Wegen ausländischen Dumpingpreisen US-Handelsminister empfiehlt Strafzölle auf Stahlimporte

US-Handelsminister Ross findet, Billigstahl aus dem Ausland bedroht die nationale Sicherheit. Er schlägt Strafzölle vor. Deutsche Wirtschaftsvertreter reagieren alarmiert, China kündigt Gegenmaßnahmen an.

Stahlarbeiter in Salzgitter
DPA

Stahlarbeiter in Salzgitter


Die Regierung von US-Präsident Donald Trump macht Politik nach einem Motto: America First. Die Vereinigten Staaten erwägen deshalb auch, zum Schutz ihrer heimischen Wirtschaft hohe Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen.

US-Handelsminister Wilbur Ross veröffentlichte am Freitag seine Vorschläge, die er Trump vorgelegt hat. "Die Frage war, ob die nationale Sicherheit beeinträchtigt ist. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass sie das ist", sagte er. Aluminium und Stahl spielen in den USA eine große Rolle für die Rüstungsindustrie.

Ross schlug drei Möglichkeiten vor, um die US-Stahlindustrie gegen Billigimporte zu schützen.

  • Eine erste Option sei ein genereller Zoll auf Stahleinfuhren aus allen Ländern, der dann bei mindestens 24 Prozent liegen würde.
  • Die zweite Möglichkeit seien gezielte Zölle von mehr als 50 Prozent auf Importe aus zwölf Ländern, darunter China, Russland und Indien sowie die Türkei als einziges Nato-Land. Deutschland, wo etwa Importe der Salzgitter AG und der Dillinger Hütte seitens der US-Behörden unter Beobachtung standen, wäre hier ausgespart, müsste jedoch wie alle anderen Länder seine Exporte auf dem Niveau von 2017 einfrieren.
  • Dritte Option wären gar keine Zölle, aber ein Einfrieren der Exporte aus allen Ländern bei 63 Prozent der 2017er-Importe für jedes Land.

Die Folgen für den europäischen Stahlmarkt könnten beträchtlich sein, auch wenn die Exporte in Richtung USA eher gering sind. Denn die geplanten Strafzölle könnten Stahllieferungen aus Fernost umlenken, so die Befürchtung.

Deutsche Firmen würden unter Strafzöllen leiden

"Der EU-Stahlmarkt ist der offenste der Welt", sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, der "Welt am Sonntag". Protektionistische Maßnahmen seien der falsche Weg. "Gegen unfairen Handel zum Beispiel in Form von Dumping sollten ausschließlich WTO-konforme Handelsschutzinstrumente angewendet werden."

Der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Holger Bingmann, fürchtet ebenfalls negative Folgen für Deutschland. "Die deutsche Wirtschaft mit ihrer internationalen Ausrichtung würde sicher zu den Leidtragenden gehören, selbst wenn die im Raum stehenden Strafzölle sie nicht direkt betreffen würden", sagte er der Zeitung.

US-Präsident Trump muss nun bis zum 11. April eine Entscheidung hinsichtlich der Stahlimporte treffen, bis zum 19. April hinsichtlich der Aluminiumimporte, für die Handelsminister Ross ebenfalls Vorschläge für Strafzölle machte. Allerdings wären die Strafzölle hier geringer und mit China, Hongkong, Russland, Venezuela und Vietnam bei der zweiten Option nur fünf Länder betroffen.

US-Börse reagiert positiv, China negativ

Die US-Börsen reagierten positiv auf die Vorschläge aus dem Handelsministerium. Aktien von US Steel und AK Steel legten am Freitag kräftig um 14 beziehungsweise 16 Prozent zu.

Im Januar hatte die US-Regierung bereits hohe Zölle auf den Import von Solarmodulen und Waschmaschinen aus China und Südkorea verhängt und damit empörte Reaktionen in beiden Ländern ausgelöst. Bei Solarmodulen betragen die Zölle bis zu 30 Prozent, bei Waschmaschinen sogar bis zu 50 Prozent.

Wilbur Ross, US-Handelsminister
picture alliance/ Gian Ehrenzel

Wilbur Ross, US-Handelsminister

China hat für den Fall von US-Importbeschränkungen für Stahl und Aluminium nun auch entschiedene Gegenmaßnahmen angekündigt. Sollte das Weiße Haus einer entsprechenden Empfehlung des US-Handelsministeriums folgen, werde das Land alle Schritte einleiten, seine eigenen Interessen zu schützen, erklärte das Handelsministerium in Peking. Details wurden zunächst nicht bekannt.

dop/dpa/Reuters

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insgesamt 16 Beiträge
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shardan 17.02.2018
1. Spannend
Es wird spannend werden. Es sind ja nicht nur Trumps eigene Hotels (Teuere Preise, Zimmer in billigstem China-Chic). Das die USA derartig viel Stahl importieren, hat ja Gründe, die nichts damit zu tun haben, das China so toll und Deutschland so lieb sind. Die amerikanischen Stahlwerke können die Mengen kaum produzieren - und besonders bei speziellen Stählen sieht es da m. W. ziemlich düster aus. Die Werke sind zu einem erheblichen Teil nicht veraltet, sondern überaltert. Was die liefern können, entspricht weder in Menge noch in Qualität den Anforderungen des Marktes. Da mag der Herr Handelsminister, verlängerter Arm von Trump, noch so viel "America first" rufen, davon bekommt er keinen Spezialstahl für z.B. medizinische Instrumente oder hoch beanspruchte Lager. Da heißt "America first" dann eher "Amerika hat's nicht".
w.diverso 17.02.2018
2. Sollten die Amerikaner
nicht zuerst mal schauen, warum die anderen Länder so (angeblich) viel billiger produzieren können? Bei den Waschmaschinen habe ich mir die Preise im amerikanischen Online-Handel angesehen. Abgesehen davon, dass die amerikanischen Produkte oft wie bei uns vor 50 Jahren aussehen, ist mir nicht aufgefallen, dass die Maschinen von Samsung so viel billiger sind. Bei den Stahlwerken soll es auch so sein, dass die Amerikaner mit Uraltanlagen arbeiten. Ist vielleicht ähnlich wie in der englischen Autoproduktion. Die wurde auch erst von diversen ausländischen Konzernen auf den Stand der Neuzeit gebracht. Die Amerikaner glauben sehr oft, dass sie das Mass der Dinge sind, sind es aber nur bei bestimmten Techniken. Protektionismus ist halt der bequemere Weg.
stefan.martens.75 17.02.2018
3. Regeln der WTO sind lachhaft
Denn das ist knallharte Globalisierungsideologie dir dahinter steht. Oder fragt da einer was ein Vietnamese verdient oder wie der medizinisch und rententechnisch abgesichert wird? :-) Die andere Frage ist: Warum sind die Zölle nötig? Weil die Bedingungen unfair sind und Lohndumping der eigentliche Grund des Erfolges ist? Oder sind die US-Firmen unfähig, nicht innovativ und liefern bzw. produzieren nicht marktgerecht? Da hier selbst deutsche Stahlwerke mit dessen Löhnen auf der Liste stehen, tendiere ich hier zum letzteren. Übrigens analog zum Waschmaschinen Zoll. Gleiche Fragestellung und Antwort. Da wird auch eigenes Marktversagen durch die Politik gedeckt.
hausfeen 17.02.2018
4. Wenn die USA alles alleine produzieren wollen, dann dürften sie auf ..
... lange Sicht alles alleine konsumieren. Das könnte auch bedeuten, dass globalen Unternehmen wie Microsoft, Apple, Google oder Facebook international die Daumenschrauben angezogen werden. Betriebssysteme aus chinesischer oder russischer Hand dürften kein Problem sein. Der Home-Markt wäre ihnen auch sicher per Staatsdekret. Wo noch sind die USA stark im Export?
Chilango 17.02.2018
5.
Zitat von stefan.martens.75Denn das ist knallharte Globalisierungsideologie dir dahinter steht. Oder fragt da einer was ein Vietnamese verdient oder wie der medizinisch und rententechnisch abgesichert wird? :-) Die andere Frage ist: Warum sind die Zölle nötig? Weil die Bedingungen unfair sind und Lohndumping der eigentliche Grund des Erfolges ist? Oder sind die US-Firmen unfähig, nicht innovativ und liefern bzw. produzieren nicht marktgerecht? Da hier selbst deutsche Stahlwerke mit dessen Löhnen auf der Liste stehen, tendiere ich hier zum letzteren. Übrigens analog zum Waschmaschinen Zoll. Gleiche Fragestellung und Antwort. Da wird auch eigenes Marktversagen durch die Politik gedeckt.
Tja das ist bei uns nicht viel anders. Was hatten wir an Innovation in den letzten Jahren? Automobilindustrie, ist sehr innovativ im besch.... Und die Politik deckt nicht das Marktversagen, sie fördert es. Siehe die aktuelle Diskussion umdie Nachrüstungen durch Steuergelder. Solange nicht wirklich die obere Managementebene in den Knast wandert ist so etwas völlig indiskutabel. Sie argumentieren immer mit ihrer Verantwortung um ihre Vergütungen zu rechtfertigen. Aber sie verantworten gar nichts. Es wird wohl höchstwahrscheinlich der Staat für den Betrug von VW etc. einstehen. Winterkorn wird trotzdem nicht zur Rechenschaft gezogen und darf weiterhin seine obszöne Rente von VW beziehen. Dafür wiederholt die Regierung ihr Versprewchen seid 10 Jahren jetzt nun endlich bis 2025 schnelles Internet bis 50 MB/d für alle. Aktuell in Mexiko hatte ich letzte Woche festgestellt das die Metro 50 MB/s Wifi im Tunnel anbietet. Internet im Fernbus gibts schon seid mehr als 10 Jahren. Deutschland? Wlan im Bus bis 2050 Hahahahahahaha
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