Dewey&LeBoeuf-Insolvenz Pleite von Anwaltskanzlei ängstigt US-Juristen

Ob Baseballspieler oder Versicherungsriese, bis vor kurzem vertrat die US-Anwaltskanzlei Dewey & LeBoeuf zahlreiche prominente Kunden. Nun musste die Traditionsfirma Insolvenz anmelden, es ist die größte ihrer Art. Beobachter erwarten weitere Pleiten in der Branche.

Bilder wie bei Lehman Brothers: Ein Mann verlässt die insolvente Kanzlei Dewey & LeBoeuf
REUTERS

Bilder wie bei Lehman Brothers: Ein Mann verlässt die insolvente Kanzlei Dewey & LeBoeuf


New York - Eine der wichtigsten US-Anwaltskanzleien steht vor dem Aus: Die New Yorker Firma Dewey & LeBoeuf musste am Montagabend Insolvenz anmelden. Es ist die größte Pleite einer Kanzlei in der US-Geschichte.

"Dies ist ein sehr trauriger Tag für die Juristenbranche", zitierte die "New York Times" ("NYT") den früheren Richter und heutigen Anwalt Richard J. Holwell. "Dewey ist eine legendäre Firma mit vielen großartigen Anwälten und ein Niedergang dieser Art ist einmalig." Den Gerichtsdokumenten zufolge habe die Kanzlei Schulden von 315 Millionen Dollar, den größten Teil davon bei Banken. Das Unternehmen will nur einige Dutzend ihrer einst mehr als 2500 Angestellten behalten, um die Abwicklung zu organisieren.

Die Wurzeln von Dewey & LeBoeuf reichen mehr als 100 Jahre zurück. Die Firma hatte zahlreiche prominente Klienten, darunter die Spieler-Gewerkschaften der amerikanischen Baseball- und Basketballligen, den Versicherungskonzern MetLife und die Behörde, die den Wiederaufbau von Lower Manhattan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 organisiert.

Laut "NYT" litt Dewey & LeBoeuf jedoch unter den Folgen der Finanzkrise. Beobachtern zufolge sei die Kanzlei ebenso wie verschiedene Konkurrenten zu schnell gewachsen und habe dabei hohe Summen ausgegeben, um Anwälte bei der Konkurrenz abzuwerben. Laut dem Juraprofessor Steven J. Harper drohen der Branche weitere Pleiten. "Einige große Kanzleien, deren Chefs denken, sie seien immun, sind als nächste dran", zitiert ihn die Zeitung.

Der Zusammenbruch betrifft laut der Nachrichtenagentur Reuters auch einen Prozess um hunderte Opfer der radikal-islamischen Hamas in Israel. Sie klagen gegen die jordanische Arab Bank Group, welche Hamas und anderen militanten Gruppen mit Finanzdienstleistungen geholfen haben soll. Dewey & LeBoeuf hatte die Bank bislang vor Gericht vertreten, durch die Pleite wurde das Verteidigerteam jedoch dezimiert. Die zuständige Richterin gewährte der Arab Bank wegen der besonderen Umstände einen zweimonatigen Aufschub verschiedener Fristen.

dab/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 101 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Tahlos 29.05.2012
1. Da kommen
einem die Tränen vor Mitgefühl bei diesen Juristenschicksalen. 315 Mio Dollar Verbindlichkeiten? Da kann man auf Anhieb erstmal sagen: Selbst Schuld. Wenn man dermaßen viel Geld aus dem Fenster wirft, nur damit man u.a. von anderen Leute abwerben kann, ist eine Pleite nur korrekt.
Niamey 29.05.2012
2. Cool!
Zitat von sysopREUTERSOb Baseballspieler oder Versicherungsriese, bis vor kurzem vertrat die US-Anwaltskanzlei Dewey & LeBoeuf zahlreiche prominente Kunden. Nun musste die Traditionsfirma Insolvenz anmelden, es ist die größte ihrer Art. Beobachter erwarten weitere Pleiten in der Branche. US-Kanzlei Dewey & LeBoeuf legt historische Pleite hin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,835693,00.html)
Bei den Stundensätzen und der Raffgier dieser Truppe, finde ich das klasse. Nur weiter so! Das hat mit Rechtschaffen und Rechtsanwälten nichts mehr zu tun! Nur Reiche können sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch mit einem Rechtsanwalt verteidigen. Stundensätze liegen bei 400 - 1000 Dollar je Stunde wohlgemerkt. Einmal seinen Anwalt anrufen und schon werden 6 Minuten zu 40 - 100 Dollar fällig. Yeah!
loops-2000 29.05.2012
3. Mitgefühl
Zitat von NiameyBei den Stundensätzen und der Raffgier dieser Truppe, finde ich das klasse. Nur weiter so! Das hat mit Rechtschaffen und Rechtsanwälten nichts mehr zu tun! Nur Reiche können sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch mit einem Rechtsanwalt verteidigen. Stundensätze liegen bei 400 - 1000 Dollar je Stunde wohlgemerkt. Einmal seinen Anwalt anrufen und schon werden 6 Minuten zu 40 - 100 Dollar fällig. Yeah!
Ich denke unser aller Mitgefühl hält sich in Grenzen, denn wie wir wissen, ist diese "Wirtschaftsbranche" in den USA in's Uferlose gewachsen und hat volkswirtschaftlich gesehen keinen Gegenwert.
distel60 29.05.2012
4. Unglaublich!
Der Markt reguliert sich selbst. Kaum zu fassen!
forumgehts? 29.05.2012
5. Tja,
Zitat von sysopREUTERSOb Baseballspieler oder Versicherungsriese, bis vor kurzem vertrat die US-Anwaltskanzlei Dewey & LeBoeuf zahlreiche prominente Kunden. Nun musste die Traditionsfirma Insolvenz anmelden, es ist die größte ihrer Art. Beobachter erwarten weitere Pleiten in der Branche. US-Kanzlei Dewey & LeBoeuf legt historische Pleite hin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,835693,00.html)
in den USA sollte man seine Fälle eben gewinnen, sonst ist einmal Schluss. Bei uns kommen die Anwälte immer an ihr Geld, ob sie nun gewinnen oder verlieren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.