Festnahme von Hedgefonds-Manager: "Lukrativster Insidertipp aller Zeiten"

Erst verdiente er mit der Information Millionen, jetzt könnte sie ihn ins Gefängnis bringen: In Florida ist ein Hedgefonds-Manager festgenommen worden, der im großen Stil gegen zwei Pharmakonzerne gewettet haben soll. Ein Arzt hatte ihm zuvor geheime Testergebnisse verraten.

Staatsanwalt Bharara erläutert die Anklage: Wetten mit Pharma-Insiderinformationen Zur Großansicht
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Staatsanwalt Bharara erläutert die Anklage: Wetten mit Pharma-Insiderinformationen

New York - Ein amerikanischer Hedgefonds-Manager ist in Flordia festgenommen worden, weil er mit einem illegalen Insidergeschäft für riesige Gewinne gesorgt haben soll. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft summierte sich der Profit aus Aktienverkäufen und Wetten gegen zwei Pharmafirmen auf mehr als 276 Millionen Dollar. Es könnte sich um den "lukrativsten Insidertipp aller Zeiten" gehandelt haben, sagte Staatsanwalt Preet Bharara.

Den entscheidenden Hinweis hatte der Hedgefonds-Manager Mathew Martoma nach Angaben des FBI schon im Jahr 2006 bekommen. Demnach erzählte ihm ein befreundeter Arzt, dass ein Alzheimer-Medikament der Pharma-Riesen Elan und Wyeth Chart zeigen in einem Test nicht den gewünschten Erfolg zeige. Später habe Martoma geheime Informationen erhalten, die das endgültige Ergebnis des Tests vorweggenommen hätten.

Als Martoma die Information bekam, arbeitete er für den Hedgefonds CR Intrinsic Investors, der auch in die Pharmafirmen investiert hatte. Martoma verkaufte daraufhin die Aktien und wettete zudem auf einem Kursverfall. Nach der Veröffentlichung der Testergebnisse brach der Kurs tatsächlich ein.

Jahresbonus von fast zehn Millionen Dollar

Der Manager selbst erhielt laut Klageschrift nach der Transaktion einen Jahresbonus von 9,4 Millionen Dollar. Ihm drohen nun eine Haft- und Geldstrafe. Der Arzt bekam den Ermittlern zufolge mehr als 100.000 Dollar für seine Tipps. Er tritt im Prozess als Kronzeuge auf, dafür wurde ihm Straffreiheit gewährt.

Handel mit Aktien auf der Grundlage geheimer Informationen ist verboten, weil er andere Anleger benachteiligt. Martomas Anwalt Charles Stillman nannte seinen Mandanten einen "hervorragenden Portfolio-Manager", der durch harte Arbeit zum Erfolg gekommen sei. Am Ende werde sich seine Unschuld herausstellen.

Zunächst deutet sich jedoch an, dass sich der Fall noch ausweiten könnte: Laut "Wall Street Journal" soll Steve Cohen, Kopf des Hedgefonds-Giganten SAC, Martomas Geschäfte abgesegnet haben. Martomas Arbeitgeber CR Intrinsic Investors ist eine Tochterfirma von SAC. Mitarbeiter des Fonds waren bereits in andere Insiderfälle verstrickt, es gibt jedoch bislang keine Hinweise darauf, dass Cohen selbst von den Umtrieben seiner Leute wusste.

Das FBI hatte Anfang des Jahres erklärt, seinen Kampf gegen Insiderhandel zu verstärken. Für besonderes Aufsehen sorgte der Prozess gegen den früheren Goldman-Sachs-Verwaltungsrat Rajat Gupta und seinen Komplizen Raj Rajaratnam. Sie wurden zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Ich versteh das...
Hupert 20.11.2012
mit dieser Wetterei nicht so richtig, ich meine ich kann zwar auf einen Kursverfall wetten aber was bringt mir das als reguläres Wirtshaftsunternehmen, wie ja auch diverse Hedgefonts mehr oder weniger welche sind, für Gewinne? Woraus ergibt sich ein tatsächlicher Mehrwert? Wie entsteht daraus vermeintlich reales Vermögen? Für mich klingt das alles nach Pferderennbahn, ich kann mir aber nicht vorstellen das es tatsächlich so profan ist. Ich bitte um kurze Aufklärung...
2. Gier fressen Seele auf …
Dr.pol.Emik 20.11.2012
… bemerkenswert finde ich aber, dass inzwischen die „volle Härte des Gesetzes“ zuschlägt, wenn Geldsäcke anderen Geldsäcken wehtun. Es untermalt einmal mehr sehr eindrucksvoll worum es „nur noch“ geht. Um allerdings dem Thema treu zu bleiben, gibt es hier noch einen absoluten Insidertip: *Humankapitalanlage – Tricks für Profis* (http://qpress.de/2010/07/03/humankapitalanlage-tricks-fur-profis/) … der hingegen ist auch völlig straffrei, denn hier handelt es sich lediglich um Menschen und dabei kommt auch kein Geldsack zu Schaden. Ist schon erstaunlich wie sich die Werte wandeln, nicht wahr.
3.
as86 20.11.2012
@hupert: die handelsstrategie von hedgefonds in diesem Fall durfte sich auf Leerverkäufe belaufen haben.
4. Leerverkäufe
sakko 20.11.2012
Eine Wette funktioniert wohl so, dass der Hedgefonds sich kein Geld, sondern Aktien besagter Firma leiht. Diese verkauft er dann zu einem hohen Kurs um sie nach einem Kursverfall wieder zurückzukaufen und wieder zurück zu geben. Die dabei auftretende Differenz kann er als Gewinn einstecken.
5.
alpenkraut 20.11.2012
Zitat von Hupertmit dieser Wetterei nicht so richtig, ich meine ich kann zwar auf einen Kursverfall wetten aber was bringt mir das als reguläres Wirtshaftsunternehmen, wie ja auch diverse Hedgefonts mehr oder weniger welche sind, für Gewinne? Woraus ergibt sich ein tatsächlicher Mehrwert? Wie entsteht daraus vermeintlich reales Vermögen? Für mich klingt das alles nach Pferderennbahn, ich kann mir aber nicht vorstellen das es tatsächlich so profan ist. Ich bitte um kurze Aufklärung...
Ist doch ganz leicht! Sie borgen sich ein paar Dollar, schlendern in den Pferdestall, fragen den Pfleger nach dem Befinden der Tierchen und platzieren Ihre Wette.
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