könne sich dadurch vielleicht retten.

Sears hatte einst 350.000 Mitarbeiter, inzwischen sind es weniger als 90.000. Allein zwischen Ende 2017 und Mai 2018 wurden mehr als 100 Filialen geschlossen. Bereits mit dem Markteintritt des Discounters Walmart 1962 bekam Sears harte Konkurrenz. In den zurückliegenden Jahren setzte vor allem der Online-Handel dem Unternehmen zu.

Sears ist nur eine von vielen US-Handelsketten, die in den vergangenen Jahren und Monaten in die Pleite gerutscht sind, darunter auch der Traditions-Spielwarenhändler Toys"R"Us.

mmq/dpa/AP



insgesamt 7 Beiträge
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appenzella 15.10.2018
1. Toys"R"Us sind pleite, soso.
Kein Wunder bei dem unsäglichen Plastikschrott, den diese Firma an den Mann, genauer ans Kind bringen wollte. Ganz ohne Qualität geht es offenbar nicht, wie die Amis schmerzerfüllt feststellen müssen. Der amerikanische Präsident glaubt dagegen, daß die EU sich "unfair" verhält. Ob er irgendwann realisiert, daß es neben seiner speziellen Trump-Realität noch diverse andere Realitäten gibt?
Emil Peisker 15.10.2018
2. Sears Ende der 70er...
Im Sommer 1978 war ich auf dem Dach des Sears Towers. Das Gebäude schien mir der Inbegriff der Stärke des Binnenmarktes in den USA. Das Unternehmen schien so stark, so verschmolzen mit der US-Gesellschaft, dass ein Ende der Ära Sears nicht mal im Ansatz eine Möglichkeit war. Damals hatte ich einen Messestand auf der Consumer Electronics gemietet. Leider erreichten die Exponate die Messe erst nach ihrem Schluss.:-) Was für ein frühzeitiges Omen...
hannesR 15.10.2018
3. Kein Wunder,
denn auf Dauer kann eine solche Firma ohne gute und seriöse Produkte aus den USA,Japan oder Europa nicht überleben. Nur billig Produkte made in China haben einfach nicht die Zugkraft dieser genannten Produkt Destinationen um überleben zu können.
j.vantast 15.10.2018
4. Trump wird das Problem noch verschärfen
Ehemalige Marktführer verschwinden auch in Europa. Quelle und Neckermann waren auch mal sehr gross. Aber unter der Führung von Trump wird es schwieriger. Trump will sich im Bereich Handel vom Rest der Welt abschotten, möglichst nichts importieren, aber sehr gern alles exportieren. Das geht international aber nur über Qualität und genau da mangelt es amerikanischen Produkten. Amazon hätte keinen Erfolg wenn sie nur US-Produkte verkaufen würden. Noch dazu sind amerikanische Produkte nicht nur meist minderwertig sondern auch noch teurer als deutlich bessere Produkte. Die meisten Produkte heute sind aber ein Mix aus Komponenten verschiedener Ursprungsländer. Wer dann alle Komponenten aus heimischer Produktion verwenden will wird feststellen dass es diese entweder nicht aus heimischer Produktion gibt oder aber dass diese deutlich teurer sind als Importware. Dass es Sears aber jetzt schlecht geht verwundert nicht, zu viele, auch in Europa, haben gedacht dass die alte Erfolgsstory immer weiter gehen wird ohne dass man sich auch mal auf die heutige Zeit ausrichtet.
zaplata 15.10.2018
5. von bisher vier
Beiträgen schaffen es glatt zwei, Trump für die Pleite irgendwie mitverantwortlich zu machen. Lieber Gott, gut das Trump nur maximal 8 Jahre Präsident sein kann. Danach lösen sich sämtliche Probleme dieser Welt von ganz allein.
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