US-Haushalt Großbank warnt Obama vor Finanzkatastrophe

In der amerikanischen Schuldenkrise läuft den Kontrahenten die Zeit davon. Es bleiben nur noch Tage, um die Zahlungsunfähigkeit der USA abzuwenden. Jetzt warnt der Chef der Großbank JP Morgan vor einer Staatspleite: Diese könnte die Weltwirtschaft ins Desaster reißen.

US-Präsident Obama: Er brach am Mittwoch ein Krisentreffen mit den Republikanern ab
AFP

US-Präsident Obama: Er brach am Mittwoch ein Krisentreffen mit den Republikanern ab


New York - Seine Bank hat zuletzt prächtig verdient, und doch gab sich Jamie Dimon am Donnerstag alles andere als gelassen. Der Vorstandschef des zweitgrößten US-Geldhauses JP Morgan Chase macht sich Sorgen - wegen der US-Schuldenkrise und vor allem wegen des noch immer ungelösten Streits über die Anhebung der gesetzlichen Verschuldungsgrenze.

"Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass ein Zahlungsausfall der USA keine Katastrophe auslösen würde", sagte Dimon am Donnerstag nach der Verkündung der jüngsten Quartalszahlen der Bank. Dimon rechnet für diesen Fall mit einem "ernsthaften Schaden" für die Weltwirtschaft. "Es wäre unverantwortlich, es darauf ankommen zu lassen."

US-Präsident Barack Obama und die oppositionellen Republikaner im Kongress verhandeln seit Wochen über eine Anhebung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar. Am Mittwoch soll Obama die Verhandlungen wutschnaubend verlassen haben, nachdem er sich mit dem Fraktionschef der Republikaner im Abgeordnetenhaus, Eric Cantor, einen verbalen Schlagabtausch geliefert hatte. "Genug ist genug", habe Obama gesagt, berichtete ferner das "Wall Street Journal" und sprach von einem neuen Tiefpunkt der Gespräche. Am Donnerstag sollte ein neuer Anlauf unternommen werden.

Angesichts der festgefahrenen Situation droht die Rating-Agentur Moody's damit, die Kreditwürdigkeit der USA herabzustufen. Man prüfe den Entzug der Bestnote AAA für US-Staatsanleihen. Der Stillstand in den Verhandlungen erhöht laut Moody's die Gefahr, dass die Schuldenobergrenze nicht rechtzeitig zum 2. August erhöht werden kann. Sollte es bis Mitte Juli keine Entscheidung geben, werde es zu einer Überprüfung des Ratings kommen.

"Ein tatsächlicher Zahlungsausfall, egal von welcher Dauer, würde Moody's Beurteilung über die Pünktlichkeit künftiger Zahlungen fundamental verändern", warnte die Agentur. Die Note AAA sei dann nicht länger angemessen. Moody's und S&P hatten hatten bereits vor einigen Wochen eine mögliche Prüfung oder gar Herabstufung der US-Bonität ins Gespräch gebracht. Auch die chinesische Regierung äußerte sich am Donnerstag besorgt über den Streit und drohte, ihr Engagement in amerikanischen Staatsanleihen zurückzufahren. China ist der größte Gläubiger des Landes.

JP Morgan verdient 5,4 Milliarden Dollar

Während Europas Banken vor Euro-Krise und Stresstest zittern, scheffelt JP Morgan Milliarden, als wäre nichts gewesen. Im zweiten Quartal konnte die Bank ihren Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar steigern. Damit übertraf sie die Erwartungen der Analysten bei weitem.

Bankchef Dimon gab sich vergleichsweise bescheiden und sprach von einer "soliden Leistung" in den meisten Geschäftsfeldern. Angesichts des guten Laufs hat die Bank nach eigenen Angaben seit Jahresbeginn mehr als 10.000 neue Mitarbeiter eingestellt.

Analysten hatten befürchtet, dass das einträgliche Investmentbanking massiv leidet, weil sich Investoren derzeit wegen der Schuldenkrise mit der Anlage ihrer Gelder zurückhalten - den Banken entgehen dadurch einträgliche Geschäfte. Doch JP Morgan scheint die Lage im Griff zu haben: Die Erträge stiegen insgesamt um sieben Prozent auf 27,4 Milliarden Dollar. Kleinere Schwächen im Investmentbanking glich das Privatkundengeschäft aus; vor allem mit Kreditkarten verdient die Bank wieder richtig Geld.

JP Morgan besitzt sowohl ein starkes Standbein im Investmentbanking als auch im Privatkundengeschäft. Damit gilt das US-Institut als Vorbild für die Deutsche Bank. Deren Chef Josef Ackermann hat die Postbank auch deshalb übernommen, um die Abhängigkeit vom risikoreichen Investmentbanking zu reduzieren. Die Deutsche Bank legt ihre Zahlen am 26. Juli vor.

stk/AP/dpa

insgesamt 288 Beiträge
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plastikjute 14.07.2011
1. Keine Bockwurst für Amerika
Wie wird man seine Schulden los? Man macht einfach Pleite. Legen es die USA darauf an? Entweder Hyperinflation oder gleich Pleite. So oder so, die Gläubiger sehen in den Schornstein. Einem Amerikaner würde ich nicht mal eine Bockwurst verkaufen, ohne dass er mir Frau und Kinder als Geiseln dalässt.
MarkusW77 14.07.2011
2. ich wähle a)
Zitat von sysopIn der amerikanischen Schuldenkrise läuft den Kontrahenten die Zeit davon. Es*bleiben nur noch Tage, um die Zahlungsunfähigkeit der USA abzuwenden. Jetzt warnt der Chef der Großbank JPMorgan vor einem solchen Fall: Er könnte die Weltwirtschaft ins Desaster reißen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,774494,00.html
Ich bin dafür die Schuldengrenze nochmal anzuheben- möglichkeit a) sofort auf ca. 20 Billionen Dollar, dann ist erstmal Ruhe. möglichkeit b) nur ein klein bißchen, dann gibt es wenigstens alle paar Monate neue wichtige Artikel über die USA und das dann die Welt untergeht und so... ...oder c) einmal dem ganzen Spuk ein Ende machen und schauen ob morgen die Welt noch so ist wie wir sie kennen.
flötrolf 14.07.2011
3. Kreditversicherungen!
!Schuldenkrise läuft den Kontrahenten die Zeit davon. Es*bleiben nur noch Tage, um die Zahlungsunfähigkeit der USA abzuwenden. Jetzt warnt der Chef der Großbank JPMorgan vor einem solchen Fall: Er könnte die Weltwirtschaft ins Desaster reißen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,774494,00.html[/QUOTE] Lieber Spiegel, können Sie bitte einmal recherchieren, wievil Geld JPMorgan an griechischen Kreditausfallversicherungen verdient. Also, Geld, welches ohne Risiko eingenommen wird. Und wenn das Risiko ausgeschlossen wird durch milliardenschwere Hilfspakete, warum kann die Kreditversicherung nicht wg. Sittenwidrigkeit gekündigt und überzahlte Prämien zurückgefordert werden?
Family Man 14.07.2011
4. At gunpoint
"Entweder Ihr zahlt uns weiter Steuergelder (mit der Hyperinflation müsst Ihr selber klar kommen), oder wir reissen alles nieder!" sprach der Jamie Dimon, wie sein Kollege Hank Paulsen drei Jahre zuvor.
4magda 14.07.2011
5. heute ist Donnerstag
Töchterchen arbeitet in den Staaten in einem großen Möbelgeschäft. Vorgabe der dortigen Geschäftsleitung ist, nah: Nein nicht Möbel verkaufen, sondern den Käufern möglichst eine Kreditkarte des Unternehmens aufschwatzen. Märchen? Nein, Tatsache!
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